I n t e r s t a d i a l e B o d e n b i l d u n g e n in o b e r i t a l i e n i s c h e n Würm-Lössen
V o n O T T O F R Ä N Z L E , B o n nMit 1 Abbildung im Text
Z u s a m m e n f a s s u n g . Es wird der Versuch unternommen, auf der Grundlage von Ge ländebeobachtungen und Literaturangaben eine Karte der mutmaßlichen Lößverbreitung in Ober italien zu entwerfen. Dann werden fünf Interstadialböden beschrieben. Im Dora Ripäria-Gebiet westlich Turin liegen zwei Würmlösse über dem letztinterglazialen, solifluidal umgelagerten Plastosol. Der untere ist zu einer Braunerde-Parabraunerde, der obere zu einer extrem sauren Parabraunerde verwittert. Auch der Löß auf den Rißmoränen des Dora Bältea-Gletschers gehört zwei Würmphasen an. Der darauf entstandene interstadiale und rezente Boden sind beides extreme Pseudogleye. Der fossile Boden ist reich an ehemaligen Frostspalten. Am Tessin konnte auf den Deckenschottern Riß- und Würmlöß gefunden werden. Der extrem pseudovergleyte Rißlöß ist in noch weit höherem Maße als der zu einer mäßig pseudovergleyten Braunerde verwitterte basale Würmlöß von einem Gitterwerk ehemaliger Frostspalten durchsetzt. Aus dem westlichen Garda-see-Gebiet werden zwei Solifluktionslösse über Rißmoräne beschrieben, von denen der untere zu einer Parabraunerde, der obere zu einer Parabraunerde-Braunerde verwitterte, östlich des Garda-sees wurde eine interstadiale Schwarzerdebildung angetroffen, die später zusammengeschwemmt und von Moränen überlagert wurde. Abschließend werden das Bildungsklima der fossilen Böden und ihre stratigraphische Einordnung diskutiert.
A b s t r a c t . Based on field-work and previous publications an attempt is made to outline the distribution of loess in Northern Italy. Five interstadial soils are described. In the Dora Ripäria region W of Torino two Würm loesses overly the soliflually eroded plastosol of the Last Inter glacial. The lower one weathered to a „sol brun lessive", the upper to an extremely acid „sol lessivi". Also the loess on the Riss moraines of the Dora Bältea glacier was deposited in two phases of the Würm period. The (interstadial and recent) soils developed therefrom, are both extreme pseudogleys, the first of which is rich in former frost wedges. The Mindel gravels of the river Ticino are covered by both Riss and Würm loesses. The extremely pseudogleyed Riss loess has by far more and bigger frost wedges than the older Würm loess, which is weathered into a moderately pseudogleyed braunerde. Two soliflual loesses covering Riss moraines are described from the western Garda region; the lower weathered into a „sol lessive", the upper into a „sol brun lessive". E of the lake of Garda an interstadial black earth was found, which had been washed into a valley and then covered by Würm moraines. Finally the developmental climate and the stratigraphie position of the described fossil soils are discussed.
Für die Feinstratigraphie des oberen Pleistozäns und insbesondere der Würmeiszeit spielen durch Bodenhorizonte gegliederte Lößprofile eine sehr wesentliche Rolle. D i e s gilt vor allem für jene Gebiete, w o organische Bildungen für eine relative oder a b s o l u t e Altersbestimmung nicht oder nur in unzureichendem U m f a n g e zur Verfügung stehen. Außerdem gestatten fossile B ö d e n in vielen F ä l l e n wichtige Rückschlüsse auf d a s K l i m a ihrer Entstehungszeit.
W ä h r e n d nun die diesbezüglichen Forschungen in Mittel- und Westeuropa schon weit vorangetrieben sind und für viele Gebiete eine mehr oder weniger detaillierte R e g i o n a l gliederung vorliegt und eines der wesentlichsten Anliegen in der stratigraphischen E i n stufung neu hinzukommender Einzelprofile s o w i e ihrer paläoklimatischen A u s d e u t u n g besteht, ist unsere Kenntnis der Lößstraten S ü d e u r o p a s um vieles lückenhafter. Auch d a s im folgenden näher zu behandelnde Beispiel N o r d i t a l i e n s (zwischen D o r a R i p a r i a und Etsch) zeigt, daß selbst über grundlegende D i n g e wie die Lößverbreitung noch weitgehend Unklarheit herrscht.
Wenn m a n v o n dem klassischen L ö ß v o r k o m m e n von R i v o l i - T u r i n und dem ebenfalls schon sehr l a n g e bekannten, aber nicht von allen als L ö ß aufgefaßten „ V o l p i n o " östlich des G a r d a s e e s absieht, findet m a n Löß nur sehr vereinzelt im R a h m e n allgemein g e h a l t e ner Profilbeschreibungen erwähnt. So führen ihn S A C C O ( 1 8 8 6 ) aus der U m g e b u n g von F o s s a n o - C a r r ü ( 6 0 km südlich T u r i n ) , P E N C K ( 1 9 0 9 ) von C a r p e n e d o l o , L E V Y ( 1 9 1 4 / 1 5 ) von der B a r a g g i a di C a n d e l o u n d B E C K ( 1 9 3 8 ) v o n der Ferretto-Hochfläche südlich V a r e s e
an. Lößartigen, hellen S a n d beschreiben L E V Y (a. a. O.) u n d N A N G E R O N I ( 1 9 5 4 a ) als Deckschicht v o n W ü r m m o r ä n e n des Tessin-Gletschers. Echten L ö ß auf Hochterrassen-schottern b z w . Rißmoränen des Tessingletschers bildet N A N G E R O N I (1954b) unter der Bezeichnung „löss a r g i l l o s o " b z w . „ l ö s s - l e h m " a b . V E N Z O ( 1 9 5 2 , 1953) e r w ä h n t L ö ß im Z u s a m m e n h a n g mit der F a u n a von S a m b u g h e t t o im S t r o n a - T a l und aus dem Gebie*; des Adda-Gletschers bei C a l u s c o . Häufiger als die Nennung von L ö ß sind A n g a b e n über die Lehmbedeckung von A l t m o r ä n e n , Ferretto o d e r Hochterrassenschottern ohne H i n w e i s auf Zusammensetzung und Bildungsgeschichte dieses Lehms, so daß sich nicht entscheiden läßt, ob hier eine interglaziale Verwitterungsrinde oder ein verlehmter L ö ß vorliegt. Insgesamt läßt sich wohl sagen, daß in Oberitalien bisher dem Löß im Vergleich z u den anderen Glazialablagerungen, v o r a b den Moränen, leider sehr wenig B e a d i t u n g geschenkt wurde. Schon die erste Begehung des Gardasee-Moränenamphitheaters zeigte, daß hier L ö ß eine weit größere Ausdehnung besitzt, als a u f G r u n d der bislang vorliegenden Literatur zu vermuten war. Die sich anschließenden Detailuntersuchungen, die im vergangenen J a h r im Gletschergebiet der D o r a R i p a r i a , im P e l l i c e - T a l (40 k m südwestlich T u r i n ) , in den Walliser A l p e n und den Amphitheatern des D o r a Baltea-, Tessin-, C o m e r - S e e - und Gardasee-Gletschers durchgeführt wurden, zeigten, daß das Gleiche in der g a n z e n nörd lichen Poebene und am S ü d r a n d der A l p e n der F a l l ist (das höchste beobachtete L ö ß v o r kommen liegt in 1500 m Meereshöhe u n d entspricht d a m i t möglicherweise den von SCHÖNHALS in den Zentralalpen beobachteten). Auch der Lehm der älteren Autoren erwies sich in der Regel als L ö ß b o d e n über den jeweiligen mehr oder weniger abgetragenen inter glazialen Plastosolen, die schon früher k u r z beschrieben w u r d e n ( F R Ä N Z L E 1959). D i e mir bekannt gewordenen L ö ß a r e a l e sind auf der beigefügten Ubersichtskarte ( A b b . 1) wieder gegeben.
A . D i e I n t e r s t a d i a l b ö d e n i m e i n z e l n e n
Mehrfach wurden in den letzteiszeitlichen Lössen fossile Bodenbildungen beobachtet, deren wichtigste im folgenden beschrieben werden (auf der K a r t e sind die Profile mit © usf. gekennzeichnet).
Abb. 1. Kartenskizze der Gebiete mit nachgewiesener und vermuteter (?) Lößaufwehung. Geologisch-morphologische Kartengrundlagen: PENCK SC BRÜCKNER (1909, S. 786/787), Atlante Fisico-Economico d' Italia del T.C.I., WALDBAUR (1958). MENSCHING (1954). Von den singulären Vorkommen innerhalb der Alpen abgesehen, sind es im wesentlichen die prä-würmeiszeitlidien Quartäraufragungen der Poebene, die Löß(lehm) tragen. Die Begrenzung der Lößareale folgt
1) D a s G e b i e t d e s D o r a R i p a r i a - G l e t s c h e r s
D e r südlichste Gletscher Piemonts, der das A l p e n v o r l a n d erreicht hat, war der der D o r a R i p ä r i a . E r hinterließ ein sehr eindrucksvolles Moränenamphitheater, dessen g l a z i -gene N a t u r erstmals v o n M A R T I N S und G A S T A L D I im J a h r e 1850 erkannt worden ist.
Die hydrographisch rechte Seite des Zungenbeckens wird von drei sich zangenförmig nach innen krümmenden Seiten- b z w . Endmoränensystemen begrenzt. D e r äußerste M o ränenwall beginnt südöstlich des Moncuni, eines dem A l p e n r a n d vorgelagerten 641 m hohen Berges, u n d zieht sich mit mannigfachen Unterbrechungen auf R i v o l i zu. Ungleich eindrucksvoller ist der mittlere, der H a u p t e n d m o r ä n e n z u g , der sich a n die N o r d f l a n k e des Moncuni anlehnt und leicht geschwungen bis nach R i v o l i hinzieht. Auch er ist mehr fach durch Schmelzwassertäler gegliedert und oft in einzelne Rücken aufgelöst. A n ihn angeschmiegt ist der innerste M o r ä n e n z u g , der gleichfalls an der N o r d f l a n k e des Moncuni beginnt, und der sich zunächst geschlossen bis zum Dörfchen R o s t a hinzieht. Hier trennt er sich von dem höheren R i v o l i z u g ab und biegt nach N E zur D o r a R i p a r i a hin, die er bei Alpignano erreicht. V o n der Moränendurchsägung wendet er sich nach W zum G e -birgsrand zurück. A n seine Außenseite lehnt sich ein älterer Zug an, der augenscheinlich das Äquivalent des allerdings sehr viel eindrucksvolleren H a u p t z u g e s v o n R i v o l i darstellt. Der Formengegensatz zwischen dem südlichsten und dem H a u p t e n d m o r ä n e n w a l l von R i v o l i ist sehr auffällig. Die R i v o l i M o r ä n e , von M E N S C H I N G (1954) a u f Grund m o r p h o -metrischer Untersuchungen ins J u n g r i ß gestellt, zeigt relativ frische F o r m e n , während die südlichste, von P E N C K (1909) als einzige ins Riß gestellt und von M E N S C H I N G (a. a. O.) als Altriß aufgefaßt, vergleichsweise verwaschen ist.
Die m a x i m a l 10 Meter mächtige Lößdecke der Altmoränen w u r d e m. W. zuerst v o n V I G L I N O Sc C A P E D E R (1898) beschrieben; der mit ihr wohl im Z u s a m m e n h a n g stehende Löß von T u r i n erfuhr schon 1887 durch S A C C O eine gute Darstellung. P E N C K (1909) sah den L ö ß auf G r u n d seiner unzutreffenden Einstufung der R i v o l i - M o r ä n e als postglazial an, eine Meinung, die sich bekanntlich bis zur Neuuntersuchung durch M E N S C H L I N G ( a . a O . ) hielt. D a s V o r k o m m e n ist nicht nur wegen seiner Ausdehnung und Mächtigkeit, sondern auch wegen seiner pedologischen Gegebenheiten von hohem Interesse.
In einem Lößhohlweg, der z u m H a u p t m o r ä n e n z u g hinführt, w u r d e ein Profil frei gelegt, das schon makroskopisch eine Zweischichtigkeit (im sedimentologischen Sinne) er kennen läßt. D e m entspricht auch die bodentypologische Differenzierung. Die obersten 140 cm des von siliciphilen E d e l k a s t a n i e n bestandenen Lößlehms stellen eine P a r a b r a u n erde mit den Subhorizonten A i , A s , B , ( B ) / C , C a / C dar, die sich besonders durch ihren abnorm tiefen p H - W e r t von 3,6 (in K C l - S u s p e n s i o n ) im A 3 auszeichnet. D e r basale K a l k anreicherungshorizont tritt auch morphologisch als kleine V o r k r a g u n g in der W a n d des Hohlweges in Erscheinung.
Der basale L ö ß (1 m) ist z u einer Braunerde-Parabraunerde (fAg, f ( B ) / B , f ( B ) / C ) verwittert, die im oberen Profilteil sekundär aufgekalkt ist. Unterlagert w i r d er von einer Fließerde, die in einem benachbarten Aufschluß erstmals von M E N S C H I N G (1954) erkannt w u r d e ; darunter folgt verwittertes Rißmaterial, bodentypologisch der ( B ) bzw. ( B ) / C -H o r i z o n t eines rubefizierten Plastosols.
D a der L ö ß in seiner Gesamtheit ein Produkt der letzten Eiszeit ist, muß die Bildung des fossilen Bodens in einem Interstadial erfolgt sein. Wie aus der geringeren Entwick lungstiefe und allgemeinen Profildifferenzierung zu ersehen, w a r die Verwitterungs intensität erheblich geringer als im Postglazial.
Mächtige Lößablagerungen, die unter der Bezeichnung Lehm eine kurze Erwähnung bei SACCO (1887) u n d bei P E N C K ( 1 9 0 9 ) fanden, liegen auf der linken Hochterrasse und dem damit in Zusammenhang stehenden Altmoränengebiet der D o r a R i p a r i a . Auch hier sind auf der T e r r a s s e zwei Böden entwickelt, von denen der obere in etwa der hangenden
P a r a b r a u n e r d e des Lößprofils v o n R i v o l i entspricht. Im G e g e n s a t z zu jenem Profil folgt darunter aber ein sehr ausgeprägter Pseudogley.
2) D a s G e b i e t d e s D o r a B a l t e a - G l e t s c h e r s
Sehr viel ausgedehnter als d a s eben skizzierte Amphitheater des D o r a R i p a r i a - G l e t schers ist d a s der D o r a B ä l t e a , das sich hufeisenförmig um I v r e a herumlegt. D a s bis auf die Seen v o n Viverone und C a n d i a vom B a l t e a - F l u ß eingeebnete Zungenbecken w i r d von J u n g m o r ä n e n eingefaßt, deren zahlreiche bogenförmige K r ü m m u n g e n im Osten eine starke Z e r l a p p u n g des Gletscherrandes anzeigen ( P E N C K 1909). I m N E erreichen sie in dem gigantischen D o p p e l w a l l der S e r r a mit 200 bis 2 5 0 Metern ihre größte relative H ö h e . D a s sanft gewellte Hinterland der Serra besteht aus Riß-Moränen, die tiefgründig verwitterten M i n d e l - M o r ä n e n aufliegen. W i e die Altmoränen des D o r a R i p a r i a - G e b i e t e s tragen auch sie eine mehrere Meter mächtige Deckschicht letzteiszeitlichen Losses. In einem Lößhohl weg wurde a n der Straße Zubiena—Broglina folgendes Profil aufgegraben:
Bodentypologische Bezeichnung: Pseudogley Profilaufbau:
Ao_i 0— 5 cm braunschwarzer Moder;
Aag 5—10 cm gelblich-fahlgrauer, krümeliger feinsandiger Lehm, nach unten zu mit ein zelnen Rostflecken und verschmierenden Konkretionen;
gl 10—40 cm gelblich-grauer (10 YR 5/6 - 2,5 Y 6/4) feinsandiger Lehm von mäßig gut ausgebildetem Polyedergefüge mit relativ wenigen Rostflecken und verschmierenden kleinen Konkretionen;
go 40—80 cm bräunlich-gelber (2,5 Y 6/4) feinsandiger Lehm von polyednschem Gefüge mit Rostflecken und vielen, z. T. mehr als 1 cm 0 erreichenden Eisen- und Mangan oxydhydrat-Konkretionen, die nach unten zu immer dichter zusammentreten, um sich im
g3 80—90 cm, dem Subhorizont stärkster Konkretionsbildung, zu einer beinahe waben artig durchlöcherten harten Schicht zusammenzuschließen, an der die Durchwurzelung endet;
fgl 90—120 cm brauner (10 YR 5/6) feinsandiger Lehm von Plattengefüge, das beim Drücken in kleine Polyeder (Sekundärgefüge) zerfällt; Konkretionen sind verhältnis mäßig selten; charakteristisch für diesen und den folgenden fossilen Subhorizont sind sehr zahlreiche + horizontale fahlgraue (2,5 Y - 5 Y 6/1) Bleichungszonen, die bei einer mittleren Dicke von 0,5 cm einen Abstand von 1—2 cm haben;
fgo 120—160 cm, wie fgi, aber mit zahlreichen Eisen- und Manganoxydhydratkonkretio nen, die von maximal 1 cm messenden, rostbraunen Höfen umgeben sind und mehreren maximal 2 cm breiten + senkrecht stehenden Bleichungszonen, die sich mit den horizon tal verlaufenden zu einem Netzwerk vergittern.
Auffällig sind im fossilen und dem Unterteil des rezenten Bodens vereinzelte kleine ziegelrote Konkretionen, die wohl Einwehungsprodukte präwürmeiszeitlicher rubefizierter Böden darstellen.
Der fossile extreme seudogley gehört zweifellos einem W ü r m - I n t e r s t a d i a l an, denn der L ö ß , aus dem er ent ,tand, lagert dem letztinterglazialen Braunlehm auf. D i e horizon talen und vertikalen B' ."ichungszonen sind p r i m ä r als Frostspalten angelegt w o r d e n und dienten in der Folgezeit der interstadialen Pseudovergleyung der Eisen- und M a n g a n v e r lagerung. A u f den H ä n g e n ist dieser ältete W ü r m l ö ß weiterhin der solifluidalen A b t r a gung zum O p f e r gefallen, die auch wesentliche Teile des unterlagernden Interglazial-bodens miterfaßt hat. Der jüngere Würmlöß, a u f selbst sehr flachen H ä n g e n in F o r m einer oftmals mehr als ein Meter mächtigen Fließerde ausgebildet, entwickelte sich, wenn kein Wasserstau v o r l a g , zu einer Braunerde bzw. P a r a b r a u n e r d e , die in S ü d - E x p o s i t i o n einen schwach rötlichen Farbton hat.
3) R i ß - u n d W ü r m l ö ß a m T e s s i n
A n d a s Moränenamphitheater des L a g o M a g g i o r e schließt sich tessinabwärts ein T e r rassensystem an, das wegen seiner wundervollen A u s p r ä g u n g schon frühzeitig erkannt worden ist. Insgesamt lassen sich mehrere S t u f e n in den Niederterrassenschottern, sodann
in verhältnismäßig weitem A b s t a n d vom Fluß die Hochterrassenschotter erkennen, die auf der piemontesischen Seite von der Deckenschotterplatte von D i v i g n a n o überragt w e r den. Wie die entsprechenden Altmoränen, so überzieht L ö ß auch die älteren T e r r a s s e n des Tessins als mehr oder minder geschlossene Decke. E i n e genauere Untersuchung z e i g t e , daß die Hochterrasse v o n e i n e m L ö ß , der Deckenschotter hingegen v o n z w e i L ö s s e n bedeckt ist. P E N C K ( 1 9 0 9 ) hat wohl sehr klar den unterschiedlichen Verwitterungsgrad d e r N i e d e r - und der Hochterrassenschotter erkannt; die äolische N a t u r der Ablagerungen a u f letzteren ist ihm aber offenbar nicht bewußt geworden. E r schreibt lediglich, daß auf d e r Hochterrasse ein in der Regel ziemlich mächtiger brauner Lehm liegt, der zu Z i e g e l n verarbeitet werden k a n n ; bei dem Deckenschotter erwähnt er nur die starke F e r r e t -tisierung.
D e r beste mir bekannt gewordene Aufschluß, der die Uberlagerung des Deckenschotters mit zu verschiedenen Eiszeiten gehörenden Lössen zeigt, liegt in der aufgelassenen L e h m grube der F o r n a c e C o l o m b o ; die d o r t angetroffenen Bodenverhältnisse schildert die f o l gende Profilbeschreibung:
Unter einer aus Gräsern und Sträuchern von Robinia pseudoacacia und Castanea sativa bestehenden Vegetation folgen drei Böden, v o n denen der rezente und der o b e r e fossile, aus W ü r m l ö ß entstandene Boden schwach bis mäßig pseudovergleyte Braunerden sind, während der untere fossile, aus Rißlöß gebildete B o d e n einen extremen P s e u d o g l e y darstellt. Im einzelnen ist der Profilaufbau wie f o l g t :
A 0—10 cm grauer (10 Y R 4/4), humoser, feinsandiger Lehm von Krümelgefüge;
g/(B) 10—45 cm brauner, feinsandiger Lehm von Kohärentgefüge, das beim Drücken in subanguläre Bröckel zerfällt; neben verschmierenden Rostflecken treten auch rostbraune Konkretionen auf, die teilweise tief schwarze (Mn-) Konkretionen umschließen; fA 45—55 cm grauer (10 Y R 3/3 - 2,5 Y 4/4) humoser, feinsandiger Lehm von Krümei
bis Bröckelgefüge;
fg/(B) 55—70 cm brauner (10 Y R 5/6), feinsandiger Lehm, der in seinen pedologischen Eigen schaften dem rezenten Boden gleicht, nur daß das Fleckenbild erheblich intensiver wird; pedogenetisch und damit paläoklimatisch aufschlußreich ist, daß dieser — nur in einer flachen Rinne ausgebildete — Boden von einem Gitter feiner horizontaler und dickerer vertikaler Bleichzonen, die wohl auf Frostspalten zurückgehen, durchzogen ist, und daß er ferner einen hohen Prozentsatz des unterlagernden, stark verwitterten und ver festigten Losses in Form grober, kantengerundeter Bruchstücke enthält (Fließlöß); fgl 70—120 cm graubrauner (10 Y R 4/4) feinsandiger, außerordentlich stark
pseudover-gleyter Lehm, der besonders im oberen Teil von zahlreichen horizonta'en und einigen breiten senkrechten Bleichzonen (5 Y 6/3) durchzogen ist;
fg2 120—160 cm in diesem Subhorizont, der in seinen petrographischen Eigenschaften dem vorigen entspricht, sind die mehrere Zentimeter breiten fahlgrauen Bleichungszonen weitabständig und vorwiegend senkrecht verlaufend; sie bilden ein polygonales N e t z werk und gehen wahrscheinlich auf Frostspalten zurück; die durch sie gegeneinander abgegrenzten proßprismatischen, stumpfkantigen Gefügeelemente sind fester a's die Bleichschichten und stets von einer peripheren Rostschicht umgeben;
fg3 260—460 cm brauner, feinsandiger Lehm mit zahlreichen Rostflecken; das kennzeich nende plattige Gefüge dieses Subhorizontes kommt durch die vorwiegend horizontale Anordnung ausgedehnter Eisen- und Manganoxydhydrat-Konkretionen zustande. D a ß Rißalter des untersten Losses folgt aus seiner strengen B i n d u n g an die Decken schotterplatten, die g a n z ungewöhnliche Fmtwicklungstiefe des Bodens ( ) 4 m ) , die sich bis zur regelrechten Schwartenbildung steigernde Konkretionierung, sowie d a s Ausmaß d e r Bleichung. Letztere erreicht auch bei den stärkst pseudovergleyten Würmlössen nie mehr als einen halben Meter, während hier die einzelnen Bleichzonen sich stellenweise zu einer m a x i m a l zwei Meter mächtigen Bleichschicht zusammenschließen ( S t a g n o g l e y ) . Die eben falls bei Würmlössen nie angetroffene außerordentliche Verhärtung w u r d e oben schon erwähnt. D e r Härteunterschied zwischen den Bleichzonen und den großen Prismen b e wirkt in Auf Schluß wänden, d i : längere Zeit fr;i liegen, ein H : r a u s p r ä p a r i e r e n der P r i m ä r
-spalten durch Herauswittern der Bleichschicht, ebenfalls ein V o r g a n g , der wegen der fehlenden Verhärtung des Würmlösses nicht auftreten k a n n .
D a ß dieser Rißlöß ungeachtet seiner weiten Verbreitung auch in anderen Teilen der Po-Ebene m. W. bisher nicht als solcher erkannt wurde, beruht wohl auf der mit außer ordentlicher Verhärtung einhergehenden Pseudovergleyung, durch die er im G e l ä n d e ohne genauere Prüfung durchaus mit stark pseudovergleytem F e r r e t t o verwechselt werden kann. Unter diesen Umständen bedarf es noch eingehender Untersuchungen, inwieweit auch die übrigen Ferretto-Flächen eine Decke von Rißlöß tragen. D i e s ist mit Sicherheit der Fall in der B r i a n z a und wahrscheinlich östlich der A d d a bei C a l u s c o .
I n s g e s a m t läßt sich aus der Aufeinanderfolge und den Eigenschaften der oben be schriebenen Böden folgende Entwicklungsgeschichte ableiten:
1. Überdeckung des M / R - i n t e r g l a z i a l e n Ferretto mit Rißlöß. 2. Bildung tiefreichender Frostspalten im L ö ß ( T u n d r e n b o d e n ) .
3. Außerordentlich intensive Pseudovergleyung im letzten Interglazial, bei der die ehemaligen Frostspalten als Leitbahnen der R e d u k t i o n wirkten. V o m R a n d e der T e r r a s s e her B i l d u n g v o n Wasserrissen.
4. Solifluktion im W ü r m - F r ü h g l a z i a l , der sich a l s b a l d die Sedimentation des nur noch als Füllung der kleinen solifluidal ausgestalteten R i n n e n erhaltenen älteren W ü r m lösses überlagerte, wobei Brocken des verhärteten, intensiv pseudovergleyten R i ß -lösses als „Schutt" verfrachtet wurden. Bildung eines Tundrennaßbodens mit Frost spalten, der nach oben in wenig pseudovergleyten Fließlöß übergeht.
5. U m p r ä g u n g dieses Fließlösses zu einer Pseudogley-Braunerde im Interstadial. 6. Sedimentation des jüngeren Würmlösses.
7. B i l d u n g des spätglazial-holozänen Bodens.
4) und 5) D a s G e b i e t d e s G a r d a s e e - G l e t s c h e r s
D e r G a r d a s e e wird in seinem Südteil v o n dem größten und stratigraphisch differen ziertesten Moränenamphitheater det ganzen S ü d a l p e n umschlossen. Die d a s heutige Relief bestimmenden, vielfach gestaffelten E n d - und Seitenmoränen gehören alle ins W ü r m mit Ausnahme der flachen und verwaschenen Z ü g e a m Fiume Chiese im Westteil des Moränen gebietes ( F R Ä N Z L E 1959, 1960). Diese und der Monte M o s c a l im Osten des Amphitheaters, an den sich die dortigen äußersten Jungmoräneti anlagern, tragen eine Lößdecke, die im Westen rund 2 Meter, im Osten aber stellenweise 8 Meter Mächtigkeit ( H A B B E 1960) er reicht. Auch dieser L ö ß , der bisher nur im Osten, dort allerdings schon recht frühzeitig ( N I C O L I S 1895) erkannt w u r d e , zeigt sehr intensive Spuren interstadialer Bodenbildungen, die im folgenden, von W nach E fortschreitend, beschrieben werden.
Ein Wegeinschnitt a m R a n d e des Dorfes Mocasina a m F . Chiese zeigt zwei Solifluk-tionslösse über einer sehr blockreichen, r u n d 40 cm mächtigen frühglazialen Fließerde, deren M a t r i x aus umgelagertem Material des unterlagernden letztinterglazialen Braun lehms besteht.
D e r liegende L ö ß ist r u n d 60 cm mächtig. Sein auffälligstes makroskopisches T e x t u r merkmal ist die (rezente) Auflösung durch große, breitklaffende Trockenrisse, die auf der schrägen Aufschluß w a n d ein weitmaschiges N e t z w e r k bilden, im Ansehen einem T e x t u r boden nicht unähnlich. Bodentypologisch ist die ganze Schicht als f B - H o r i z o n t einer fos silen P a r a b r a u n e r d e anzusprechen. Der braune (10 Y R 5/6) feinsandige L e h m ist von zahl reichen kleinen, schichtungslos verteilten Steinen durchsetzt und hat ein gut ausgebildetes Polyedergefüge. Blauschwarze Überzüge a u f den Kluftflächen sind sehr gemein, rost braune bis rostrote (Fe-)Flecken von 0,5—1 cm 0 sind hingegen sehr selten, und K o n kretionen und Bleichungen wurden überhaupt nicht beobachtet. Nadelstichporen sind sehr zahlreich, größere H o h l r ä u m e (Wurzelröhren u. a.) häufig.
Auf dem hangenden Solifluktionslöß, der stellenweise 2 Meter Mächtigkeit erreicht und in mehrere Substraten unterteilt werden kann, ist die s p ä t g l a z i a l h o l o z ä n e P a r a -braunerde-Braunerde zur Entwicklung gelangt. Hinsichtlich der petrographischen Z u s a m mensetzung unterscheidet sich dieser gräulich-braune (10 Y R 4/4) feinsandige Lehm v o n den basalen wesentlich dadurch, daß er auch größere Steine (darunter a n g e ä t z t e K a l k e ) enthält. Dies deutet d a r a u f hin, daß z u r Bildungszeit des oberen Fließlösses die soli-fluidale Denudation auf den höher gelegenen Teilen der M o r ä n e bereits die interglaziale Braunlehmdecke bis auf den kalksteinhaltigen B / C - H o r i z o n t abgetragen hatte. Der deut lich höhere T o n g e h a l t des vergleichsweise geringmächtigen basalen Lösses dürfte daher nur zum Teil Folge der im Vergleich zur rezenten intensiveren bzw. weiter fortgeschritte nen Pedogenese sein, in gewissem U m f a n g e bereits als Bodenrelikt in den L ö ß hinein gekommen sein.
Ein Gegenstück zu dem vorstehend beschriebenen interstadialen L ö ß b o d e n auf der Rißmoräne am F . Chiese ist eine Bodenbildung in dem „ V o l p i n o " genannten L ö ß auf der Ostseite des Amphitheaters. Den besten Aufschluß bietet ein „ T o r r i o n " genannter Pfeiler in der tiefeingeschnittenen V a l s o r d a , die v o n Bardolino nach E zum Monte M o s c a l hinauf führt.
D e r tiefste im T a l heute noch zugängliche Boden ist ein rötlicher ( 5 — 7 , 5 Y R 4 / 4 ) Braunlehm, der nach allen seinen petrographischen und typologischen Eigenschaften nur als letztinterglazial angesprochen werden kann ( F R Ä N Z L E 1959, 1960). N a c h oben geht dieser Plastosol in einer rund 50 cm mächtigen kryoturbaten Durchmischungsschicht in den hangenden L ö ß über; sein Stein- und Grusgehalt nimmt ab und die F a r b e verliert an Leuchtkraft.
D a s eigentliche Lößprofil des T o r r i o n setzt sich aus folgenden Schichten z u s a m m e n : 620—580 cm mittelbrauner (10 Y R 4/3) humoser feinsandiger Lößlehm mit zahlreichen
vergru-senden Steinen und Einzelmineralien, sehr dicht gelagert;
580—480 cm dunkelgraubrauner bis olivgrauer (2,5—5 Y 4/2) humoser Lößlehm mit nach oben breiter werdenden Spaltenfüllungen, die im Anschnitt Ähnlichkeit mit Suturen haben und durch Fe-Verbindungen bald gelblichweiß, bald rostig gefärbt sind; auch punktförmige Rostflecken treten gelegentlich auf.
480—300 cm tiefdunkel-graubrauner (10 Y R — 2,5 Y 3/2) humoser Lößlehm mit sehr zahl reichen stäbchenförmigen CaCOg-Sckretionen;
300—150 cm tiefdunkel-graubrauner (wie oben) humoser Lößlehm mit sehr schwach ausgeprägter Rostfleckigkeit ohne CaCOä-Sekretionen.
D a s Gefüge des gesamten Profils ist schwach polyedrisch; darüber hinaus zeichnen sich die R a n d p a r t i e n — insbesondere die S ü d w a n d — durch eine außerordentlich großpris matische Absonderung aus, die schon v o n weitem sichtbar ist. Der K a l k g e h a l t schwankt innerhalb des Profils zwischen 0°/o (Basis) und 4,6°/o (350 cm) und steigt a n der Ober grenze infolge sekundärer A u f k a l k u n g sprunghaft auf rd. 4 2 % an. Bemerkenswert niedrig ist der T o n g e h a l t des Lößlehms: er schwankt zwischen 4,3 u n d 7,8°/o, wenn m a n von der k r y o t u r b a t gestörten Basisschicht absieht.
D i e stratigraphische Stellung des Lösses und der d a r a u s hervorgegangenen B o d e n -Bildung ergibt sich aus den Lagerungsverhältnissen. D a er dem letztinterglazialen P l a s t o sol auflagert, ist er eindeutig würmeiszeitlich; da er von der äußersten W ü r m m o r ä n e überlagert wird, dürfte er schon vor der Zeit der m a x i m a l e n T e m p e r a t u r a b s e n k u n g g e bildet worden sein. E s ist nur logisch, dieses T e m p e r a t u r m i n i m u m der Würmeiszeit auch in den S ü d a l p e n im späten Mittelwürm zu suchen. D a n n bleibt aber für die Ablagerung des Lösses nur eine frühe Phase dieses Mittelwürms oder aber das F r ü h w ü r m .
D i e Tatsache, daß d a s ganze Lößprofil des T o r r i o n mit Ausnahme der untersten stein durchsetzten 40 Zentimeter ziemlich stark humos ist, beweist, daß es sich u m eine
alloch-thone Bildung handelt, d. h. ein Bodensediment aus (ausschließlich oder vorherrschend) A - H o r i z o n t - M a t e r i a l . Im einzelnen lassen sich folgende Phasen der Lößsedimentation und Bodenbildung auf Grund der geschilderten Profileigenschaften ableiten:
1. Überdeckung des Altmoränengebietes mit L ö ß . 2. Verlehmung in der folgenden Wärmephase.
3. Neuerliche — wohl kurzfristige — K ä l t e p h a s e , in der dieser braune Lehm mit dem liegenden letztinterglazialen Lehm durch k r y o t u r b a t e V o r g ä n g e vermischt und dann von einer Lößlage bedeckt wurde.
4. Wärmere Phase, in deren Verlauf der L ö ß zu einer Art Schwarzerde verwitterte. 5. Kühl-feuchte Phase ( F r ü h p h a s e der m a x i m a l e n Gletscherausbreitung?), während
der die Schwarzerde abgetragen und im T a l t i e f s t e n abgelagert wurde.
B . D a s B i l d u n g s k l i m a d e r f o s s i l e n B ö d e n
Überblickt m a n die geschilderten Bodenbildungen, so stellt man fest, daß bislang keine rötlich gefärbten (nicht rubefizierte!) B - H o r i z o n t e , wie sie aus Mitteleuropa in stellenweise erheblicher Mächtigkeit ( z . B . R E M Y 1960) bekannt geworden sind, in Italien angetroffen wurden. (Ein rot gefärbter Boden aus Löß im Becken v o n Leffe—Bergamo, den H e r r Prof. M A N C I N I aus F l o r e n z anläßlich des Bodenkundlichen Colloquiums v o m 20. 7. 1960 in B o n n im Lichtbild demonstrierte, gehört möglicherweise dem letzten Interglazial an.) Rubefizierung tritt nur bei spätglazialholozänen B ö d e n der Braunerdeklasse auf N i e d e r -terrassenschottern auf, w o es infolge der extremen pedogenetischen Trockenheit zu schar fer sommerlicher D e h y d r a t a t i o n kommt. Auf allen anderen Substraten kommt es rezent zu einer normalen Braunerde- und Parabraunerdebildung mit z. T . starker Versauerung sowie zur Pseudovergleyung.
N a c h dem bis jetzt vorliegenden Material scheint es bei den rezenten Böden so zu sein, d a ß nach Osten zu infolge gesteigerter makroklimatischer Trockenheit und damit einher gehender geringerer Durchfeuchtung die T e n d e n z zur Pseudovergleyung abnimmt. Bei der schon frühzeitig ( P E N C K 1 8 8 2 ) erkannten P a r a l l e l i t ä t der heutigen und der eiszeit lichen Niederschlagsverhältnisse ist damit zu rechnen, daß Ähnliches auch für die Inter stadiale gilt. D i e beschriebenen fossilen Böden passen sich diesem erwarteten Bild ein; aber es bedarf noch eingehender Untersuchungen, ehe sich entscheiden läßt, ob sie wirklich re präsentativ für regionale pedogenetische Z u s a m m e n h ä n g e sind.
Einer besonderen E r w ä h n u n g bedürfen in diesem Z u s a m m e n h a n g die bei den Profilen 2 und 3 erwähnten Bleichungszonen, welche in ihrer ersten A n l a g e auf Frostspalten z u rückgehen. Wie an anderer Stelle (FRÄNZLE 1960) ausführlicher dargestellt wurde, gehen sie mit aller Wahrscheinlichkeit bei dem Pseudogley aus Rißlöß auf einen Dauerfrostboden zurück, während dies für die würmzeitlichen S p a l t e n n e t z e wegen der sehr viel geringeren Dimensionen nicht mit dem gleichen Wahrscheinlichkeitsgrad zu erschließen ist.
Ein Vergleich der rezenten Parabraunerden mit den fossilen Pseudogleyen zeigt dort, w o sie unter gleichen Bildungsbedingungen entstanden sind, daß der typologische U n t e r schied nur durch ein im Vergleich zum heutigen wesentlich ungünstigeres (kühlfeuchtes) K l i m a erklärt werden kann. Bei den anderen fossilen Böden spricht der im Vergleich zu den rezenten auf gleichem Muttergestein entweder geringere (Profil 5) oder höhere V e r witterungsgrad (Profil 4) für dementsprechende Unterschiede des Bildungsklimas: Im ersten Falle beschränkte sich die Pedogenese im wesentlichen auf K a l k a b f u h r , im letzteren k a m es sogar zur T o n v e r l a g e r u n g . Insgesamt liegen also die nämlichen klimabedingten Unterschiede zwischen fossiler (interstadialer) u n d rezenter Verwitterung vor, die bei der Erforschung mittel- und westeuropäischer Lößprofile gefunden wurden.
C . Z u r F r a g e d e r s t r a t i g r a p h i s c h e n E i n o r d n u n g d e r f o s s i l e n B ö d e n
Die vorstehend gemachte Feststellung führt endlich zur F r a g e nach dem s t r a t i g r a p h i schen A u s s a g e w e r t der beschriebenen Bodenbildungen und Bodensedimente.
Sicher ist die stratigraphische Stellung der in regionaler Verbreitung auftretenden frühwürmzeitlichen Fließerde, b z w . des ihr klimageschichtlich äquivalenten K r y o t u r -bationshorizontes. Im Basaltteil bestehen beide aus interglazialem, manchmal extrem pseudovergleytem Plastosol u n d gehen nach oben in Solifluktions- b z w . K r y o t u r b a t i o n s l ö ß über.
I m G e g e n s a t z zu dieser überall anzutreffenden Stadialbildung ist die A n z a h l d e r bis jetzt gefundenen interstadialen Bodenbildungen im Vetgleich z u r Größe des Gebietes noch sehr gering. D a außerdem die Profilausbildung auf engem R a u m wechselt, b e d a r f es noch der Untersuchung möglichst vieler Aufschlüsse innerhalb der einzelnen T e i l l a n d schaften Oberitaliens, um das (regionale) N o r m a l - L ö ß p r o f i l z u erhalten.
Immerhin sind aber durch die mitgeteilten Beobachtungen (die zur Zeit durch chemi sche und mineralogische Untersuchungen ergänzt werden) für die letzte Eiszeit mindestens zwei, durch ein Interstadial getrennte L ö ß p h a s e n nach der frühglazialen Fließerdezeit nachgewiesen. Auch sie werden ihrerseits wieder — wenn die in einigen Profilen angetrof fenen Verhältnisse verallgemeinert werden dürfen — jeweils durch eine frühstadiale S o l i fluktions- b z w . K r y o t u r b a t i o n s p h a s e eingeleitet. E s liegt also auch in Oberitalien die v o n B Ü D E L ( 1 9 5 0 ) für die G e s a m t h e i t der W ü r m e i s z e i t , von W O L D S T E D T ( 1 9 5 6 , 1 9 5 8 ) f ü r die einzelnen S t a d i a l e erkannte charakteristische klimatische Abfolge vor. Es steht z u hoffen, daß es gelingt, die einzelnen Solifluktions-, L ö ß - u n d Bodenbildungsphasen durch weitere Detailforschung zu parallelisieren und zeitlich einzuordnen, um so schließlich zu einer der mittel- u n d westeuropäischen vergleichbaren Gliederung der Würmeiszeit zu gelangen.
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