Gegen den Bürger, für das (Er )Leben : Raoul Hausmann und der Berliner Dadaismus gegen die “Weimarische Lebensauffassung”

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Gegen den Bürger, für das (Er-)Leben: Raoul Hausmann und der Berliner Dadaismus gegen die

"Weimarische Lebensauffassung"

Author(s): Riccardo Bavaj

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Source: German Studies Review, Vol. 31, No. 3 (Oct., 2008), pp. 513-536

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Berliner Dadaismus

gegen die

?Weimarische Lebensauffassung"

Riccardo Bavaj

University of St. Andrews

Strikingly, Raoul Hausmann's political thought has not been closely analyzed yet. To be sure, numerous studies have shed light on the versatile "Dadasoph" from the perspec tive of literary and art history. What is missing, however, is a thorough examination, and intellectual contextualization, of the political dimension in Hausmann's written and visual work that he created in the early years of the Weimar Republic. Constructing an anarcho-communist Utopia of vibrant (Er-)Leben, the Berlin Dadaist was a prime example of anti-bourgeois life-ideology that can be considered the decisive intellectual challenge for Germany's first democracy, from both left- and right-wing radicals.

Die kunst- und literaturhistorische Forschung der vergangenen Jahrzehnte hat den Berliner Dadaismus zu Recht als eine ?hochpolitisierte Angelegenheit"1 betrachtet. Trug die 1916 ihren Anfang nehmende Z?rcher Dada-Bewegung

einen weitgehend unpolitischen Charakter, so war ihrem ein Jahr sp?ter ins Leben gerufenen Berliner Pendant bereits vor der Revolution nicht nur ein

k?nstlerischer, sondern auch ein politischer Impetus zu eigen. Wie schon Richard Huelsenbeck, Initiator und Chronist der Bewegung, feststellte, war

diese Differenz in hohem Ma?e dem unterschiedlichen politischen Klima geschuldet. Nachdem er von Z?rich, wo er gemeinsam mit Hugo Ball ?engste Beziehungen zu den radikalen sozialistischen Kreisen"2 unterhalten hatte, nach Berlin ?bergesiedelt war, konstatierte er: ?W?hrend man in Z?rich wie in einem Luftkurort lebte, [...] wusste man in Berlin nicht, ob man am folgenden Tag noch ein warmes Mittagessen haben w?rde. Die Furcht sa? den Menschen in den Gliedern, sie ahnten, dass die gro?e Sache, die von dem Hindenburg u. Co. gef?hrt wurde, sehr schiefgehen w?rde."3

Auch wenn eine solch pauschale Gegen?berstellung von unpolitischer Z?rcher und politischer Berliner Dada-Bewegung sicherlich nuancierungsbe

d?rftig erscheint, da sich selbst in Z?rich bei manchen Dadaisten ein politisches Engagement ausmachen l?sst, besa? dort der Faktor des Politischen aufs Ganze

gesehen einen weitaus geringeren Stellenwert als in Berlin. Daran ?ndert auch die Tatsache nichts, dass die am st?rksten politisierten Berliner Dadaisten George Grosz, John Heartfield und Wieland Herzfelde auf Dada-Soireen und

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im Berliner Dada-Kreis ?eine weitaus gewaltsamere und ?u?erst hektische politische Aktualit?t sowie ein ausgepr?gteres politisches Bewusstsein".4

Vor allem durch die Erfahrung der Revolution von 1918/19 erlebte die Berliner Dada-Bewegung, die sich in ihrem Dadaistischen Manifest dezidiert von den ?weltverbessernden Theorien" der expressionistischen ?Hohlk?pfe"

absetzte,5 einen ?rapiden Politisierungsprozess".6 Angesichts ihrer gezielten Provokationen sah sich der Weimarer Staat ein ums andere Mal zur polizeilich

rechtlichen Intervention herausgefordert, wobei die Jurisdiktionelle Sanktionie rung des Berliner Dadaismus zugleich den Auftakt bildete zur strafrechtlichen Verfolgung von Literaten und K?nstlern w?hrend der Weimarer Republik

insgesamt.7 Aufsehenerregende Prozesse wurden beispielsweise gegen Grosz, Heartfield und Johannes Baader, den ?Oberdada", gef?hrt, ebenso wie gegen

s?mtliche Organisatoren und K?nstler der Berliner Dada-Messe von 1920. Anlass boten Ausstellungsst?cke, die als Beleidigung der Reichswehr oder als

pornographische Zersetzung b?rgerlicher Moral denunziert wurden.8

Die ?Erste Internationale Dada-Messe" vom Sommer 19209 war die letzte gemeinsame Aktion der Berliner Dadaisten. Danach brach ihre Bewegung

auseinander. Dies lag nicht nur an pers?nlichen Rivalit?ten. Auch ideologisch erwies sich die Gruppe als insgesamt zu heterogen. Die politischen und k?nst lerischen Intentionen der Berliner Dada-K?nstler lie?en sich nur solange auf einen gemeinsamen Nenner bringen, wie die revolution?re Euphorie der An fangsmonate die politisch-?sthetischen Differenzen ?berbr?ckte.10 In gewissem Sinne spiegelte sich im Auseinanderbrechen der Berliner Dada-Gruppe die parteipolitische Fragmentierung des Weimarer Kommunismus. Vermochten

linksradikales und spartakistisches Lager zun?chst noch unter dem gemeinsamen Dach der KPD zu koexistieren, sorgte der Heidelberger Parteitag vom Oktober 1919 f?r die organisatorische Trennung beider Gruppierungen. Diese Trennung m?ndete nur wenige Monate sp?ter in der Gr?ndung der Kommunistischen Arbeiter-Partei (KAP) und der Allgemeinen Arbeiter-Union (AAU), die fortan

als linkskommunistische Zwillingsorganisationen der KPD ihre Stellung als revolution?re Avantgardepartei streitig machen sollten.11

So facettenreich sich das parteipolitische Spektrum des Weimarer Kom munismus ausnahm, so mannigfach waren die Ver?stelungen im ideologischen Geflecht des Berliner Dadaismus.12 W?hrend sich die eingeschworene Dreier

gemeinschaft Grosz, Heartfield und Herzfelde f?r die spartakistisch-kommunis tische Sache engagierte,13 gerierte sich Richard Huelsenbeck als nihilistischer Rebell, schwebte Johannes Baader in den H?hen eines ?kosmogonischen" Mystizismus14 und philosophierte Raoul Hausmann, Baaders zeitweiliger Weggef?hrte, ?ber einen anarchistischen Kommunismus, der, wie zu zeigen

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vor, die sich aus kunst- und literaturhistorischer Perspektive mit dem vielseitig begabten ?Dadasophen" besch?ftigen. Doch blieb das genuin Politische an Hausmanns Wirken bisweilen unterbelichtet.

So verdienstvoll etwa Michael Erlhoffs15 und Timothy Bensons16 Studien sind, verm?gen sie nur bedingt die politische Substanz von Hausmanns philoso phischem und k?nstlerischem Werk zu ergr?nden, geschweige denn innerhalb der politischen Kultur Weimars zu verorten. Bensons materialreiche Dissertation aus der Mitte der achtziger Jahre bem?ht sich zwar um eine ideengeschichtli che Kontextualisierung von Hausmanns Schriften, doch zielt seine Arbeit vor allem auf eine m?glichst scharfe Grenzziehung zwischen Expressionismus und Dadaismus. W?hrend sich seine Argumentation in dieser Hinsicht gr??tenteils nachvollziehen l?sst, erscheint sein Pl?doyer, den ?Dadasophen" nicht als Teil des ?politischen Radikalismus" der Weimarer Republik zu begreifen,17 weni ger plausibel. Interessanterweise hat auch die j?ngere Hausmann-Forschung, die seit Mitte der neunziger Jahre einen erstaunlichen Aufschwung nimmt, die politische Sph?re nicht voll ausgeleuchtet.18 Das gilt f?r die ansonsten ausgesprochen ertragreichen Sammelb?nde von Eva Z?chner, Kurt Bartsch und Adelheid Koch19 ebensosehr wie f?r Cornelia Frenkels Dissertation, die

ihrem Anspruch, den ?K?nstler, Forscher [und] Philosophen" Hausmann in systematischem Zugriff analytisch zu durchdringen, nicht gerecht wird.20

Die Diagnose einer mangelnden Aufmerksamkeit, die Hausmann als poli tischem Agitator und Repr?sentanten des Weimarer Linksradikalismus bislang zuteil wurde, soll freilich nicht dar?ber hinwegt?uschen, dass sowohl auf den ?Dadasophen" konzentrierte Einzelstudien als auch umfassendere Untersu chungen zum Dadaismus zentrale Erkenntnisse ?ber Hausmanns Leben und Werk zutage gef?rdert haben. Beispielhaft seien hier nur die wichtigen Mono

graphien von Hanne Bergius, Hubert van den Berg und Hanno Ehrlicher genannt.21 Auch zeigen kunsthistorische Detailstudien der letzten Jahre ein verst?rktes Interesse, den Nexus von Kunst und Politik in Hausmanns Werk herauszuarbeiten.22

Vor dem Hintergrund der hier mit groben Strichen skizzierten Forschungs landschaft widmet sich der vorliegende Beitrag den zentralen Denkfiguren und Topoi im politischen Denken des dadaistischen K?nstlers. Hausmann, das ist die zentrale These dieses Aufsatzes, kann als eines der instruktivsten Beispiele einer antib?rgerlichen Lebensideologie gelten, welche die entschei dende geistig-kulturelle Herausforderung der Weimarer Republik darstellte. Die antiliberal-lebensideologische Essenz aus dem schriftstellerischen und k?nstlerischen Werk des ?Dadasophen" zu extrahieren ist das prim?re Ziel dieses Beitrags. Dar?ber hinaus wird Hausmanns geisteshistorischer Ort in der politischen Kultur der Weimarer Republik bestimmt, indem er zu weiteren Vertretern eines lebensideologischen Kommunismus in Beziehung gesetzt wird,

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noch kaum gew?rdigt worden ist.23

Die sich vor allem infolge des Ersten Weltkriegs verbreitende antib?rgerliche Lebensideologie, deren Charakteristika Martin Lindner Anfang der neunziger Jahre in seiner germanistischen Dissertation so plastisch herausgearbeitet hat,24 war dem relativistischen Liberalismus der parlamentarisch-?b?rgerlichen" De mokratie Weimars diametral entgegengesetzt. Sowohl links als auch rechts von

der politischen Mitte zu finden, richtete sich das lebensideologische Denken gegen die Topoi der liberalen, industriell-b?rokratischen Moderne, wie etwa das starre ?Geh?use", den statischen ?Apparat" oder die kalte ?Maschine". Aus diesem Blickwinkel, der die ?warme Gemeinschaft" gegen?ber der ?kalten Ge sellschaft" pr?ferierte, erschienen die Institutionen der liberal-demokratischen Moderne als unecht und ver?chtlich. S?mtliche Formen b?rgerlicher Kultur mussten sich gewisserma?en vor dem Leben rechtfertigen. Man versuchte, den

dynamischen Kern des Lebens unter der zivilisatorischen Kruste wieder frei zulegen. ?Wie wachsende Weichtiere von ihren zu eng gewordenen Panzern" wollte man das Leben aus der Zwangsjacke ?b?rgerlicher Ideologien" befreien,

umschrieb Robert Musil 1922 dasTelos der lebensideologischen Str?mung auf anschauliche Weise.25

Als ?Promotor des geschichtlichen Prozesses" galt in diesem Sinne nicht mehr die mit dem liberalen Relativismus verwobene historistische Ratio, die ihre Plausibilit?t und Triftigkeit verloren zu haben schien, sondern vielmehr: das Leben.26 Auch Thomas Mann diagnostizierte 1930, dass ein ?vitalistisch irrationaler, [...] lebensgl?ubiger, ja lebensmystischer R?ckschlag" an der Ta gesordnung sei, der sich gegen den ?Verstandeskult abgelaufener Jahrzehnte" und das mechanistische Weltbild der liberalen Moderne richte. Allenthalben entdeckte Mann ?b?bische Orgiastiker des Dynamischen", welche die ?Le bensidee" g?nzlich in den Mittelpunkt ihres Denkens r?ckten und zu einem

?revolution?ren Obskurantismus" verzerrten.27 So versprach sich etwa der anfangs nationalliberale, dann zusehends ins National-V?lkische abgleitende Philosoph Gottlob Frege von seinen Vorschl?gen f?r eine Wahlrechtsreform

aus dem Jahr 1918 bezeichnenderweise eine ?warme Beteiligung Aller" am politischen Leben.28

Beide, linke wie rechte geistig-politische Str?mungen des Weimarer Radikalismus wandten sich in ihrer ganzheitlichen Seinsfixiertheit, ihrer

haupts?chlich von Bergson und Nietzsche inspirierten Fokussierung auf eine Aufwertung des Lebens gegen die relativistische Konstruiertheit und ?kalte Verfahrensrationalit?t"29 des b?rgerlich-liberalen, als skierotisch diffamierten Parlamentarismus. Bei aller Unterschiedlichkeit ihrer utopischen ?Endziele" hatten sie ?eine gemeinsame Wurzel: den Widerstand gegen die alte b?rgerliche Welt des 19.Jahrhunderts",30 den ?Aufstand gegen den B?rger".31 Die Zukunft,

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des b?rgerlichen Zeitalters"32 angekommen. Geleitet von dieser ?Einsicht" in die ?berlebtheit des liberalen Relativismus, der dem ?b?rgerlichen" Politik verst?ndnis inh?rent zu sein schien, begaben sich nicht wenige auf die Suche nach ?neuen Lebensformen jenseits des b?rgerlichen Individualismus und [...] neuen Politikformen jenseits des b?rgerlich-rechtsstaatlichen Parlamentaris mus",33 wobei sie ihren ?berlegungen meist die interdiskursive Matrix34 der

Lebensideologie zugrundelegten.

In erkenntnisf?rdernder Weise hat die kulturhistorische Weimar-Forschung der neunziger Jahre das Ph?nomen von ?Austauschdiskursen" ins Zentrum des Interesses ger?ckt. Durchaus vergleichbar mit fr?heren Anregungen aus der Germanistik wie dem Pl?doyer Frank Trommlers f?r eine ?Durchleuchtung der Konvergenzen von rechten und linken Positionen" und eine Konzentration auf

die Ambivalenzen zwischen ?Rechts und Links",35 hat beispielsweise Wolfgang Bialas auf Querverl?ufe intellektueller Netzwerke und die ?flie?enden ?ber g?nge, Mehrfachzugeh?rigkeiten und Unscharfen" im politisch-kulturellen Diskurs der Weimarer Republik hingewiesen.36 Demzufolge sollen st?rker

interdiskursive ?berschneidungen und Grenzdiffusionen zwischen links- und rechtsintellektuellen Diskursen in den Blick genommen werden.

In den Kontext jenes interdiskursiven Ph?nomens der antib?rgerlichen Lebensideologie, deren Verbreitung nicht nur vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs, sondern auch als Teil der sich seit dem Ende des 19. Jahrhunderts

vollziehenden ?antihistoristischen Revolution"37 zu sehen ist, l?sst sich das politische Denken des 1886 in Wien geborenen Raoul Hausmann einbetten. Vor allem die fr?hen Weimarer Schriften des Berliner Dadaisten zeugen von

einem anarchistischen Kommunismus, welcher der ?starren Oberfl?chen Form"38 b?rgerlich-liberaler Zivilisation die dynamische Ganzheit des Lebens

entgegensetzte.

Gegen Ende des Ersten Weltkriegs gab Hausmann gemeinsam mit dem linkskommunistischen Schriftsteller Franz Jung39 die Freie Stra?e heraus und kn?pfte Kontakte zu Anselm Ruest (der vor der Anagrammierung seines Na mens Ernst Samuel hie?) und dessen Cousin Salomo Friedlaender (Pseudonym Mynona?Anagramm von ?anonym"). Ruest und Friedlaender gaben in den Anfangsjahren der Weimarer Republik das individualanarchistische Blatt Der Einzige heraus.40 Zu Beginn der Revolution von 1918/19 trat Hausmann der

sogenannten Novembergruppe bei, die sich zun?chst als ?Zusammenschluss der radikalen, bildenden K?nstler"41 Deutschlands verstand und innerhalb derer er gemeinsam mit Otto Dix, George Grosz, Rudolf Schlichter und anderen eine

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Behne bildete er die ?st?rkste geistige Kraft" unter den Berliner Dadaisten.44 Walter Mehring wollte ihm dagegen nur zugestehen, dass er ?in Wort und

Collage, in Tracht und Grimasse, den streits?chtigsten [und] aufbrausendsten Dadak?mpfer" gegeben habe.45

Im Gegensatz zu Grosz und den Br?dern Herzfelde/Heartfield war Haus mann von spartakistisch-marxistischen Ideologemen gr??tenteils weit entfernt.

Seine Letzten Nachrichten aus Deutschland zeugten wie die Pamphlete Dadaisten gegen Weimar und Was ist der Dadaismus und was will er in Deutschland? eher von dadaistischer Indifferenz und k?nstlerischer Esoterik denn von einem festen Willen zum revolution?ren Umsturz. In letzterem als Parodie auf Wilsons ?14

Punkte" angelegten Manifest hie? es in satirischer Verfremdung parteikommu nistischer Dogmatik: ?Der Zentralrat tritt ein f?r:/ a) die ?ffentliche t?gliche

Speisung aller sch?pferischen und geistigen Menschen auf dem Potsdamer Platz (Berlin),/ [...] e) Einf?hrung des simultanistischen Gedichtes als kom munistisches Staatsgebet,/ [...] i) Kontrolle aller Gesetze und Verordnungen

durch den dadaistischen Zentralrat der Weltrevolution,/ k) sofortige Regelung aller Sexualbeziehungen im international dadaistischen Sinne durch Errichtung einer dadaistischen Geschlechtszentrale". Unterzeichnet war dieses ins Absur de abgleitende, hochgradig ironische Manifest, das Richard Huelsenbeck auf einem Dada-Abend Ende April 1919 im Graphischen Kabinett LB. Neumann verlas, mit: ?Der dadaistische revolution?re Zentralrat/ Gruppe Deutschland: Hausmann,/ Huelsenbeck, GolyschefP'.46

W?hrend Hausmann sich selbst als ?Anarcho-Kommunisjten]"47 charakteri sierte, lassen seine Texte eine eigent?mliche Ideen-Mischung hervortreten, die zwar grunds?tzlich auf anarchistischen Vorstellungen basierte?wie der Maxime von pers?nlicher Freiheit und politischer Herrschaftslosigkeit -, die davon ab gesehen aber einem Konglomerat von unterschiedlichen Denkfiguren glich,48 das sich am schl?ssigsten der lebensideologischen Gedankenwelt zuordnen l?sst. Insbesondere k?nnen drei unterschiedliche Pr?gekr?fte ausgemacht werden, die den bereits fr?h durch die Lekt?re Bakunins und Stirners sowie Nietzsches und Piatons angeregten Hausmann beeinflussten: die auf die Befreiung der im

Innern des Menschen schlummernden Kr?fte zielende, an Kant, Schopenhauer und Nietzsche ankn?pfende Polarit?tslehre der ?sch?pferischen Indifferenz"

Salomo Friedlaenders,49 die sonst kaum rezipierte radikal-subjektivistische Raum-Zeit-Theorie von dessen neukantianischem Mentor Ernst Marcus50 so wie vor allem die psycho-sozialen Reflexionen des abtr?nnigen Freud-Sch?lers

und Kropotkin-Verehrers Otto Gross wie auch seines Adepten Franz Jung, um dessen anarchistische Zeitschrift Die freie Stra?e sich ein illustrer intellektueller Zirkel gruppierte.

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kommunistische Utopie vom ?neuen Leben"52 als denmanich?ischen Gegensatz von kalt-gefrierender, ?lebensfeindlicher" Gesellschaft und warm-behaglicher, dem ?kosmischen Gesetz" des ?lebendigen Lebens" folgender Gemeinschaft.53 Von ferne an die lebensideologischen Visionen des gleichfalls in jungen Jahren

von Gross beeinflussten Johannes R. Becher erinnernd,54 imaginierte er ein ?organisches pflanzliches Gemeinschaftsbewusstsein" in ?leuchtend"-?bunt farbigen" Beziehungen und sehnte sich nach einer ?rhythmischen Verbindung des All-Ich zum Einzel-Ich", d.h. ?prosaisch und mit dem austromarxistischen Staatstheoretiker Max Adler gesprochen55?nach der vollkommenen Symbiose von Einzel- und Allgemeininteressen.56 Um seine Utopie Wirklichkeit werden zu lassen, zielte er mit seinem Kampf gegen die ?lebensfeindliche Ideologie" des b?rgerlichen Liberalismus vor allem auf die eruptive Befreiung des ?Le bendigkeitsrhythmus" im Innern des Menschen. ?Das Erleben soll freigelegt werden", lautete Jungs Revolutions-Maxime.57

W?hrend Hausmanns lebensideologische Auffassungen in erheblichem Ma?e von Gross und Jung gepr?gt wurden, suchte er sie im Unterschied zu

Jung nicht in eine parteipolitische Bewegung (wie die KPD oder KAPD) ein zubringen, sondern wollte sie als synthetische ?berwindung, als Alternative zu den Hauptstr?mungen des linksextremen Spektrums verstanden wissen.58 In einer Reihe von miteinander zusammenh?ngenden, in den Jahren 1918/19 in linksradikal-expressionistischen Bl?ttern publizierten Aufs?tzen versuchte er, seine politischen Gedanken geb?ndelt darzulegen.

Sein Essay Menschen leben Erleben, der?im vorhergehenden Jahr verfasst? Ende des Jahres 1918 sowohl in der Freien Stra?e als auch in der expressionis tischen Zeitschrift Menschen ver?ffentlicht wurde,59 lie? ein im Vergleich zu fr?heren Schriften deutlich politisiertes Denken erkennen und offenbarte im Zeichen eines kollektivistisch und sozialpsychologisch disponierten Anarchismus Elemente der oben skizzierten theoretischen Einfl?sse: ?Aus der Wucht des Geschehens", schrieb Hausmann unter dem Eindruck des Ersten Weltkriegs,

?entspringt die Feststellung der Unhaltbarkeit des menschlichen politischen Handelns, entspringt die Notwendigkeit der Umgestaltung der Welt durch

den neuen Menschen der Gemeinschaft, der Aufl?sung des Ich des Einzelnen in der Gewalt, der Wahrheit des Wir, der Aufhebung der fremden Macht in innerste, eigene Autorit?t als grenzenlose Verantwortung: denn Wir wird sein, wenn Ich zugleich der Andere bin, Ich, der Andere zugleich anderes Ich bin./ Die innere Umgestaltung des Menschen aus seiner noch bestehenden Isolie

rung, Nichtaufl?sung im Wir, der Gemeinschaft, Freimachung des Erlebens aller fordert die agitatorisch politische Tat, die sofortige Zerst?rung der bis herigen Gesellschaft. [...] Wir sind auch Alle gegen Ich; die Zertr?mmerung des gesicherten Seins, der Macht (fremder) Gesetze ?ber den Menschen."60

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dung jeglicher Fremdbestimmtheit und von b?rgerlich-liberalem Atomismus abhob, basierte auf einem l?ngeren Manuskript, das an manchen Stellen noch expliziter als die oben zitierte Passage den synthetisierenden Charakter von Hausmanns politischem Denken hervorkehrte und eine ?wahre Gemeinschaft"

verhie?, die aus ?sich heute noch k?mpfend gegen?berstehenden Gegens?tzen" erwachsen sollte: ?dem Fordernden der menschlichen Entfesselung und dem For dernden der proletarischen Revolution" ?mit anderen Worten: aus der Verbin dung von psycho-sozialem Anarchismus und (marxistischem) Kommunismus.61 Im Januar 1919 erschien im Einzigen Hausmanns Artikel Zu Kommunismus und Anarchie, in dem er unter Verwendung der psycho-sozial en Terminologie von Otto Gross und geleitet von dessen Einsicht in den ?Konflikt des Eigenen und Fremden" als ?einzig entscheidende Triebfeder alles Handeln [und] Wollens"62

seinen Standpunkt als ?Anarchokommunist" vor allem in scharfer Abgrenzung zu den Individualanarchisten zu verdeutlichen suchte. Am Individualanarchismus kritisierte er insbesondere die ?kleinb?rgerlich"-illusionistische Vorstellung, ohne Gewaltanwendung die Herrschaft der ?organisierten Kapital-B?rger" brechen und das Programm der Herrschaftslosigkeit verwirklichen zu k?nnen.63 Wie in der Auseinandersetzung mit den ethisch-kantianischen ?Gefiihlssozialis

ten" (Leonhard Frank) warf auch hier das Problem der revolution?ren Gewalt und der ?proletarischen Diktatur" eine der wesentlichen Fragen auf, an denen

sich die Geister schieden.

W?hrend Hausmann am Kommunismus zwar die reduktionistisch rein aufs ?konomische konzentrierte Ausrichtung monierte, die dem ?Gesamtzustand des

psycho-physisch [...] gefassten Menschen"64 nicht gerecht w?rde, bekannte er sich in seinen Reflexionen ?ber das Verh?ltnis yon Individualistischem Anarchisten und Diktatur, die wenig sp?ter Walther Rillas anfangs stark expressionistisch gef?rbtes Blatt Die Erde druckte, relativ unumwunden zur ?Diktatur des Pro

letariats". Anders als der Individualanarchist glaube, bestehe die ?L?sung der sozialen Fragen" f?r den Kommunismus keineswegs in einer ?Verst?rkung der Staatsautorit?t durch Diktatur". Die unter der ?Diktatur des Proletariats" anzuwendende Gewalt stehe als notwendiges Mittel vielmehr am Anfang der Verwirklichung der kommunistischen Maxime: ,Jede[r] nach seinen F?higkei

ten" ?wie er das von Louis Blanc Mitte des 19. Jahrhunderts popularisierte und nicht zuletzt von Karl Marx verfochtene Mantra zitierte.65

In seinem Aufsatz Schnitt durch die Zeit, der eine bearbeitete und erweiterte Fassung seines Artikels Zu Kommunismus und Anarchie bot und Anfang Oktober

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terisierte er die kommunistische Gesellschaftsform in einer f?r den politischen Diskurs der Extreme einzigartigen Weise als ?Kompromissbildung".67

Immer st?rker hatte sich Hausmann damit von seinen stirnerianischen Urspr?ngen gel?st.68 Als Konsequenz seiner gedanklichen Entwicklung ver

?ffentlichte er bald auch nicht mehr in der individualanarchistisch grundierten Zeitschrift Der Einzige, sondern vorwiegend in Organen, die sich kommunis

tisch-kollektivistischem Denken gegen?ber aufgeschlossener zeigten: so etwa in Die Erde, Der Gegner oder Die Aktion. Zum Anlass f?r seinen Bruch mit dem Einzigen nahm Hausmann eine nicht von ihm autorisierte Ver?nderung an seinem Pamphlet gegen die Weimarische Lebensauffassung, die der Herausgeber Anselm Ruest im Sinne einer deutlichen Abschw?chung kommunistischer Gedanken vorgenommen hatte. Hausmann kommentierte diesen Eingriff mit

den Worten: ?Der Herausgeber des ,Einzigen', Dr. Ruest, hat in meinem [...] ,Pamphlet gegen die weimarische Lebensauffassung' ohne mein Wissen mehrere ?nderungen dahingehend vorgenommen, dass der Anschein erweckt wird, ich

sei Stirnerianer, obwohl Dr. Ruest mein Standpunkt als Anarcho-Kommunist genau bekannt ist."69

Im ?Kompromiss des Kommunismus" sah Hausmann freilich nur eine, wenn auch notwendige ?Bewusstwerdungsstufe" bei der ?Aufrollung des Konflikts eigen?fremd". Der ?vom Ich beschrittene Kompromissweg" des Kommunismus f?hrte f?r sich genommen noch nicht zu der ersehnten ?Gemeinschaft [...] der allgemeinen gleichen Lebenssteigerungsm?glichkeiten". Was der kommunisti schen Revolution folgen musste, war die Herausbildung ?organischen Denkens", war ein in lebensideologischer Topik diffus umschriebener Erkenntnisprozess des ?kompromisslos-gegens?tzlichen Erlebens von Ich und Wir". Damit ein her ging eine eruptionsartige Gemeinschafts-Revolution, die Hausmann, wie schon gezeigt, im Einklang mit Jungs oben zitierter Revolutions-Maxime als ?Freimachung des Erlebens aller" imaginierte. In Ankn?pfung an Friedlaenders ?sch?pferische Indifferenz" zielte Hausmanns anarcho-kommunistische Utopie letztlich auf eine ?Aufl?sung der Kompromissbildungen", ein dynamisches ?in der Mitte-Sein von Ich und Wir", das der cusanischen coincidentia oppositorum nicht un?hnlich war.70

Hausmanns spezifisch anarcho-kommunistische Grundhaltung korrespon dierte naturgem?? mit einer tiefen Abscheu gegen?ber der parlamentarischen Demokratie und der b?rgerlichen Gesellschaft. Die ?Religion der Demokratie"

rechnete er zu jenen vexierenden ?billigen Monismen", die den ?wirklichen Umfang des Mensch-Erlebens (den sch?pferischen Zwiespalt Eigen-Fremd)"

blo? ?verkitten und [...] verkleinern".71 Er verdammte die ?Atmosph?re des Kuhhandels"72 und jene ?klebrigen Kompromisse der Zeit", wie er sie in

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Lebensauffassung aus dem Jahr 1919 emp?rte er sich im Namen der Berliner Dadaisten ?ber die ?Verbindlichkeiten des Potsdam-Weimar", die ?nicht f?r

uns geschaffen" seien, und ?ber den damit verbundenen ?Staatsbankrott aller lebendigen Eigenschaften". ?Wir wollen nicht Demokratie [und] Liberalit?t", erkl?rte er, ?wir wollen Alles selbst schaffen?unsere neue Welt!" Der Da daismus, der als einzige Kunstform der Gegenwart f?r eine Erneuerung der Ausdrucksmittel und gegen das klassische Bildungsideal des ordnungsliebenden

B?rgers und seinen letzten Ausl?ufer, den Expressionismus k?mpfe, pl?diere als international antibourgeoise Bewegung f?r das ?eigene Erleben".75

Neben dem ?Konflikt des Eigenen und Fremden" nahm also die fundamentale Opposition zwischen ?(Er-)Leben" und B?rgerlichkeit einen zentralen Platz

in Hausmanns politischem Denken ein. Das kataklystische Ereignis des Ersten Weltkriegs deutete Hausmann dahingehend, dass ?das Leben" als ?Katarakt aus

Unsicherheit und Zusammenbruch" die b?rgerliche Gesellschaft mit all ihren Sicherungen ?endlich ausgespien" habe.76 So war es f?r den Dadaisten ?die Natur selbst", die ?als unterbewusste Leitstr?mungu das ?falsche Obergeb?ude"

von Kapitalismus, Liberalismus und B?rgerlichkeit ?zum Tode" trieb?wie er in Anlehnung an die Marxsche Unterscheidung zwischen Basis und ?berbau sowie vor allem in Aufgreifung des linkskommunistischen Theorems von der ?Todeskrise des Kapitalismus"77 urteilte. Dieser deterministischen Logik zu folge konnte der Mensch gewisserma?en nicht umhin, ?sich auf die Seite des Lebens [...] zu retten". Im Sinne von Hausmanns Synthese aus Anarchismus und Kommunismus bedeutete dies, ?mit dem Mittel der Anarchie und des

revolution?ren Klassenkampfs die Regulierung zu vollziehen" ?mit anderen Worten: die politische und sozio-kulturelle Ordnung der Weimarer Republik

radikal umzust?rzen.78 Dem Dadaismus kam in diesem Zusammenhang die Aufgabe zu, die vermeintliche Absurdit?t und Lebensfeindlichkeit des geistigen

und sozialen ?Mechanismus" der b?rgerlich-liberalen Ordnung zu decou vrieren und auf diese Weise an der ?Zerst?rung der ?berlebten b?rgerlichen Kultur" und der ?Aufl?sung des bourgeoisen Schwindlers" mitzuwirken.79 Der Dadaismus, der ?Leben" und ?Erleben" zum alleing?ltigen Ma?stab erhob,

sollte das Korsett b?rgerlicher Kultur buchst?blich ?zerrei?en". Was diesem apokalyptischen Akt sch?pferischer Zerst?rung folgen w?rde, war die ?neue Welt" ?eine Welt, ?die nicht Sicherheit ist und Ruhe, sondern Unruhe und Erneuerung", vulkanartig ?hinaus[ge]Schleuder[t]" und ?fort und fort [in] Bewegung".80

Wie andere Schriftsteller und K?nstler aus dem anarcho-kommunistischen Umfeld, man denke nur an Erich M?hsam und Franz W. Seiwert,81 setzte er

seine Hoffnung aber auch in die Deklassierten und ?Herausgetretenen" der Gesellschaft. Dieses Potential an gesellschaftlichen Parias wollte er mobilisieren,

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In dieser Hinsicht ging er vollst?ndig konform mit der parteienfeindlichen Ausrichtung des Weimarer Linkskommunismus, wie man sie in besonders plastischer Weise in den Schriften Karl Schr?ders und Otto R?hles elaboriert findet.83 So bediente sich Hausmann bei seiner pauschalen Desavouierung von Politikern des allein im linkskommunistischen Diskursraum auftauchenden Begriffs vom ?pfiffigen Politikanten"^ ?zu finden etwa bei R?hle und Jung.85 Hausmanns parteienfeindliche Haltung spiegelte insbesondere ein von ihm verfasster Dialog zwischen zwei Arbeitern wider, den ait Aktion 1921 unter dem

aufschlussreichen Titel Die Macht liegt auf der Stra?e ver?ffentlichte. So lie? Hausmann einen der beiden Arbeiter f?r eine Anschauung Proselyten machen,

die von seinem eigenen Standpunkt nicht allzu weit entfernt gewesen sein d?rfte: ?Ihr alle in den Parteien quasselt und quasselt und lauft euren F?hrern nach [...]. Menschenskinder, wollt ihr 'ne Horde Stimmvieh sein, das man zur Schlachtbank treibt wie fr?her", erinnerte der Arbeiter vor allem an die Rolle der Sozialdemokratie im Ersten Weltkrieg, um dann zur entscheidenden rhe torischen Frage ?berzuleiten: ?Oder wollt ihr den wahren Kommunismus? Wo jeder endlich Mensch sein wird? Seht ihr denn nicht, dass ihr aus den Parteien raus m?sst, wenn ihr ein geeinigtes revolution?res Proletariat wollt?"86

In gewisser Weise kann dieses feurige Pl?doyer f?r eine ?proletarische" Massenbewegung mit Erich M?hsams Artikelfolge f?r eine ?Einigung des

revolution?ren Proletariats" parallel gelesen werden, die 1921/22 ebenfalls in der Aktion publiziert wurde.87 Und so wie M?hsam 1920 zu Ehren des An f?hrers der mitteldeutschen Aufst?nde den Max-H?lz-Marsch komponierte,88 ver?ffentlichte Hausmann ein Jahr sp?ter, wiederum in Vftmitrts Aktion, ?ber den ?unerschrockenen Klassenk?mpfer" eine ?berschwengliche Eloge. Denn

im Unterschied zu den ?demokratischen Heuchlern" der Weimarer Republik erschien ihm der unter Weimarer Linksintellektuellen allgemein popul?re Holz89 als der ?reinste Mensch unserer Gegenwart". Frei von jeglicher dada

istischer Ironie kn?pfte er hier an seine Betrachtungen ?ber das Verh?ltnis von Individualistischem Anarchisten und Diktatur an und rief dem internierten Arbeiterf?hrer ins Gef?ngnis zu, dass ?die Klasse der unterdr?ckten Werkt?tigen

eines Tages die r?chende, reinigende Macht" ergreifen werde, die ?Diktatur des Proletariats".90

Vorerst freilich blieb in Deutschland das entscheidende Hemmnis f?r eine

?proletarische Revolution" bestehen: das, was Hausmann als ?deutsches Wesen" bezeichnete und womit er in seiner 1920 ver?ffentlichten Satiresammlung Hurra! Hurra! Hurra! abrechnete.91 Die zum Teil groteske Z?ge tragenden

Satiren waren zuvor schon als Einzelbeitr?ge in verschiedenen Zeitschriften erschienen: ?berwiegend in dem theoretisch-programmatisch disponierten Blatt Der Gegner, das zwischen 1919 und 1922/23 vom kommunistischen Malik Verlag herausgebracht wurde und sich um eine neue, klassenk?mpferische Kunst

(13)

524 German Studies Review 31/3(2008)

in denen sich die Hauptfigur meist selbst entlarvte. Protagonist war in der Regel der Typus des deutschen ?Spie?ers", der bei Hausmann ?Puffke" hie? und mit seiner ?gut deutschen" ?Puffke-Revolution" die ?R?ckkehr zu den alten, guten, geordneten Zust?nden" anstrebte.93 Indem Hausmann seinen ?Puffke" stellvertretend f?r das gesamte deutsche B?rgertum der L?cherlichkeit preisgab, wollte er einen Beitrag leisten zum Kampf ?gegen den Puffke?smus derTeutschen Seele".94

Mit seinen ?Puffke"-Satiren war Hausmann nat?rlich Teil eines gr??eren Trends antib?rgerlicher Satire in der Weimarer Linksintelligenz. Man denke

nur an Kurt Tucholsky, Fritz Hampel (alias Slang), Carl Sternheim oder Erich Weinert, der das ?Kleinb?rgertum" eines ,,Herr[n] Piefke" verh?hnte und dem

?Demagogenpott" des ,,teutsche[n] Mann [es]" den Garaus machen wollte.95 Besonders augenf?llig aber sind die Parallelen zu den Satiren des bekannten Kunstkritikers Carl Einstein, der mit der Berliner Dada-Gruppe ?ber die

Satiremagazine Die Pleite und Der blutige Ernst zeitweilig verbunden war.96 In dem von ihm herausgegebenen und mit Grosz' ber?chtigten Karikaturen illus trierten Blutigen Ernst, dessen Titel dem zynischen Charakter des dadaistischen Lachens (einer Heiterkeit, die ??ber Leichen" schritt)97 in verdichteter Form Ausdruck verlieh, widmete sich Einstein der Blo?stellung von b?rgerlicher ?Spie?ermentalit?t" und Weimarer ?Schieber"-Demokratie: ?Simultan grunzt die [...] b?rgerliche Dunstmasseu, war zum Beispiel in seiner Glosse Freie Bahn dem T?chtigen?Ein Beitrag zur Demokratie zu lesen, die den expressionisti

schen Sprechstil un?bersehbar parodierte, mit einer grotesken Kombinatorik von Begriffen und Bildern arbeitete und von einer aphoristischen Satz- und Gedankenverknappung charakterisiert war. ?Alle Automaten (warum hei?en

nicht alle Meier oder N.?)/ Das Schlagwort -/ ?berquert Telefunkendach und Hundeschl?chterei-/Automaten den Durchhalte-Kohlr?lps aus Samtkragen:/ Meier SchiebungJ Krause SchiebungJ Schulze Schiebung./ So bl?hten sie aus

rosanem Nackenwulst Hurra\"9S

W?hrend dem politisch engagierten Kunstkritiker wie so vielen Linksintel lektuellen die Weimarer Demokratie als Sinnbild einer ?verratenen" Revolution und des militaristisch-reaktion?ren Geistes des im Kaiserreich sozialisierten B?rgertums erschien, verband ihn mit Hausmann im besonderen die lebensideo

(14)

Bildsprache in kritischer Absicht.

Was Hausmann betraf, auf den Grosz in seiner ?meta-mechanischen Kon struktion" (wenn auch ironisch gebrochen) Bezug nahm, sah es der ?Dadasoph" expressis verbis als seine Aufgabe an, durch das ?Aufzeigen der Marionettenhaf tigkeit, der Mechanisierung des Lebensu an der ?berwindung der b?rgerlichen Ordnung mitzuwirken. Von einer ?neuen Kunst" erwartete er, ?durch die [...] Erstarrung hindurch uns ein anderes Leben erraten und f?hlen zu lassen".99 So wie Carl Einstein von der Kunst die ?Zerst?rung des B?rgers zur Rettung des Dynamischenu forderte,100 sollte sie nach Hausmanns ?berzeugung auf die Erm?glichung eines Lebens hinwirken, das von ?lebendiger Dynamik" und

erneuerten ?menschlichen Sinnes-Emanationen" durchdrungen war: ?Nieder mit allem Unvitalen, nieder mit aller Beruhigung!",101 lautete der cri de guerre

seines ?PREsentismus"-Manifests, das Theo van Doesburgs holl?ndische Avantgarde-Zeitschrift De Stijl abdruckte.102

Der politische Gehalt von Hausmanns k?nstlerischer Kritik an der ?Me chanisierung des Lebens" manifestierte sich auf besonders sinnf?llige Weise in seiner zeichnerischen Trilogie von 1920 Der eiserne Hindenburg, Deutsche Freiheit und Die Schieberger.103 Unl?ngst von Matthew Biro zu der Figur des Cyborg und dem Konzept ?hybrider Identit?t", so wie es in der zeitgen?ssischen Kunst diskutiert wird, in Beziehung gesetzt,104 k?nnen Hausmanns groteske Homunkuli politisch vor allem als Karikaturen der als militaristisch und korrupt

perzipierten politischen Kultur Weimar-Deutschlands gelesen werden. W?h rend im Blutigen Ernst sein Dada-Kollege Richard Huelsenbeck die Weimarer ?Schieber-Politik"105 verspottete, versinnbildlichten Hausmanns roboterhafte ?Schieberger", die, im Satiremagazin Schall und Rauch ver?ffentlicht, f?r das vermeintlich lukrative Leben als Abgeordneter warben, dass ?Schiebung [...]

bei vielen Dingen" helfe.106

Wie an Hausmanns meta-mechanischen Zeichnungen erkennbar, scheint sein Verh?ltnis zur Maschine als technisches Sinnbild der Moderne weniger ambivalent gewesen zu sein, als zuweilen von der Forschung unter Rekurs auf die bekannte Assemblage Mechanischer Kopf-?Der Geist unserer Zeit oder die Collagen bzw. Photomontagen Selbstportrait des Dadasophen, Elasticum, Tatlin zu Hause oder Ein b?rgerliches Pr?zisionsgehirn ruft eine Weltbewegung hervor (alle 1920 entstanden) behauptet worden ist.107 Gewiss hat Hausmann gegen?ber dem Expressionismus hervorgehoben, dass ?die Phantasie der Brennschere, des Hei?lufthaartrockners und elektrischen B?geleisens" notwendiger sei als ?die Phantasie des K?nstlers".108 Doch war dies weniger als ?emphatische

(15)

526 German Studies Review 31/3(2008)

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(16)

meta-mechanischen Zeichnungen und seinen an Objekten der technisch-in dustriellen Moderne reichen Montagen manifestiert, verweist vor allem auf ein tiefes Leiden an der Moderne. An dieser Tatsache ?ndert auch nichts der manchmal missverstandene Slogan, der auf der Berliner Dada-Messe verk?ndet wurde: ?Die Kunst ist tot. Es lebe die neue Maschinenkunst Ta tlins."111 Vor mehr als 20 Jahren hat in diesem Zusammenhang Dawn Ades treffend formuliert: ?Dada did not share the Constructivists's faith in progress and the advance of machine technology. But they did not turn their backs on the machine?it was

part of the world and could not be ignored."112

Wie aus seinem dichterischen und k?nstlerischen Werk der fr?hen Weimar Zeit ersichtlich, wies Hausmann der Kunst im ?Protest gegen den b?rgerlichen Schlaf wandel und gegen die Verewigung der Ausbeutung und der Spie?erindivi

dualit?t" eine zentrale Funktion zu. In der bereits erw?hnten Attacke gegen die ?korrumpierte Clique der Prominenten" der Novembergruppe forderte er von den K?nstlern?gemeinsam mit Grosz, Schlichterund anderen Mitgliedern der Linksopposition - ?Ausdruck der revolution?ren Kr?fte" zu sein, um am Aufbau

?der neuen menschlichen Gemeinschaft^ mitzuarbeiten. Unter Bem?hung einer im extremistischen Diskurs besonders beliebten Denkfigur sah er die ?Stunde der Entscheidung gekommen. Man habe in dieser Hinsicht ?Unerbittlichkeit" zu zeigen und m?sse die b?rgerliche ?Kompromisswirtschaft" konsequent verwerfen.113

W?hrend sich Hausmann in den zwanziger Jahren vorwiegend mit kul turellen Fragen befasste, ohne ihnen eine prononciert politische Dimension zuzuweisen, hielt er auch weiterhin Kontakt zu verschiedenen linksradikalen Intellektuellenzirkeln. 1922 unterschrieb er beispielsweise das zweite Ma nifest der ?Kommune", die den ?schlammigen Opportunismus"114 anderer K?nstlergruppen ablehnte und sich vornahm, ?die ganze Vergangenheit zu revidieren".x 15 Und bis ins Jahr 1925 hinein geh?rte er dem Kreis um Pfemferts Aktion an, die seit 1921 als Publikationsorgan der Allgemeinen Arbeiter-Union

(Einheitsorganisation) (AAUE) fangierte und sich, einst vielbeachtetes Organ des aktivistischen Expressionismus, zusehends in ein esoterisches Bl?ttchen des unionistischen Linksradikalismus verwandelte.116 In der Sp?tphase der Weimarer Republik arbeitete Hausmann zudem an Franz W. Seiwerts Kunstzeitschrift

a bis z,nl Franz Jungs Monatsschrift Gegner11^ und der anarcho-syndikalisti schen Gildenzeitschrift Besinnung und Aufbruch mit.119 All dies hatte freilich mit Dadaismus kaum mehr etwas zu tun und war, wie gesagt, nurmehr sehr

bedingt von politischem Gehalt, so dass hier auf eine Schilderung der weiteren k?nstlerischen Entwicklung verzichtet wird.

(17)

528 German Studies Review 31/3(2008)

und Revolution tief gepr?gten Frontgeneration, das dem als mechanisch rechtsformalistisch desavouierten Parlamentarismus der Weimarer Republik direkt zuwiderlief. Von der molochartigen Staatsmaschinerie der liberalen Moderne sollte das gl?hende Leben autonomer Gemeinschaftlichkeit ebenso

erl?sen wie vom ?Parasitentum" des kapitalistischen ?Puffke" und korrupt kompromisslerischen ?Politikanten". Dass sich dadaistische Lebensideologen wie Hausmann mit all ihrer k?nstlerischen Kraft gegen die ?Weimarische Lebensauffassung" wandten, war die logische Konsequenz aus dem geistig

kulturellen Spannungsverh?ltnis zwischen anarcho-kommunistischem ?Organ denken"120 und liberal-demokratischer B?rgerlichkeit. ?Alles soll leben", hatte Richard Huelsenbeck schon in seinem Manifest Der Neue Mensch von 1917

gefordert, ?aber eins muss aufh?ren?der B?rger, der Dicksack, der Fresshans, [...] der T?rh?ter aller J?mmerlichkeiten."121 Dass die Weimarer Republik am Ende dem rechtsextremen Zweig antib?rgerlicher Lebensideologie weichen musste: darin liegt die Tragik nicht nur dadaistischer Linksintellektueller der Weimarer Zeit.

1

Walter Fahnders, Avantgarde und Moderne 1890-1933 (Stuttgart und Weimar, 1998), 190.

2

Richard Huelsenbeck, 'Dada siegt', in id. und Tristan Tzara, Dada siegt! Bilanz und Erinnerung (Neuausg. Hamburg, 1985, zuerst 1920/27), 7-53, 14.

3 Richard Huelsenbeck, En avant Dada. Die Geschichte des Dadaismus. Im Anhang: Deutschland mu? untergehen (3. erw. Aufl. Hamburg, 1984, zuerst 1920), 31; vgl. auch

id.,'Dada siegt', 36f.

4 Hubert van den Berg, Avantgarde und Anarchismus. Dada in Z?rich und Berlin (Hei delberg, 1999), 403 f.

5 'Dadaistisches Manifest', in Richard Huelsenbeck (Hrsg.), Dada. Eine literarische Do kumentation (Neuaufl. Reinbekbei Hamburg, 1984), 31-33 (zuerst 1918), 33. 6 Hermann

K?rte, 'Sp?texpressionismus und Dadaismus', in Bernhard Weyergraf (Hrsg.), Literatur der Weimarer Republik 1918-1933 (M?nchen und Wien, 1995), 99-134, 125.

7

Vgl. Klaus Petersen, Literatur und Justiz in der Weimarer Republik (Stuttgart, 1988), 77-99.

8

Vgl. K?rte, 'Sp?texpressionismus und Dadaismus', 127. 9

Vgl. Eva Z?chner, "Die Erste Internationale Dada-Messe in Berlin. Eine meta-me chanische Liebeserkl?rung an Tatlins ,Maschinenherz'," in Irina Antonowa und J?rn Merkert (Hrsg.) , Berlin?Moskau /Moskau?Berlin 1900-1950 (M?nchen und New

York, 1995), 119-24. 10

Vgl. Harald Maier-Metz, Expressionismus, Dada, Agitprop. Zur Entwicklung des Ma lik-Kreises in Berlin 1912-1924 (Frankfurt/Main etc., 1984), 199. Den H?hepunkt der gemeinsamen Dada-Aktivit?ten bildete eine am 30. November 1919 in der ?Trib?ne"

(18)

11

Vgl. Riccardo Bavaj, Von links gegen Weimar. Linkes antiparlamentarisches Denken in der Weimarer Republik (Bonn, 2005), S. 81-89. 12

Vgl. zum folgenden die Kategorisierung bei van den Berg, Avantgarde und Anarchis mus, 169.

13

Vgl. dazu Bavaj, Von links gegen Weimar, 270-92; id., 'Zwischen Dadaismus und Kommunismus. Kunst und Ideologie bei George Grosz zur Weimarer Zeit', Tel Aviver Jahrbuch 14 f?r deutsche Geschichte 34 (2006), 122-48.

Vgl. Hanne Bergius, Das Lachen Dadas. Die Berliner Dadaisten und ihre Aktionen (Gie ?en, 1989), 144-61; id., 'Zur phantastischen Politik der Anti-Politik Johannes Baaders oder Die unbefleckte Empf?ngnis der Welt', in Johannes Baader, Oberdada. Schriften, Manifeste, Flugbl?tter, Billets, Werke undTaten, hrsg. mit einem Nachwort vers, von Hanne

Bergius, Norbert Miller und Karl Riha (Gie?en, 1977), 181-91; Karl Riha, Tortr?t Johannes Baader. Der Oberdada und Dada-Berlin', in id. (Hrsg.), Da Dada da war ist Dada da. Aufs?tze und Dokumente (M?nchen und Wien, 1980), 140-68.

15 Michael

Erlhoff, Raoul Hausmann?Dadasoph. Versuch einer Politisierung der ?sthetik (Hannover, 1982).

16

Timothy O. Benson, Raoul Hausmann and Berlin Dada (Ann Arbor, 1986). 17

Ebd., 1; vgl. auch Timothy O. Benson, 'Mysticism, Materialism, and the Machine in Berlin T>2lA*\ Art Journal 46 (1987), 46-55, 51.

18 So auch die treffende Feststellung von Walter Fahnders in seiner Sammelrezension, Jahrbuch zur Literatur der Weimarer Republik 4 (1998), 293-98, 297; als Indikator daf?r mag auch gelten Hermann K?rte, 'Am Anfang war die B?hne Dada. Raoul Hausmanns Auftritts- und Bewegungskanst\ Jahrbuch zur Kultur und Literatur der Weimarer Republik

7 (2002), 69-89. 19

Kurt Bartsch und Adelheid Koch (Hrsg.), Raoul Hausmann (Graz und Wien, 1996); Eva Z?chner (Hrsg.), Der deutsche Spie?er ?rgert sich. Raoul Hausmann 1886-1971 (Berlin,

1994); id. (Hrsg.), ?Wir w?nschen die Welt bewegt und beweglich". Raoul-Hausmann-Sym posium der Berlinischen Galerie im Martin-Gropius-Bau Berlin (Berlin, 1995).

20 Cornelia

Frenkel, Raoul Hausmann. K?nstler, Forscher, Philosoph (St. Ingbert, 1996). 21

Van den Berg, Avantgarde und Anarchismus; Bergius, Das Lachen Dadas; id., Montage und Metamechanik. Dada Berlin?Artistik von Polarit?ten (Berlin, 2000); Hanno Ehrli cher, Die Kunst der Zerst?rung. Gewaltphantasien und Manifestationspraktiken europ?ischer Avantgarden (Berlin, 2001); vgl. auch die n?tzliche Aufsatzsammlung von Richard

Sheppard, Modernism, Dada, Postmodernism (Evanston, 2000); sowie ferner Hermann K?rte, Die Dadaisten (3. Aufl. Reinbek bei Hamburg, 2000, zuerst 1994), insb. 67-86;

und J.C. Middleton, '"Bolshevism in Art". Dada and Polities', Texas Studies in Literature and Language 4 (1962/63), 408-30. 22

Matthew Biro, 'Raoul Hausmann's Revolutionary Media. Dada Performance, Pho tomontage and the Cyborg', Art History 30 (2007), 26-56; Brigid Doherty, 'Figures of the Pseudorevolution', October 84 (1998), 64-89; id., 'The Work of Art and the Problem of Politics in Berlin Dada', October 105 (2003), 73-92; id., 'Berlin', in Leah Dickerman

(Hrsg.) , Dada. Zurich, Berlin, Hannover, Cologne, New York, Paris (Washington, 2005), 84-112; sowie Hubert van den Berg, 'From a New Art to a New Life and a New Man. Avant-Garde Utopianism in dada', in Sascha Bru und G?nther Martens (Hrsg.), The

(19)

530 German Studies Review 31/3 (2008)

noch nicht erschienen, so dass man einstweilen auf ihre Aufs?tze verwiesen bleibt. 23

Vgl. bislang Riccardo Bavaj, 'Linkskommunistischer "Gemeinschaftsrhythmus" als antib?rgerliche Herausforderung. Franz Jungs lebensideologisches Denken w?hrend der Weimarer Republik', Jahrbuch zur Kultur und Literatur der Weimarer Republik 10

(2005/2006), 101-30; id., 'Lebensideologischer Kommunismus als Alternative. Hein rich Vogelers Utopie vom "neuen Leben" im Krisendiskurs der Weimarer Republik', Zeitschrift f?r Geschichtswissenschaft 55 (2007): 509-28; id., '"Die bestehende Welt restlos mit Gewalt beseitigen". Der K?nstler Franz W. Seiwert und sein Kampf gegen den Weimarer Staat', Geschichte im Westen 22 (2007): 41-65.

24Martin Lindner, Leben in der Krise. Zeitromane der Neuen Sachlichkeit und die intellektuelle Mentalit?t der klassischen Moderne (Stuttgart und Weimar, 1994), insb. 148-51.

25 Robert Musil, 'Das hilflose Europa oder Reise vom Hundertsten ins Tausendste', in id., Gesammelte Werke, Bd. 8: Essays und Reden, Hrsg. Adolf Fris? (Reinbek bei Hamburg, 1978), 1075-94 (zuerst 1922), 1090.

26 Hans Boldt, 'Demokratie in krisengesch?ttelter Zeit', in Christoph Gusy (Hrsg.), Demokratisches Denken in der Weimarer Republik (Baden-Baden, 2000), 608-34, 620.

27 Thomas

Mann, 'Die B?ume im Garten. Rede f?r ein Pan-Europa [gehalten am 18.5.1930]', Vossische Zeitung,20.5.1930, inid., Politische Schriften und Reden, Bd. 2 (Frank furt/Main, 1968), 173-79, 176f?; vgl. auch id., 'Die Stellung Freuds in der modernen Geistesgeschichte', Die psychoanalytische Bewegung, Mai/Juni 1929, H. 1, in id., Essays,

Bd. 3 (Frankfurt/Main, 1994), 122-54, insb. 128f. 28 Gottlob

Frege, 'Vorschl?ge f?r ein Wahlgesetz', in Gottfried Gabriel und Uwe Dathe (Hrsg.) , Gottlob Frege. Werk und Wirkung. Mit den unver?ffentlichten Vorschl?gen f?r ein Wahlgesetz 29 von Gottlob Frege (Paderborn, 2000), 297-313, 304.

Boldt, 'Demokratie in krisengesch?ttelter Zeit', 633. 30

Kurt Sontheimer, Antidemokratisches Denken in der Weimarer Republik. Die politischen Ideen des deutschen Nationalismus zwischen 1918 und 1933 (4. Aufl. M?nchen, 1994, zuerst

1962/68), 307. 31 G?nter Meuter

und Henrique Ricardo Otten (Hrsg.), Der Aufstand gegen den B?rger. Antib?rgerliches 32 Denken im 20. Jahrhundert (W?rzburg, 1999).

Karl Dietrich Bracher, 'Ende des b?rgerlichen Zeitalters? ', in id., Geschichte und Gewalt (Berlin, 1981), 151-75; vgl. als zeitgen?ssischen Kommentar auch Alfred D?blin, Wissen und Ver?ndern! Offene Briefe an einen jungen Menschen (Berlin, 1931), 113.

33 G?nter Meuter

und Henrique Ricardo Otten, 'Der B?rger im Spiegelkabinett seiner Feinde', in id. (Hrsg.), Aufstand gegen den B?rger, 9-33, 15, 17.

34

Vgl. Manfred Gangl, 'Interdiskursivitat und chasses-crois?s. Zur Problematik der Intellektuellendiskurse in der Weimarer Republik', in Sven Hanuschek, Th?r?se H?r nigk und Christine Malende (Hrsg.), Schriftsteller als Intellektuelle. Politik und Literatur

im Kalten Krieg (T?bingen, 2000), 29-48, insb. 45.

35 Frank Trommler, 'Intellektuelle und Intellektuellenkritik in Deutschland', Basis 5 (1975), 117-31,13 0f.; vgl. auch schon Jen? Kurucz, Struktur und Funktion der Intelligenz w?hrend der Weimarer Republik (K?ln, 1967), insb. 160.

36

(20)

Weimar und Wien, 1998), 47-72, insb. 71. 37

Kurt Nowak, 'Diskussionsbeitrag', in Heinrich August Winkler (Hrsg.), Die deutsche Staatskrise 3 8 1930-1933. Handlungsspielr?ume und Alternativen (M?nchen, 1992), 56.

Helmut Lethen, 'Unheimliche Nachbarschaften. Neues vom neusachlichen Jahrzehnt', Jahrbuch zur Literatur der 39 Weimarer Republik 1 (1995), 76-92, 81.

Vgl. Bavaj, 'Linkskommunistischer "Gemeinschaftsrhythmus'". 40

Vgl. insb. Lisbeth Exner, Faschingais Logik. ?ber Salomo Friedlaender/Mynona (M?nchen, 1996), 173ff.; sowie id., 'Mynona. Ein grotesker Humorist', in Pamela Kort (Hrsg.) , Grotesk! 130 Jahre Kunst der Frechheit (M?nchen etc., 2003), 128-30.

41

'Satzung der "Novembergruppe" vom Januar 1919, ? 2', in Helga Kliemann, Die Novembergruppe (Berlin, 1969), 57.

42 'Offener Brief an die Novembergruppe', Der Gegner, 1920/21 [abgeschlossen am 20.6.1921], H. 8/9, in Kliemann, Novembergruppe, 61-64, 63; zu der von Max Pechstein und anderen K?nstlern im November 1918 gegr?ndeten Novembergruppe, die sich

schon bald von ihren ursp?nglichen revolution?ren Idealen verabschiedete und ihre Arbeit vor allem auf die materielle Interessenvertretung ihrer Mitglieder beschr?nkte,

vgl. Kliemann, Novembergruppe; Eberhard Roters, 'Novembergruppe', in Hannah Hoch, Eine Lebenscollage, Bd. 2, Hrsg. K?nstlerarchiv der Berlinischen Galerie, Landesmuseum

f?r Moderne Kunst, Photographie und Architektur (Berlin, 1995), 75-96. 1922 stellte sie klar, ?dass die Verfolgung radikal politischer Ziele Sache eines jeden einzelnen sei; dass die Gruppe als Vereinigung lediglich radikal k?nstlerische Ziele zu verfolgen habe". Der Gegner, 1922, H. 1, in Kliemann, Novembergruppe, 64.

43

Vgl. Bergius, Das Lachen Dadas, 114.

44 Adolf Behne, 'Werkstattbesuche. Jefim Golyscheff, Der Cicerone, 1919, H. 22, 723. 45 Walter

Mehring, Berlin Dada. Eine Chronik mit Photos und Dokumenten (Z?rich, 1959), 39f.

46 'Was ist der Dadaismus und was will er in Deutschland?', Die Warnung, 7.5.1919, Der Dada, Juni 1919, H. 1, in Huelsenbeck, En avant Dada, 34f.; vgl. dazu auch Raoul Hausmann, Texte bis 1933, Bd. 1: Bilanz der Feierlichkeit, Hrsg. Michael Erlhoff (M?n chen, 1982), 211 ; Udo Rukser, 'Dada. Auff?hrung und Ausstellung im Salon Neumann, Kurmrstendamm', Die Freie Zeitung, 8.5.1919.

47 Raoul Hausmann, 'Der individualistische Anarchist und die Diktatur', Die Erde, 1.5.1919, H. 9, in id., Texte bis 1933 I, 43-45, 45.

48

Vgl. van den Berg, Avantgarde und Anarchismus, 228. 49

Vgl. insb. Salomo Friedlaender, Sch?pferische Indifferenz (2. Aufl. M?nchen, 1926, zuerst 1918); id., 'Wink zur Abschaffung des Menschen', Die Aktion, 10.10.1914, H. 40/41, Sp. 799-803, Sp. 802: Der ideale Zustand ?sch?pferischer Indifferenz" wurde nach Friedlaender erreicht, wenn der Mensch??die ausgebreitete Oberfl?che seiner differenzierten Seele durchbrechend"??in sein Tiefinneres wie in das Weltzentrum" gelangte, an jenen Ort der Erleuchtung, an dem ?das Auf einmal-Erlebnis des Ganzen aller ersinnlichen, erdenklichen und tunlichen Vereinzelungen" auf ihn warte, wie er in lebensideologischer Diktion prophezeite. Vgl. dazu vor allem Exner, Fasching als Logik, 196ff.,271ff.,284ff.

50

(21)

532 German Studies Review 31/3 (2008)

Psychischen (9. Aufl. Jena, 1922, zuerst 1886). 51

Vgl. insb. Otto Gross, 'Vom Konflikt des Eigenen und des Fremden', Die freie Stra?e, 1916, 3-5; id., Drei Aufs?tze ?ber den inneren Konflikt (Bonn, 1920).

52

Vgl. Bavaj, 'Lebensideologischer Kommunismus als Alternative'.

53 Franz Jung, Die Technik des Gl?cks. Psychologische Anleitungen in vier ?bungsfolgen (Berlin, 1921), in id, Werke, Bd. 6, Hrsg. Lutz Schulenburg (Hamburg, 1987), 7-84, 16,20, 30f, 34, 65.

54

Vgl. Bavaj, Von links gegen Weimar, 338-41; zu Gross' Einfluss auf Becher vgl. Jennifer E. Michaels, Anarchy and Eros. Otto Gross' Impact on German Expressionist Writers (New York etc, 1983), 121-28.

55

Vgl. vor allem Max Adler, Die Staatsauffassung des Marxismus. Ein Beitrag zur Unter scheidung von soziologischer und juristischer Methode (Wien, 1922), 123,146; i?., Demokratie und R?tesystem (Wien, 1919), in id., Ausgew?hlte Schriften, Hrsg. Alfred Pfabigan und Norbert Leser (Wien, 1981), 133-62, 149ff. 56

Jung, Technik des Gl?cks, 24,55,73 ; vgl. auch id., MehrTempo! Mehr Gl?ck! Mehr Macht! Ein Taschenbuch f?r Jedermann (Berlin, 1923), in id., Werke VI, 85-168,106: ?Der Eigen Rhythmus 57 f?gt sich in den Rhythmus des All-Organischen ein".

Id, Technik des Gl?cks, 24, 62, 83. 58

Vgl. van den Berg, Avantgarde und Anarchismus, 229-43 Walter ; Fahnders und Martin Rector, Linksradikalismus und Literatur. Untersuchungen zur Geschichte der sozialistischen Literatur in derWeimarer Republik, Bd. 1 (Reinbek bei Hamburg, 1974),248f.;EvaZ?chner,

'Quellen der Revolte', in id., Der deutsche Spie?er ?rgert sich, 13-32, 22ff. 59

Vgl. Hausmann, Texte bis 19331,206; Hannah Hoch, Eine Lebenscollage, Bd. 1/1, Hrsg. K?nstlerarchiv der Berlinischen Galerie, Landesmuseum f?r Moderne Kunst, Photo

graphie und Architektur (Berlin, 1989), 308f.

60 Raoul Hausmann, 'Menschen leben Erleben', Die freie Stra?e, Nov. 1918, H. 9, in id, Texte bis 1933 I, 23; vgl. id., 'Gegen den Besitz', Die freie Stra?e, Nov. 1918, H. 9, in ebd, 20-22.

61

Id., 'Menschen Leben Erleben, Manuskript von 1917', in Hoch, Lebenscollage 1/1, 308f, 309.

62

Id., 'Schnitt durch die Zeit', Die Erde, 1.10.1919, H. 18/19, in id, Texte bis 1933 I, 71-81, 76; vgl. auch id., 'Scham und Erziehung', Gegner, Juli 1931, H. 2, in id., Texte bis 1933, Bd. 2: Sieg Triumph Tabak mit Bohnen, Hrsg. Michael Erlhoff (M?nchen, 1982), 150-55,154.

63 Id. [Pseud. Panarchos], 'Zu Kommunismus und Anarchie', Der Einzige, 26.1.1919, H. 2, in id, Texte bis 1933 I, 27-30, 27.

64

Id, 'Schnitt durch die Zeit', 78. 65

Id, 'Individualistischer Anarchist und Diktatur', 43; vgl. id., 'Zu Kommunismus und Anarchie', 29f; id., 'Zur Weltrevolution', Die Erde, 15.6.1919, H. 12, in id., Texte bis

19331, 50-54, 51. 66

(22)

67 Id, 'Schnitt durch die Zeit', 72, 76. 68

Vgl. bereits id., '[Dada],Typoskript-Durchschlag vom 28.4.1918', in Z?chner, Scharf richter der b?rgerlichen Seele, 71; sowie ebenfalls id., '[Aber wir sind eine Horde von Menschenfressern], 69 Manuskript vom Oktober 1921', in ebd., 117.

Id., Texte bis 1933 1,208; als Beispiel f?r die verf?lschende redaktionelle Bearbeitung vgl. den Schlusssatz des 'Pamphlets' in id., Am Anfang war Dada, 77, mit der von Ruest modifizierten Fassung in Der Einzige, 20.4.1919, H. 14, in id., Texte bis 19331, 39-42,42.

70

Id., 'Schnitt durch die Zeit', 72,76; id., 'Der Geistige Proletarier',Menschen, 17.2.1919, H. 8, in id., Texte bis 1933 I, 31f.; id, 'Individualistischer Anarchist und Diktatur', 44;

id., 'Brief an Hermann Graf Keyserling vom 20.11.192 3 ', in Z?chner, Scharfrichter der b?rgerlichen Seele, 188-93,190,193; id., 'Der H?u?erbund bekommt 22 800 Stimmen!', Die Aktion, 24.5.1924, H. 9/10, in id., Texte bis 1933 II, 88-94, 92.

71

Id., 'Individualistischer Anarchist und Diktatur', 45. 72

Id., 'Alitterel?Delitterel?Sublitterel', Der Dada, Juni 1919, H. 1, in id., Texte bis 19331,551,55.

73

Id., 'Intellektualismus, Gesellschaft und Gemeinschaft', Die Aktion, 25.7.1923, H. 25/26, in id, Texte bis 1933 II, 76-84, 82.

74

Id., 'Der H?u?erbund bekommt 22 800 Stimmen!', 93. 75

Id., 'Pamphlet gegen die Weimarische Lebensauffassung [urspr. Fassung]', in id. Am Anfang war Dada, 74-77, 76f.; vgl. auch die Werbung f?r Hausmanns 'Pamphlet'

in Der Einzige, 13.4.1919, H. 13, auch in Bergius, Das Lachen Dadas, 119; vgl. ferner Raoul Hausmann, 'Dadaistische Abrechnung', Die Junge Kunst, 1.6.1919, in id., Texte

bisl933l,48f. 76

Hausmann, 'Dadaistische Abrechnung', 49. 77

Vgl. Bavaj, Von links gegen Weimar, insb. 163f., 168.

78 Raoul Hausmann, 'Die Psychologie der Politik, Typoskript vermutlich aus der Mitte der zwanziger Jahre', in Z?chner, Scharfrichter der b?rgerlichen Seele, 227-32, 230. 79

Id., 'Objektive Betrachtung der Rolle des Dadaismus', Der Kunsttopf, Okt. 1920, Nr. 4, in id., Texte bis 1933 I, 108-13, 11 Iff. 80

Id, 'Bilanz der Feierlichkeit', Die Erde, 1.10.1919, H. 18/19, 519f.; id, 'Dada ist mehr als Dada', De Stijl, M?rz 1921, H. 3, in id, Texte bis 1933 I, 166-71, 169. 81

Vgl. Bavaj, Von links gegen Weimar, 350-68, 387-97; id, '"Die bestehende Welt restlos mit Gewalt beseitigen"'.

82

Hausmann, 'Intellektualismus, Gesellschaft und Gemeinschaft', 82; vgl. auch [Franz W. Seiwert], 'Gemeinschaft und Gesellschaft, maschinenschriftliches Manuskript vom Beginn der zwanziger Jahre', in Uli Bohnen und Dirk Backes (Hrsg.), Der Schritt, der

einmal getan wurde, wird nicht zur?ckgenommen. Franz W Seiwert. Schrifien (Berlin, 1978), 72-75,74. Bemerkenswertist die weitgehende Kongruenz zwischen Hausmanns Aufsatz und einem unver?ffentlichten Manuskript aus dem Nachlass des linksradikalen K?nstlers Franz W. Seiwert. Hausmann und Seiwert begegneten sich 1922 auf Ausstellungen in D?sseldorf und Berlin und geh?rten beide dem Aktions-Kreis an. ?ber eine Mitauto

renschaft Seiwerts l?sst sich indes nur spekulieren. Vgl. die Anmerkung in ebd., 72. 83

Vgl. Bavaj, Von links gegen Weimar, 162-68. 84

Hausmann, 'Der H?u?erbund bekommt 22 800 Stimmen!', 92. 85

(23)

534 German Studies Review 31/3 (2008)

Hrsg. Sieglinde und Fritz Mierau (Werke 9/1) (Hamburg, 1996), 49f, 49. 86

Raoul Hausmann, 'Die Macht liegt auf der Stra?e', Die Aktion, 20.8.1921, H. 33/34, in id., Texte bis 1933 II, 19-23, 19f.

87

Vgl. Erich M?hsam, Die Einigung des revolution?ren Proletariats im Bolschewismus, im M?rz 1920 verfasst und in einzelnen Abschnitten in den Jahren 1921/22 in der Aktion

erschienen, unter Hinzuf?gung weiterer 1922 ebenda ver?ffentlichter, inhaltlich ver wandter Artikel zusammenh?ngend wiederabgedruckt in id., Streitschriften. Literarischer Nachlass, Hrsg. Christlieb Hirte (Berlin, 1985), 219-315.

88

Id., 'Max-H?lz-Marsch', in id, Revolution. Kampf-, Marsch- und Spottlieder (Berlin, 1925), auch in id. Ausgew?hlte Werke, Bd. 1, Hrsg. Christlieb Hirte unter Mitarbeit von Roland Links und Dieter Schiller (Berlin, 1978), 328-30 (verfasst 89 April 1920), 328.

Vgl. hier nur Rolf Selbmann, 'Zwischen Max Holz und Adolf Hitler. Kurt Tuchols ky, Ernst Toller und Die Weltb?hne\ in Stefan Neuhaus, Rolf Selbmann und Thorsten Unger (Hrsg.), Engagierte Literatur zwischen den Weltkriegen (W?rzburg, 2002), 131-40;

sowie Peter Giersich und Bernd Kramer, Max Holz. Sein Leben und sein Kampf '(Berlin, 2000). 90

Raoul Hausmann, 'Max Holz', Die Aktion, 30.7.1921, H. 29-32, in id., Texte bis 1933 II, 18.

91

Vgl. id.,Hurra!Hurra!Hurra! 12 Satiren (Berlin, 1921, eigentlich 1920); vgl. dazu auch Hermann K?rte, 'Ebert, Puffke und das "Kabarett zum Menschen". Raoul Hausmanns

Satiren 1918-1921', in Bartsch und Koch, Raoul Hausmann, 45-65; Karl Riha, 'Hurra! Hurra! Hurra! Raoul Hausmanns politische Satiren', in id., Kritik, Satire, Parodie. Ge

sammelte Aufs?tze (Opladen, 1992), 169-82.

92 Raoul Hausmann, 'I: Milit?rische Christus G.m.b.H., II: Mein Deutschland, III: Ein Schie?gewehr voll N?chstenliebe', Der Gegner, 1919, H. 10-12, 57-62; id, 'Christ

lich-Sozial-', Der Gegner, 1920/21, H. 1/2, 46-48, als Auszug auch in Die Pleite, Jan. 1920, Nr. 6; id., 'Ja, so sind die Deutschen nun mal', Der Gegner, 1920/21, H. 5, 129f.; id, 'ProthesenWirtschaft. Gedanken eines Kapp-Offiziers', Die Aktion, 27.11.1920, H. 47/48, Sp. 669f.; s?mtlich auch in id., Texte bis 1933 I, 118-33, 137f.; zum Gegner vgl.

insb. Adrien Turel, '"Der Gegner" und andere Kreise', in Lutz Schulenburg (Hrsg.) , Hommage ? Franz Jung. Der Torpedok?fer (Hamburg, 1988), 86-91.

93 Raoul Hausmann, 'Puffke beendet die Weltrevolution', Die Aktion, 25.6.1921, H. 25/26, in id, Texte bis 1933 II, 14-17, 15. 94

Id., 'PREsentismus. Gegen den Puffke?smus derTeutschen Seele', De Stijl, Sept. 1921, H. 9, in id, Texte bis 1933 II, 24-30; vgl. auch id., 'Puffke propagiert Proletkult', Die Aktion, 5.3.1921, H. 9/10, in id., Texte bis 1933 I, 161-65; id, 'Puffke und die erotische Kultur', Das Bordell, April 1921, in ebd., 176-78.

95 Erich Weinert [Pseud. Pius], 'Herr Piefke geht zur Verfassungsfeier', Der Landbote, 19.8.1928, Nr. 33, in id., Gesammelte Gedichte, Bd. 3, Hrsg. Deutsche Akademie der K?nste zu Berlin (Berlin und Weimar, 1972), 171 f.; id, 'Links ran!', in id, Affentheater. Politische Gedichte (Berlin-Sch?neberg, 1925), in id., Gesammelte Gedichte, Bd. 1, Hrsg. Deutsche Akademie der K?nste zu Berlin (Berlin und Weimar, 1970), 367f.

96

Vgl. zuletzt Uwe Fleckner, Carl Einstein und sein Jahrhundert. Fragmente einer intel lektuellen Biographie (Berlin, 2006).

(24)

Haarmann und Klaus Siebenhaar (Berlin, 1996), 37-42, 37; vgl. auch Der blutige Ernst, Nr. 6: eine Ausgabe, die fast ausschlie?lich von der stilisierten Spie?erfigur des ?Schul

ze" handelte. 99

Raoul Hausmann, 'Die neue Kunst. Betrachtungen (f?r Arbeiter)', Die Aktion, 14.5.1921, H. 19/20, in id., Texte bis 1933 I, 179-85, 184. Belege f?r Hausmanns lebensideologi

sches Denken sind ?brigens Legion: vgl. hier au?er den genannten vor allem id, 'Sieg Triumph Tabak mit Bohnen', Zenit, Nov. 1921,H. 9, in id, Texte bis 1933 II, 32-35; id, 'Wir sind nicht die Photographen', in ebd, 37-39 (zuerst 1921); id, 'Ausblick', in ebd, 95-100 (zuerst Juni 1924), 96, 100.

100 Carl Einstein, 'Absolute Kunst und absolute Politik. Aus der Einleitung f?r den Russischen Maler, Manuskript von 1921', Alternative 75 (Dez. 1970), 254-57.

101

Hausmann, 'PREsentismus. Gegen den Puffke'ismus der Teutschen Seele', 24f, 28, 30.

102 Zu Hausmanns ambivalentem Verh?ltnis zum konstruktivistischen

De Stijl-Zirkel vgl. Dawn Ades, 'Dada?Constructivism', in Dada?Constructivism. The Janus Face of

the Twenties (London, 1984), 33-45, 40f.; Matthew Gale, Dada & Surrealism (London und New York, 1997), 158-61; zu De Stijl im allgemeinen vgl. insb. Mildred Friedman

(Hrsg.), De Stijl 1917-31. Visions of Utopia (New York, 1982); Elsa Strietman, 'De Stijl. Style and Idea', in Edward Timms und Peter Collier (Hrsg.) , Visions and Blueprints. Avant-Garde Culture and Radical Politics in Early Twentieth-Century Europe (Manchester,

1988), 270-86.

103 Die Zeichnungen sind zusammengestellt in Raoul Hausmann. Ivam Centre Julio Gonzalez 10 Febrero / 24 Abril 1994 (Valencia, 1994), 66. 104

Vgl. Biro, 'Hausmann's Revolutionary Art'.

105 Richard Huelsenbeck, 'Schieber-Politik', Der blutige Ernst, 1919, Nr. 4, in Volker K?hn (Hrsg.) , Hoppla, wir beben. Kabarett einer gewissen Republik 1918-1933 (Berlin,

1988), 39. 106

Raoul Hausmann, 'Die Schieberger', Schall und Rauch, M?rz 1920, Nr. 4. 107

Vgl. etwa Benson, 'Mysticism', 52f.; Hanne Bergius, 'Dada grotesk', in Kort, Grotesk!, 137-47; Biro, 'Hausmann's 108 Revolutionary Art', 31, 33ff.

Raoul Hausmann, 'Lob des Konventionellen', Die Pille, 1922, H. 1/2, in id., Texte bis 1933 11,481,49. 109

K?rte, Die Dadaisten, 75. 110

Sloterdijk, Kritik der zynischen Vernunft II, 713. 111

Eine plausible Deutung liefert Z?chner, 'Erste Internationale Dada-Messe'. 112

Ades, 'Dada?Constructivism', 39.

113 'Offener Brief an die Novembergruppe', 63f.

114 'Manifest der Kommune', in Kliemann, Novembergruppe, 66 (zuerst M?rz 1922). 115 'Zweites Manifest

der Kommune', in Kliemann, Novembergruppe, 66-68 (zuerst 1922), 67.

116

Vgl. Bavaj, Von links gegen Weimar, 378-409. 117 Zu der rheinischen

Gruppe progressiver K?nstler und ihrer Zeitschrift a bis z vgl. H.U. Bohnen, Das Gesetz der Welt ist die ?nderung der Welt. Die rheinische Gruppe pro

gressiver 118 K?nstler (1918-1933) (Berlin, 1976), insb. 131-40, 149-61. Vgl. Bavaj, 'Linkskommunistischer "Gemeinschaftsrhythmus'", 115f. 119

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