Die Weil-Vermutungen
Andreas Krug – Philipps-Universität Marburg
Erste Motivation
Die Weil-Vermutungen sind:
eine interessante und nützliche Verbindung zwischen den Gebieten derZahlentheorieund deralgebraischen GeometrieundTopologie
(diskrete Objekte←→kontinuierliche Objekte), die wichtigsteMotivationfür die Entwicklung der modernen algebraischen Geometrie(~1950 – 1970),
Plan für den Vortrag
1 Zahlentheorie und Algebraische Geometrie
2 Weil-Vermutungen: Formulierungen, Beispiele & Anwendungen
Ziele der Zahlentheorie
Diophantische Gleichungen
Eine der Hauptaufgaben der Zahlentheorie ist die Bestimmung ganzzahliger Lösungenvon ganzzahligen
Polynomgleichungen.
pist einePrimzahl⇐⇒Die Diophantische GleichungXY =p hat genau diese vier Lösungen:
(1,p) , (p,1) , (−1,−p) , (−p,−1).
Satz von Fermat–Wiles (1637/1995) Fürn≥3 hat die Polynomgleichung
Xn+Yn =Zn
Diophantische Gleichungen modulo
p
Satz von Matiyasevich (1970)
Es gibt keinen allgemeinen Algorithmus, der entscheiden kann ob eine gegebene Diophantische Gleichung eine Lösung hat. Hilberts 10tes Problemhat also einenegativeAntwort.
Leichtere Aufgabe der Zahlentheorie
Klassische Algebraische Geometrie
Klassische algebraische Geometriebeschäftigt sich mit Varietäten, also denNullstellenmengenvon Polynomen, über RoderC.
Xd ={xd+yd−zd =0} ⊂R3
Da die Gleichunghomogenist, handelt es sich umKegel (O6=P ∈Xd =⇒OP⊂Xd)
Affine Schemata
Zals initialer Ring
SeiK einbeliebiger Körper(allgemeiner: Ring). Dann ist Multiplikation mit ganzen ZahlenaufK wohldefiniert durch
`·x :=x+· · ·+x
| {z }
`-mal
für`∈Z,x ∈X.
Damit:f ∈Z[X1, . . . ,Xn]ganzzahliges Polynom,
x = (x1, . . . ,xn)∈Kn f(x) =f(x1, . . . ,xn)∈K wohldefiniert.
Affine Schemata als FamilienK-wertiger Punkte
Gegebenganzzahlige Polynomef1, . . . ,fr ∈Z[X1, . . . ,Xn] Affines SchemaS=V(f1, . . . ,fr).
FürjedenKörperK-wertige Punkte:
Affine Schemata
Affine Schemata als FamilienK-wertiger Punkte
Gegebenganzzahlige Polynomef1, . . . ,fr ∈Z[X1, . . . ,Xn] Affines SchemaS=V(f1, . . . ,fr).
FürjedenKörperK-wertige Punkte:
S(K) ={x = (x1, . . . ,xn)∈Kn|fi(x) =0 füri =1, . . . ,r}⊂Kn
Beispiel: r =1=n, f =2X2+1, S=V(f)
Projektiver Raum
SeiK ein Körper,n∈N. Verschiedene
Definitionen/Aspekte desprojektiven RaumsPn(K).
Pnals Quotient, homogene Tupel
Pn(K) = (Kn+1\ {0})/K×={[x0:· · ·:xn]|xi 6=0 für eini}
[x0:· · ·:xn] = [y0:· · ·:yn]⇐⇒ ∃λ∈K×:
λ(x0, . . . ,xn) = (y0, . . . ,yn).
Pnals Modulraum
Pn(K) ={Ursprungsgeraden inKn+1}
Pnals Vervollständigung des affinen Raums im Unendlichen
P0(K) =Punkt, Pn(K) =Kn∪Pn−1(K).
Projektive Schemata
Nullstellen homogener Polynome
f ∈Z[X0, . . . ,Xn]homogenesPolynom vom Gradd f(λx) =λdf(x)fürx = (x0, . . . ,xn)∈Kn+1,λ∈K×. Damit:f(x) =0 ⇐⇒ f(λx) =0
Projektive Schemata als FamilienK-wertiger Punkte
Gegebenf1, . . . ,fr ∈Z[X0, . . . ,Xn]homogeneganzzahlige Polynome Projektives SchemaX =Vproj(f1, . . . ,fr).
FürjedenKörperK-wertige Punkte:
X(K) ={x = [x0:· · ·:xn]|fi(x) =0 füri =1, . . . ,r}⊂Pn(K)
Beispiel: r =1=n,
f =2X2
0 +X12=−(
√
−2X0+X1)(
√
−2X0−X1)=X12,
X =Vproj(f)
X(R) =∅,X(C) ={[±1/
√
Glatte Projektive Schemata
Glattheit projektiver Schemata
Ein projetives SchemaX =Z(f1, . . . ,fr)⊂Pnheißtglatt:⇐⇒
1 Jacobi-Kriterium:
Rang(∂Xj∂fi(x))i,j ist unabhängig vonx ∈X(K)undK.
2 I= (f
1, . . . ,fr)∈Z[X0, . . . ,Xn]ist einPrimideal.
DieC-wertigen Punkte als Mannigfaltigkeit
X glatt=⇒ X(C)istkompakte
Endliche Körper
Satz zur Existenz und Eindeutigkeit endlicher Körper
Seipeine Primzahl. Dann existiert für jedesn∈Ngenau ein KörperFpn mitpnElementen.
Konstruktion:
Fp =Z/pZ(Ganze Zahlen modulop).
SeiFp der algebraische Abschluss vonFp.
Fpn ={x ∈Fp|xp n
=x} ⊂Fp.
Frobenius-Automorphismus
F:Fp→Fp , F(x) =xp
Fpn als Fixkörper
Z
-Funktion einer Varietät
Fixiereglattes projektivesSchemaX undPrimzahlp. Interesse an Verhalten von|X(Fpn)|für variierendesn. ZählfunktionP∞n=1|X(Fpn)| ·Tn(formale Potenzreihe inT).
Z-Funktion vonX
Zp(X,T) :=Z(X,T) :=exp
P∞
n=1|X(Fpn)| ·T n n
.
Weil-Vermutung 1: Rationalität
Es gibtganzzahlige Polynomef,g ∈Z[T]mitf(0) =1=g(0)
so, dass
Z(X,T) = f(T)
Rationalität der
Z
-Funktion
Z-Funktion vonX
Zp(X,T) :=Z(X,T) :=exp
P∞
n=1|X(Fpn)| ·T n n
.
Weil-Vermutung 1: Rationalität
Es gibtganzzahlige Polynomef,g ∈Z[T]mitf(0) =1=g(0)
so, dass
Z(X,T) = f(T)
g(T).
BetrachtenZ(X,T) :C99KCalsmeromorphe Funktion.
Korollar
|X(Fpn)|=
X
α∈C,g(α)=0
α−n− X
β∈C,f(β)=0
Das Beispiel
X
=
P
d=
V
proj(0)
|Pd(Fq)|= |Fd+1
q \{0}| |Fq\{0}| =
qd+1−1
q−1 =1+q+q
2+· · ·+qd.
|Pd(
Fpn)|=1+pn+p2n+· · ·+pdn.
Z(Pd,T) =exp
∞ X
n=1 |Pd(
Fpn)|·
Tn n ! =exp ∞ X
n=1
Tn+(pT)n+(p2T)n+· · ·+(pdT)n n
!
=exp ∞ X
n=1
Tn n ! exp ∞ X
n=1 (pT)n
n !
· · ·exp ∞ X
n=1
(pdT)n n
!
= 1
Analogon zur Riemannschen Vermutung
Ab jetzt:d =dimX, das heißt 2d =dimX(C).
Weil-Vermutung 2: Beträge der Pol- und Nullstellen
SeiZ(X,T) = gf((TT)) (Rationalität der Z-Funktion!).
1 g(1) =0=g(p−d). Die weiterenkomplexen Polstellenα vonZ(X,T)erfüllen|α|C=p−i miti ∈ {1, . . . ,d−1}.
2 Diekomplexen Nullstellenβ vonZ(X,T)erfüllen
|β|C=p−2i+21 miti ∈ {0, . . . ,d−1}.
Z(Pd,T) = 1
Analogon zur Riemannschen Vermutung
Formulierung in Thermen der Zeta-Funktion
Betrachtemeromorphe FunktionζX(s) =Z(X,p−s) :C99KC.
1 DiePolstellenserfüllen Re(s)∈ {0,1, . . . ,d}.
2 DieNullstellenserfüllen Re(s)∈ {1 2,
3 2, . . . ,
2d−1 2 }.
Spezialfall von Kurven
DieNullstellenderZeta-FunktionζC(s)einer KurveCerfüllen Re(s) = 12.
Riemannsche Vermutung
Kohomologie einer Mannigfaltigkeit
Mkompakte, orientierte Mannigfaltigkeit der Dimensionm
Kohomologie: endlich-dimensionaleC-Vektorräume
Hi(M) =Hi(M,C) =Hi(M,C) = ˇHi(U,C) =Hisimpl(X) =HidR(X) füri =0, . . . ,m.
Betti-Zahlen: bi =bi(M) =dim(Hi(M))
Eigenschaften der Kohomologie
Funktorialität: g:M→N stetig g∗: Hi(N)→Hi(M).
Poincaré-Dualität: Hi(M)∼=Hm−i(M)∨ (⇒bi =bm−i).
Künneth-Formel: Hi(M×N) =L
a+b=iH
a(M)⊗Hb(N).
Lefschetz-Fixpunkt-Formel: f:M→M differenzierbar mit isolierten Fixpunkten
⇒ |Fix(f)|=Pdi=0(−1)iSpur f∗:Hi(M)→Hi(M).
Verbindung der Z-Funktion zur Topologie
Weil-Vermutung 3: Z-Funktion und Betti-Zahlen
DieBetti-Zahlen der Mannigfaltigkeit derC-wertigen Punktebj =bj(X(C))sinddurch die Z-Funktion bestimmt:
1 b
2i = #(Polstellen vonZ(X,T)mit|α|=p−i).
2 b
2i+1= #(Nullstellen vonZ(X,T)mit|β|=p−
2i+1 2 ).
Jeweilsmit Vielfachheitgezählt.
Z(Pd,T) = 1
(1−T)(1−pT)(1−p2T)· · ·(1−pdT)
⇒Polstellen vonZ: 1 , p−1 , p−2 . . . p−d
⇒Betti-Zahlen vonPd(C):b0=1,b2=1,b4=1. . . b2d =1
Dualität
|X(Fpn)|in Thermen der Null- und Polstellen
|X(Fpn)|=
X
Polstellen vonZ
α−n− X
Nullstellen vonZ
β−n.
Z(Pd,T) = 1
(1−T)(1−pT)· · ·(1−p2T)(1−pd−1T) Polstellen vonZ: 1, p−1, . . . , p−(d−1), p−d
|Pd(Fpn)|=1+pn+· · ·+p2n+pdn
Weil-Vermutung 4: Dualität
Punkte elliptischer Kurven über endlichen Körpern
Elliptische Kurven
f(X0,X1,X2)homogen von Grad 3 X =Vproj(f)⊂P2elliptische Kurve.
X(C)≈S1×S1istTorus.
⇒Betti-Zahlen: b0=1,b1=2,b2=1.
(Weil 1&3): Zp(X,T) =
(1−βT)(1−γT) (1−T)(1−pT)
(Weil 4): γ = p
β =⇒ |X(Fp)|=1+p−(β+
p
β).
Berechnung derFpn-wertigen Punkte
Zutaten
Fixpunkte des Frobenius-Automorphismus
F:Fp →Fp,x 7→xp Fpn =Fix(Fn:Fp→Fp)
X(Fpn) =Fix(Fn:X(Fp)→X(Fp)). (Frob)
Lefschetz-Fixpunktformel
f:M →Mdifferenzierbar mit isolierten Fixpunkten⇒
|Fix(f)|=Pdi=0(−1)iSpur f∗:Hi(M)→Hi(M). (LFix)
Lineare Algebra
V endlich-dim. Vektorraumϕ:V →V Endomorphismus:
exp ∞ X
n=1
Spur(ϕn)T
n
n !
= 1
det(idV−ϕT)
Weils Beweisidee
Gedankenexperiment
Machenfalsche Voraussetzung: Fp=C.
Z(X,T)Frob= exp ∞ X
n=1
Fix F
n
yX(C)
Tn n ! LFix = exp ∞ X
n=1 2d X
i=0
(−1)iSpurFn∗ yHi(X(C)
Tn n ! expLA = Q
ungeradeidet
(id−F∗T)yHi(X(C))
Q
geradeidet
(id−F∗T)
yHi(X(C))
det(id−F∗T)
yHi(X(C))
Weils Beweisidee
Z(X,T)Frob= exp ∞ X
n=1
Fix F
n
yX(C)
Tn n ! LFix = exp ∞ X
n=1 2d X
i=0
(−1)iSpurFn∗ yHi(X(C)
Tn n ! expLA = Q
ungeradeidet
(id−F∗T)yHi(X(C))
Q
geradeidet
(id−F∗T)
yHi(X(C))
det
(id−F∗T)yHi(X(C))
ist Polynom vom Gradbi.
Lösung