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American Journal of Psychiatry, 1:355-362

MEYER veröffentlichte im „American Journal of Psychiatry“, Vol. 1, 1922, eine Rede, die er beim Jahrestreffen der „American Psychiatric Association“ gehalten hat. MEYER stellt eine kritische Betrachtung von Kraepelins Konzept der Schizophrenie und der Dichotomie an und vergleicht sie mit seiner eigenen klinischen Erfahrung. Letztendlich schlägt er vor, die manisch-depressive Erkrankung in „affective reaction group“ und Dementia praecox in Schizophrenie umzubenennen, um eine Unabhängigkeit von den Begriffsvorgaben der einzelnen Schulen zu erhalten. Eine Darstellung von Kraepelins Person rundet die Rede ab.

Kritik MEYERs an Kraepelins Konzept der Schizophrenie:

MEYER ist der Ansicht, daß Kraepelins Verlassen des Konzepts der „terminal dementia“ eine unausgereifte und hastige Reaktion mit nosologischen Methoden auf Ziehens Mangel an nosologischer Ambition war. Für MEYER ist keiner der erkennbaren Typen von Chronizität oder einer Verschlechterung ausgenommen:

"It is the impression of the speaker that Kraepelin´s obliteration of the concept of terminal dementia was a premature and hasty reaction with nosological methods to Ziehen´s lack of nosological ambition. None of the recognizable

types of psychotic reactions are wholly exempt from the possibility of chronicity or even a certain amount of deterioration."

Kritik MEYERs an der Kraepelinschen Dichotomie:

MEYER hatte Kraepelins Arbeitsmethoden bei Studienaufenthalten in Heidelberg kennengelernt und schreibt heute über deren Wertigkeit. Er glaubt, daß die prognostischen Überlegungen von Kraepelin für die klinische Arbeit zu unsicher sind und daß dynamische Formulierungen eher den Bedrüfnissen von Arzt und Patient gerecht würden als die formelle und vorbestimmende Dichotomie zwischen manisch-depressiver Erkrankung und Schizophrenie:

"I am, however, now inclined to think that safer clinical methods should be used than the largely prognostic considerations of Kraepelin, and that dynamic formulations come closer to the needs of both physician and patient than the formal and peremptory dichotomy claimed by those who see one of the two fates, either manic-depressive or dementia praecox."

Vorschlag MEYERs zur Begriffsänderung von manisch-depressiver Erkrkankung in „affective reaction group“ und von Dementia praecox in Schizophrenie:

Für MEYER muß noch viel aufklärerische Arbeit geleistet werden bezüglich Ätiologie, Terminologie und Prognose. Vorläufig schlägt er eine Änderung der umstrittenen Begriffe vor, die bezeugt, wie schwierig es offensichtlich war, allein bei Krankheitsbegriffen und Beschreibungen nicht sofort wieder in den Einflußbereich einer einzelnen Schule zu kommen. MEYER möchte die manisch- depressive Psychose in „affective reaction group“ und die Dementia praecox in Schizophrenie umbenennen. In der ersten Gruppe nennt er als Zusatz die Art und Anzahl der Zustände, in der zweiten Gruppe fügt er Übergangsformen, Progressivität und Verschlechterungstendenzen ein:

"For the time being I should like to propose that we abandon the prognostic factor as a nosological criterion, replace the term "manic-depressive" psychosis by affective reaction group, giving in each case the type and the number of the attacks and, wherever present, the admixtures; replace the term dementia praecox by schizophrenia for the full-fledged forms, recognize transition forms and specify the topical and formal characteristics, the episodic or protracted or progressive character, and the extent of any deterioration, if it is present. By doing this, we free ourselves from the nosological obsession of premature classification, without in the least slighting any actual gain either of Kraepelin or of any other investigator."

HENRI CLAUDE: Les psychoses paranoides“, 1925

L’Encéphale 20:137-149

Neben einem Fallbeispiel zur Paranoia definiert CLAUDE die Paranoia und ihre Unterformen und erklärt die Begriffsunterschiede bei verschiedenen Schulen. Danach stellt er Kraepelins System mit einer Beschreibung der Dementia paranoides und Bleulers Schizophrenie dar, gefolgt von einer Diskussion der Themen.

Kritik an der Dementia praecox:

Ausgehend von einer ausführlichen Darstellung der Kraepelinschen Dementia praecox vom paranoiden Typ weist CLAUDE darauf hin, daß die von Kraepelin beschriebenen Fälle ebenso gut als Hebephrenie bezeichnet werden können. Nach dem Zitieren klinischer Beispiele Kraepelins ist CLAUDE der Ansicht, daß die Abgrenzung zwischen paranoiden Formen der Dementia praecox und Hebephrenie

zu genau gezogen ist und daß die Grenzen zwischen Paraphrenie, Dementia praecox und Paranoia im Dunklen liegen:

"En résumé , ce groupe isolé par Kraepelin ne nous paraît pas justifié et il nous paraît difficile de diagnostiquer la paraphrénie systématisée de la paranoïa, d’autant plus que l’affectivité se trouve longtemps conservée dans les deux cas. (…). La délimination de ces formes de la paraphrénie nous semble trop subtile et nous estimons, avec Bornstein, que la classification de Kraepelin ne repose pas sur des caractères suffisamment differenciés et les limites entre la paraphrénie, la démence précoce et la paranoïa nous paraissent très obscures."

Zusammenfassend drückt CLAUDE schwere Vorbehalte gegen Kraepelins Einteilung aus und fordert die Erstellung einer Zwischengruppe von paranoiden Erkrankungen, die Elemente aus Paranoia und Dementia praecox enthält. Mit der Definition der Schizophrenie sei auch die Einordnung dieser Fälle leichter :

"Nous ne pouvons, en résumé, qu’apporter de sérieuses réserves aux différentes formes des paraphrénies kraepeliniennes et nous pensons qu’il convient de décrire, à côté de la paranoïa vraie, des maladies paranoïdes qui empruntent certains de leurs éléments à la paranoïa et d’autres à la démence précoce; d’autre part, nous estimons que la nosographie de ces états s’éclaire par la notion de la schizophrénie."

FERDINAND KEHRER: „Die Stellung von Hoches

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