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Bei den Luftangriffen vom Mai 1945 wurden Museum und Aquarium stark beschtidigt. Ebenso wie das Skelett des Anstaltsgebtiudes fiel es erst den sptiteren Sprengungen zum Opfer. Damit waren die kostharen, fiber mehr als ffinfzig Jahre mfihsam zusammengetra- genen Exponate ftir immer verloren. Teile der Bibliothek konnten gerettet werden.

Nach der Freigabe der InseI Helgoland ffir den Wiederaufbau (1952) plante man, die Biologische Anstalt an ihrem alten Standort neu zu errichten. Arthur Hagmeier erlebte nur noch den Anfang der Planung, seinem Nachfolger Adolf Bfickmann, 1953 zum Direktor ernannt, gelang es, die Plane umzusetzen. 1959 konnte die Meeresstation wiedererSffnet werden. Als Biologische Anstalt Helgoland hat sich die Institution seitdem zu einem der angesehensten meeresbiologischen Forschungsinstitute in der Welt entwickelt.

6. D o k u m e n t e n a n h a n g

Die nachfolgenden 11 Dokumente wurden hauptstichlich aus der umfangreichen Uber- lieferung dienstlichen Schriftgutes des PreuBischen Kultusministeriums ausgewtihlt. Es handelte sich um Schriftstficke, die in Vorbereitung der Anstaltsgrtindung entstanden und die die Wertungen der Verfasserin unterstreichen bzw. erg~nzen sollen. Sie sind als ,,Schreiben" ausgewiesen. Auch private Briefe aus dem NachlaB Althoffs mit dienstlichem Inhalt wurden einbezogen. Um sie von den offiziellen Schreiben zu unterscheiden, wurden sie als ,,Briefe" gekennzeichnet.

Die Dokumente sind chronologisch geordnet. Es handelt sich um wSrtliche Abschrif- ten, die zeitgemtiBe Orthographie und Grammatik wurden belassen und lediglich die Datumsangaben vereinheitlicht.

Obersicht fiber die aufgenommenen Dokumente:

1. E.. Ehlers an Kultusminister 28. 6. 1876 2. N. Pringsheim an F. Althoff 17, 7. 1890 3. Kultusminister Bosse an Wilhelm II. 18. 7. 1890 4. N. Pringsheim an F. Althoff 21. 7. 1890 5. Vorstand der Dt. Zoologischen 12.12. 1890

Gesellschaft an Wilhelm II.

6. V. Hensen an F. Althoff 6. 4. 1891 7. A. Dohrn an F. Althoff 7. 4. 1891 8. E. Ehlers an F. Althoff 18. 4. 1891 9. F. Heincke an F. Althoff 1: 7. 1891 10. Kaufvertrag zwischen dem 1. 6. 1891

Kultusministerium und dem Polizeisekretttr a. D :P. Botter

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D o k u m e n t Nr. 1

Schreiben E. Ehlers an Kuttusminister vom 28.6. 1876

Plan mit Vorschlag betr. Errichtung einer kleinen zoologischen Station an der Nord- see-Kilste

Euer Excellenz

erlaubt sich der ganz gehorsam Unterzeichnete in Folgendem einen Plan vorzulegen, der auf die Begrilndung einer kleinen zoologischen Beobachtungs- und Untersuchungs-Sta- tion an der deutschen Nordsee gerichtet ist; und urn die Genehmigung eines daran geknilpf- ten Vorschlages ganz ergebenst zu bitten.

Die Entwicklung, welche die zoologische Wissenschaft in Deutschland wtihrend der letzten Decenien genommen hat, ist nicht zum kleinsten Theile d a r a u f zurilckzufilhren, dass nach dem gewaltig wirkenden Beispiele und Vorgange von Johannes Milller die Unter- suchung der marinen Fauna alljtihrlich eine Reihe von Zoologen zu Arbeiten an die Mee- reskilste filhrte. Dass vorwiegend das Mittelmeer die deutschen Zoologen anzog, ist aus der reich entfaltenen und gegliederten Fauna dieses Meeresbeckens zu erkl~ren, die Zoologi- sche Station in Neapel, durch den Unternehmungsgeist und die Opferftihigkeit eines deut- schen Gelehrten entstanden, die kleinere v o n d e r 5sterreichischen Regierung in Triest gegrilndete zoologische Station haben seit der kurzen Zeit ihres Bestehens durch die leich- tere Beschaffung des Untersuchungs-Materials, durch die Beseitigung von Schwierigkei- ten und Unbequemlichkeiten, welche dem zu wissenschaftlichen Arbeiten ans Meer rei- senden Zoologen entgegentraten, sehr Erhebliches geleistet.

Viel weniger gfinstig als das Mittelmeer erschien von jeher den deutschen Zoologen das heimische Meer, die Nordsee, noch weniger die Ostsee; und nur wenn das entfernte Medi- terrangebiet nicht aufzusuchen war, wandte sich der deutsche Zoolog zur Nordsee; aber nicht deutscher Boden, sondern Helgoland oder die skandinavische Kilste gab ihm Orte ffir seine Untersuchungen. Die deutsche Nordseekilste kam allmtilig in den Ruf, filr zoologi- sche Untersuchungen steril zu sein; sie wurde selten besucht, und blieb in Folge dessen, was ihre marine F a u n a betrifft, verhtiltnismtissig unbekannt. - In der That sind die Ver- htiltnisse derartig, dass aufHelgoland und an der skandinavischen Kilste der klippigfelsige Strand zahlreichen Thieren Gelegenheit zu solcher Ansiedelung giebt, dass sie leicht erbeu- tet werden k6nnen; was in der Weise am sandigen Dilnenstrande der deutschen Kilste nicht so leicht der Fall ist. Andererseits hat sich - das gilt besonders filr Helgoland - durch den htiufigen Besuch von Zoologen und deren Nachfrage nach Meeresthieren unter den Fischern hier und da einer so herangebildet, dass er die auch nicht unmittelbar filr den Markt zu verwerthenden Thiere kennt und zu fangen weiss - zu grossem Gewinn filr den Zoologen, der seine meist knapp bemessenen Zeit nicht selbst mit dem Sammeln und Fang der Thiere zu verbringen braucht.

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Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass unsere Kilste keineswegs faunistisch so arm ist, als sie gew6hnlich geschildert wird, dass wohl angeleitete Fischer mit kleinen Schleppnetzen an den richtigen Orten ein sehr brauchbares Untersuchungsmaterial beschaffen k6nnen, vor Allem aber auch, dass das faunistische Verhalten der Ktiste sowohl in Bezug auf die Meereskilste, wie auf die Warren, wie schliesslich auf die sehr interessan- ten Brackwassergebiete noch durchaus ungenilgend bekannt ist. Aber auch das trat mir entgegen, dass sowohl filr die LSsung der mannigfaltig hier vorliegenden Probleme, wie filr die Thtitigkeit eines Zoologen, sei es dass er auf ltingeren Ferienausflilgen seine Schiller in die Kenntniss der Thierwelt des Meeres einfilhren, oder eigene Untersuchungen betreiben will, die Errichtung einer kleinen zoologischen Station yon grSsstem Werte sein wiirde. Der seiner Studien wegen ans Meet reisende Zoolog trifft in der Regel zuntichst grosse Schwie- rigkeiten darin, ein Local zu finden, welches sich filr kurze Zeit zu einem nothdilrftig ein- gerichteten Laboratorium eigne, ist am meisten belastet durch den Transport yon Fangap- paraten wie Schleppnetzen etc. yon grSsseren Geftissen zur Unterbringung der erbeuteten Thiere, kleinen Aquariums-Apparaten, so wie einer Anzahl ungern nur dem Geptick beige- ftigten Reagentien. Ihm wtirde es eine grosse Erleichterung gewtihren, derartige Dinge an einem Orte der Ktiste ftir seinen Gebrauch vorrtithig zu finden, zumal wenn dort gleich- zeitig ein mit dem Vorkommen und dem Fang der ihn etwa interessierenden Thiere ver- trauter Fischer zur Verfilgung stehen kSnnte.

Besitzt das Mittelmeer in Neapel und Triest zwei derartige Orte, so fehlt der Nord- seektiste ein solcher voUst~ndig. Nun bin ich keineswegs der Ansicht, dass es erforderlich sei, mit grossem Aufwande eine der neapolitanischen Station gleichkommende zoologische Station zu errichten, oder einer der Mittelmeer-Stationen Concurrenz zu bereiten; glaube vielmehr, dass mit geringen Mitteln schon Vorkehrungen zu treffen sind, welche dem Zoo- logen, welcher zur Anstellung eigner Untersuchungen oder zur Belehrung eigner Untersu- chungen oder zur Belehrung seiner Schiller an die Nordsee reist, yon grossem Vortheil sein wtirden. Handelt es sich dann um die WahI des Ortes filr die Errichtung einer derartigen Station, so wilrde man jeden Zweifels ilberhoben sein, wenn Helgoland im preussischen oder deutschen Besitz wtire. Da abet und so lange das nicht der Fall ist, kann m a n nur an eine der friesischen Insetn denken, welche einen entschiedenen Vorzug vor Wilhelmshafen, auf welches sich gleichfalls meine Aufmerksamkeit richtete, besitzen. Und hier steht mir in erster Linie Norderney, nicht etwa Borkum, Baltrum Langeoog oder Spiekeroog die einen ungiinstigeren Strand htitten, sondern zumal, weil dem Vernehmen nach in dem Gebtiude der Badedirection auf Norderney m6glicherweise Rtiume filr ein kleines zoologi- sches Laboratorium disponihel gemacht werden k6nnten.

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Das wfirde das michste, vielleicht leicht erreichbare Ziel sein; aber zu gleich ein Aus- gangspunkt ffir eine weitere Entwicklung. Unschwer wfirde sich hieraus eine zoologische Beobachtungsstation bilden lassen, welche ffir die Erkenntnis des Wechsels in der Zusam- mensetzung der Gesammtfauna w~ihrend des Laufes des Jahres viel wfirde leiten k6nnen. Unsere friesischen Inseln sind ffir den Beobachter die gfinstigsten Punkte, um Daten fiber die Zeiten des regelm~13igen Wanderzuges unserer VSgel zu sammeln; wichtiger a b e r noch und von unmittelbarer praktischer Bedeutung dfirfte es sein, Aufzeichnungen fiber die Wanderungen der haupts~ichlich auf der Hochseefischerei erbeuteten Fischer in der Weise Beobachtungen anstellen zu lassen, dass die Temperaturen des Meerwassers mit der Zeit des Kommens und Gehens der Fische auf bestimmten Grfinden zusammen- gestellt wfirden. Jetzt fahren unsere Fischer zu gewissen Zeiten des J a h r e s aus und versuchen auf gut Glfick, ob die Schellfische, Dorsche etc. auf ihren Fischerei- grfinden eingetroffen sind. Mir machen verschiedene Wahrnehmungen es wahrscheinlich, dass das Kommen und Gehen dieser Fische zum Theil durch bestimmte Temperatur- grade des Meerwassers bedingt wird, und dass, sind diese einmal ermittelt, die Berfick- sichtigung des Thermometers dem Fischer sagen wird, w a n n e r auf seinen benachbarten Fischereigrfinden auf Fang rechnen darf. Wie hier eine Beobachtungsstation viel leisten kSnnnte, dtirften auf ihr andererseits mannigfaltige Erfahrungen zu sammeln sein, mit welchen Geheimnissen aus dem Leben unserer wandernden Flussfische aufzuhellen sind.

Vielleicht wird auch die Verwaltung des Bades Norderney ein gewisses Interesse daran finden, wenn im Anschluss an eine zoologische Station und von dieser aus eine die Fauna der Insel und des Meeres vorffihrende Sammlung aufgestellt und dem Publicum zur Beleh- rung wie zur Unterhaltung ge6ffnet wfirde. Das aber sind ferner liegende Aufgaben, mit denen die Frage in Anregung gebracht wfirde, wie welt ein Fachmann, etwa ein junger Zoo- logie treibender Gelehrter, wenigstens ffir einen Theil des Jahres gegen eine Remuneration an der Station zu besch~iftigen sei.

Halte ich zun~chst den Kern und Ausgangspunkt der Sache, die Anlage einer kleinen zoologischen Station a u f einer der friesischen Inseln fest, so wfirde ich sehr g e m bereit sein falls Eure Excellenz dem Plane Beifall nicht versagt, ftir die Ausftihrung desselben detaillierte Entwfirfe und Kostenanschl~ige aufzustellen u n d in Vorlage zu bringen. Um das aber auszuffihren, wfirde ich allerdings vorher an Ort und Stelle noch genaueste Informationen mir zu holen haben, ob nicht doch etwa Borkum oder Spiekeroog d e n Vorzug vor Norderney verdiene, und wenn, woran ich nicht zweifle, a u f das letztere die Wahl fallen mfisste, in wie weit dann mit den dort gegebenen Verh~iltnissen zu arbei- ten sei.

Ich bin gerne bereit, zu dem Zwecke in den bevorstehenden Herbstferien nach Nor- derney zu reisen, dann aber wfirde es hier im h6chsten Gerade willkommen sein, bei den dortigen massgebenden Beh6rden als zu derartigen Informationen erm~ichtigt eingeffihrt zu werden. Und so erlaube ich mir ganz gehorsamst die Bitte und den Vorschlag vorzutra- gen:

Eure Excellenz wolle ffir den Fall, dass der Plan der Begrfindung einer kleinen zoolo- gischen Station an der Nordsee-Kfiste im Allgemeinen ihren Beifall findet, anzuordnen geruhen, dass ich zu dementsprechenden im Laufe der bevorstehenden Herbstferien ein- zuziehende Informationen auf Norderney, event, a u f den Nachbarinseln erm~ichtigt und den dortigen BehSrden zur Unterstfitzung meines Vorhabens empfohlen werde.

Eurer Excellenz ganz gehorsam ergebener Dr. E. Ehlers

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GStA PreuBischer Kulturbesitz, Rep. 76 Vc. Sekt. 1 Tit. XI, Generalia, Wissenschafts- sachen, wissenschaftliche Sachen, Teil II, Nr. 11, Vorschl/ige zur Stiftung biologisch-zoolo- gischer Stationen, Juli (1876-79), B1. 1-5v

D o k u m e n t Nr. 2

N. Pringsheim an F. Althoffvom 17.7. 1890

In der Angelegenheit der Helgol/inder Station h a t sich bereits gestern Abend eine Com- mission gebildet, die die Sache in die H a n d genommen und berathen hat. Die Commission bestand zun/ichst aus den Zoologen Schultze, MSbius, Waldeyer, Hertwig; aus dem Bota- niker H e r r n Schwendener und mir und dem Physiologen Munk. Einige andere Herren, die sich fiir die Errichtung der Station in Helgoland gleichfalls interessieren, wie Du Bois, Eich- ler waren zur Zeit verhindert, stimmen aber bei fiber die wesentlichen Puncte der Einrich- tung, die n/ichste vorliegende Aufgabe, die nSthigen Mittel und die sachlich zu stellenden Forderungen sind wir einig geworden. Die Vorschl/ige gehen dahin die Station nicht auf Zoologie zu beschr/inken, sondern ihr einen Botanik, Physiologie einschlieBenden Umfang zu geben und wir schlagen deshalb den Namen biologische Station a n s t a t t zoologische Sta- tion vor. Unser Wunsch geht dahin, dass die Station ein unmittelbares unter dem Preussi- schen Ministerium stehendes staatliches Institut werde mit einem Director und einigen Unterdirectoren resp. Abteilungsdirigenten fiir Zoologie, Botanik und Physiologie. Wir wfinschten aber zugleich, dass unserer hiesigen Academie in/ihnlicher Weise etwas, wie bei dem archaeologischen Institut in Rom und Athen etc. eine Art Oberaufsicht fiber die wissenschaftliche Th/itigkeit einger/iumt werde.

Wir sind bereits mit der Ausarbeitung des Berichts an das vorgeordnete Ministerium besch/iftigt. Derselbe soll in den n~ichsten Tagen nochmals yon einer engeren Commission bei mir durchgesehen werden und dann sofort in das Ministerium abgehen, so dass ich hoffe, dass er in etwa 8-10 Tagen in Ihren Handen sein wird.

Mit vorziiglicher Hochachtung Ihr ganz ergebener

Pringsheim

GStA PreuBischer Kulturbesitz, Rep. 76 Vc. Sekt.1 Tit. XI, Generalia, Wissenschafts- sachen, Wissenschaftliche Sachen, Teil II, Nr. 10, Die Biologische Anstalt auf Helgoland, Bd. 1 (1890-92), B1.3-4

D o k u m e n t Nr. 3

Schreiben yon Kultusminister GoBler an Wilhelm II., gleichzeitig an AuBenminister Caprivi, vom 18.7. 1890

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des Meeres zu haben. Dazu ist aber die deutsche Nordseekfiste wegen ihres flachen und sandigen, an Thieren und Pflanzen armen Strandes und der ein durchaus eintSniges orga- nisches Leben aufweisenden Wattenbildung nicht geeignet. Dagegen bietet Helgoland hierzu die gfinstigsten Verh~iltnisse. Sowohl die steil ins Meer abfallende Wand der Insel selbst und der bei Ebbe theilweise frei liegende benachbarte Strand, als auch der tiefere theils faltige theils sandige Meeresboden der Umgebung beherbergen ein sehr reiches und mannigfaltiges Thief- und Pflanzenleben. Die im Meere schwimmenden oder freitreiben- den Thiere und Algen werden gerade dort der wachsenden StrSmungen wegen besonders leicht vom Fangnetze des Naturforschers erreicht. Zum Herbeischaffen des Arbeitsmateri- als sind gefibte Fischer jederzeit vorhanden. Mit Rficksicht auf diese aufterordentliche Gunst der Verh~ltnisse hat schon vor J a h r e n die Naturforscher-Versammlung den Plan zur Grfindung einer biologischen Station a u f Helgoland unter allseitiger Zustimmung in Aus- sicht genommen. Auch die hiesige Akademie der Wissenschaften hat der Angelegenheit unausgesetzt ihr lebhaftes Interesse gewidmet. Bisher ist dieselbe aber in Folge der politi- schen Verhfiltnisse Helgolands nicht v o n d e r Stelle gertickt. Erst mit der Wiedererwerbung des altfriesischen Eilandes erscheint die Vorbedingung ffir die weitere Verfolgung und Durchffihrung des Planes gegeben.

Wenn Euere Kaiserliche und KSnigliche Majest~t Allergnfidigst gestatten werde ich nicht verfehlen, der Sache meine besondere Aufmerksamkeit zu widmen und fiber die wei- tere Entwickelung derselben baldmSglichst Vortrag zu halten.

Goftler

Aktenvermerk von Molde vom 24. 8. 1890 : Einverstanden, interessiere mich sehr daffir.

GStA Preuftischer Kulturbesitz, Rep. 89 H, KSnigliches Geheimes Civil-Cabinet, betr. die wissenschaftlichen Anstalten und Sammlungen a u f Helgoland, Nr. 21326, B1. 1

D o k u m e n t Nr. 4

Schreiben N. Pringsheim an F. Althoffvom 21.7. 1890

Hochgeehrter H e r r Geheimrath!

In der Helgolgnder Angelegenheit verfehle ich nicht, weiter mitzutheilen, dab der Bericht fiber Grfindung einer biologischen Station auf der Insel bereits fertig redigiert und revidirt ist. Es sind nur noch einige Formalien zu *) und so hoffe ich, dab derselbe bestimmt schon in den n~ichsten Tagen im Ministerium eingehen wird. Zur n~iheren Orientirung erlaube ich mir vorlaufig noch Folgendes hinzuzuffigen. Es war ein l~ngst gefiihltes Bedfirf- niss der deutschen Botaniker und Zoologen an einem Punkt der deutschen Ktiste eine ,Bio- logische Station" zu errichten, denn es war ein allgemein a n e r k a n n t e r Ubelstand, daft die derzeitig vorhandenen ~hnlichen Institute, die fibrigens tells schon ihrem Ursprunge und ihrem Umfange nach den Bedtirfnissen der Wissenschaft nicht voll und allseitig genfigen kSnnen, in fiberwiegender Anzahl an sfidlichen und tropischen Meeren gelegen sind. Die Kenntnis der eigenartigen F a u n a und Flora der nSrdlichen Meere, namentlich der Nord- und Ostsee und ganz besonders die unserer deutschen Kfisten, die u n s e r e m Interesse j a doch am allern~ichsten liegt, musste hierdurch nothwendig leiden.

Unter allen Punkten der deutschen Kfiste nun, die m a n w/ihlen kSnnte - darfiber sind Zoologen und Botaniker einig, ist Helgoland weitaus der geeigneteste, sogar der einzig pas-

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sende Ort ftir die Grtindung einer biologischen Station. Helgoland bietet Vorztige, welche die gedeihliche Entwickelung eines derartigen Institutes, wenn es Staatsinstitut ist, in vollem Maasse verbtirgen, und die sich an keinem Puncte der deutschen Ktiste wiederfin- den. Ein Reichthum der Meeresformen an Thieren und Pfianzen, und eine Bequemlichkeit der Untersuchung ihrer normalen Lebensverh~ltnisse, wie sie Helgoland dem Naturfor- scher bietet, findet sich sonst nirgends an den deutschen Nord- und Ostseektisten.

Die Ostsee zuntichst ist bei der Wahl eines Ortes ftir die Station ganz auszuschei- den.Vom Standpunct der Biologie erscheint die Ostsee mehr wie ein Brack-Wasserbecken, sowohl beztiglich der Menge als der Ausbildung der Organismen, die sie enthtilt, und aufier- dem besitzt sie keine Ebbe und Fluth, wenigstens keine solche, die ftir die biologische For- schung in Betracht kommt. In dem Vorhandensein von Ebbe und Fluth liegt auch der grofe Vortheil, den eine Station an der Nordsee von einer solchen an den westlichen Ktisten von Italien, z. B. vor der in Neapel voraus hat.

An der Nordsee nun bieten mit Ausnahme von Helgoland, welche jetzt deutsch wird, stimmtliche Puncte der deutschen Ktiste, an die m a n denken kSnnte, n u r sandige Ufer, keine Klippen dar. Hierin liegt ein ungemeiner Nachtheil, denn gerade an und zwischen den Klippen finden sich die vorztiglichsten und reichsten Fundsttitten ftir Pflanzen und Thiere.

Helgoland bietet in dieser Beziehung beides, Klippen und Sanddtinen. Die Standorte der Pflanzen und Tiere finden sich bier gewissermafen vor der Thtir des Beobachters und die mtichtige Ebbe und Fluth aufHelgoland ermtiglicht es zugleich Pflanzen und Thiere tfig- lich unter ihren normalsten Lebensbedingungen, in den zahlreichen, zur Ebbezeit zurtick- bleibenden, seichteren und tieferen Wasserrinnen und Wasserbecken zwischen den Klip- pen vor jedem stSrenden Eingriffe geschiitzt zu beobachten und das ntithige Untersu- chungsmaterial in seiner vollkommensten und besten Erhaltung zu sammeln.

Ich selbst habe mich mehrere J a h r e meines Lebens monatelang in Helgoland botani- schen Studien hingegeben und kann nach eigener Erfahrung an verschiedenen Meeren ver- sichern, daft tihnlich gtinstige Verh~ltnisse, wie in Helgoland, sich nur noch an der westli- chert franzSsischen und englischen Ktiste und vielteicht in Norwegen wiederfinden. Ein deutsches biologisches Staatsinstitut auf Helgoland, wie es jetzt geplant wird, welches sich nicht nur die Systematik und Morphologie der Meeresorganismen, sondern auch ihre Lebensbedingungen und physiologischen Vorgtinge zur Aufgabe macht, wtirde nicht nur der allgemeinen Wissenschaft tiberhaupt und insbesondere der deutschen Wisssenschaft die grSssten Dienste erweisen, sondern auch ftir alle practischen sich anschliei~enden Fra- g e n d e r Ktistenfischerei und der Nutzanwendung der Meeres-Pflanzen und Thiere yon nachhaltigem Nutzen werden.

In vorztiglichster Verehrung Ihr ganz ergebenster gez. Pringsheim (Abschrift)

*) in der Abschrift fehlt hier ein Wort (d.V.)

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D o k u m e n t Nr. 5

Schreiben des Vorstandes der Deutschen Zoologischen Gesellschaft vom 12. 12. 1890 an Wilhelm II., eingereicht fiber den Kultusminister

Allerunterth/inigster groBm/ichtigster Kaiser und KSnig, allergn~digster K6nig und Herr!

Kaiser,

Als vor wenig Monden durch die deutschen Lande die Kunde drang, dab Eur. Kaiser- liche und KSnigliche Majest/it dem Vaterlande mit dem Erwerbe Helgolands ein zwar nicht umfangreiches aber sehr bedeutendes Gebiet zugeffihrt habe, da gesellte sich zu dem geho- benen patriotischen Geffihle, welches Aller Herzen erffillte, in immer engerem Kreise deut- scher Manner die Hoffnung, es m6chte der neue Besitz nicht bloB unsere K~isten sichern und den nationalen Wohlstand mehren, sondern auch der deutschen Wissenschaft eine St~tte bieten, an welcher sie die Sch~tze des Meeres heben und durch deren Erforschung neue Erfolge den bisher errungenen hinzuffigen k6nnte.

Schon frfiher ist mehrfach und an verschiedenen Stellen von deutschen Gelehrten, Zoo- logen und Botanikern dem Wunsche nach Errichtung einer biologischen Station auf Hel- goland Ausdruck gegeben worden; doch so berechtigt dieser Wunsch an sich auch war, den damaligen Verh~iltnissen gegenfiber muBte er unerfflillt bleiben.

Heute nun wagt es der Vorstand der der Deutschen Zoologischen Gesellschaft aller- untert~nigst vor Eur. Kaiserlichen und K6niglichen Majest/it Ihren im Namen und Auftrag seiner Gesellschaft, deren Mitglieder allen L~indern deutscher Zunge angehSren, die ehrer- bietigst ausgesprochene Bitte niederzulegen, Eur. Kaiserliche und KSnigliche Majest/it wolle huldvollst geruhen, auf der jetzt deutschen Insel Helgoland eine deutsche biologische Station ins Leben zu rufen. Die biologischen Wissenschaften dfirfen sich rtihmen, in den letzten Decennien dem Erfahrungsbereiche des menschlichen Wissens groBe und uner- wartete Bereicherungen zugebracht zu haben. In den weitesten Kreisen des Volkes haben sie Interesse und Theilnahme gefunden, nicht bloB, well die erworbenen Erfahrungen und Kenntnisse vietfach von unmittelbarer Bedeutung ffir das materielle Wohl der Menschheit waren, sondern auch dadurch, dab die Anschauungen fiber die Grundlagen des Lebens und dessen mannigfaltige Erscheinungsformen nach den wirtschaftlichen Richtungen hin ffir sich erweiterten.

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zu suchen gelernt, viele Schfitze bergen, aber die Lehrer an unseren Hochschulen empfan- den es schmerzlich, daft sie fast aul~er Stande waren, ihre Schiller unmittelbar in das Stu- dium heimischer Meeresschatze einzufUhren. Nur wenigen begilterten Studierenden war es mSglich, ihre wissenschaftlichen Kenntnisse aus eigener Anschauung am Mittelmeer zu erweitern. Und doch ragte vor der deutschen Kiiste ein Felseiland empor, dessert Ufer und Umgebung einer Thier- und Pfianzenwelt von einer FUlle aufwies, wie das Mittelmeer sie in mancher Hinsicht nicht reicher darbietet. Fast besch~mend war es filr uns, zu sehen, wie andere an die Nordsee grenzende Staaten, Deutschlands Nachbarn, an ihren Kilsten zoo- logische Stationen errichteten, und zwar nicht nur die grSBeren Nationen, wie England und Frankreich, sondern auch Holland und die skandinavischen L~inder, w~ihrend an der lang gestreckten deutschen NordseekUste kein ~ihnliches HUlfsmittel geboten war. Wohl hat es, wie schon Eingangs angedeutet, nicht an Versuchen gefehlt, diesem Mangel abzuhelfen: die KSniglich PreuBische Staatsregierung hatte Erhebungen uiber die Anlage einer Zoologi- schen Station auf einer der friesischen Inseln anstellen lassen; auf der Naturforscherver- sammlung zu Hamburg war im Jahre 1876 ernstlich der Plan behandelt, auf Helgoland eine zoologische Station ins Leben zu rufen, selbst Privatleute waren der Ausfilhrung die- ses Gedankens nahe getreten. Alle diese Erwartungen aber scheiterten daran, dab man Abstand nahm, auf der deutschen Insel in englischem Besitz eine deutsche Station zu errichten. Nun hat Eure Kaiserliche und KSnigliche Majest~it dem deutschen Lande diese Insel zugefUgt, die, wie ein StUtzpunkt fur Deutschlands Wehrhaftigkeit, so auch ein vor- treffiicher Boden fur die F6rderung deutscher Wissenschaft ist. Was lange von deutschen Mannern erhofft, nun ist es erreicht, Helgoland ist deutsch geworden. Was die deutsche Wissenschaft fur Arbeit und Lehre oft gewUnscht, die Errichtung einer biologischen Sta- tion auf Helgoland, ist nun durch Eure Kaiserliche und KSnigliche Majest~it denkwilrdige That erm6glicht geworden.

So nahen wir uns vertrauensvoll und zuversichtlich dem Thron Eur. Kaiserlichen und K6niglichen Majestat und bitten alleruntert~inigst, Eur. Kaiserliche und KSnigliche Maje- stat wolle huldvoll geruhen, die Teilnahme filr alle Kunst und Wissenschaft welche wir als ein ErbstUck der Hohenzollern in Eur. Kaiserlichen und KSniglichen Majest~t verehren und gr~t~en, einer a u f d e r Insel Helgoland zu errichtenden Biologischen Station zuzuwen- den, auf dab diese, gleich der filteren Schwesteranstalt in Neapel - dieser ungehemmten Fortentwicklung von grSBter Bedeutung ffir unsere Wissenschaft ist - den Lehrenden und Lernenden eine wohnliche Statte und breite HUlfsmittel biete, um die KenntniB des Mee- res und seiner Sch~itze zu f6rdern und immer weiteren Kreisen unseres Volkes zug~inglich zu machen. Dort wird sich neben der rein wissenschaftlichen Zielen nachstrebender For- schung dann auf die zu immer hSherer Bedeutung gelangende Th~itigkeit entfalten kSnnen, welche, auf jene gestiltzt, das Meer in 5konomischer, gewerblicher und kaufmfinnischer Einsicht einen der reichsten, allein nicht unerschSpflichen, sondern nur bei rationeller Bewirtschaftung dauernd fruchtbringenden Theile des Naturhaushaltes kennen und nutz- bar machen lehrt.

In grSBter Ehrerbietung und treuester Ergebenheit verharrt Eur. Kaiserlichen und KSniglichen Majest~it allerunterth~inigster und gehorsamster

Vorstand der Deutschen Zoologischen Gesellschaft Dr. Rudolf Leuckart

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Dr. O. Biitschli

Professor in Heidelberg Dr. E. Ehlers

Professor in G6ttingen

GStA PreuBischer Kulturbesitz, Rep. 76 Vc. Sekt. 1 Tit. XI, Generalia, Wissenschafts- sachen, wissenschaftliche Sachen, Teil II, Nr. 11, Die Vorschl~ige zur Stiftung biologisch- zoologischer Stationen (1876-1919), B1. 168-71

D o k u m e n t Nr. 6

Schreiben V. Hensen an F. Althoff vom 6 . 4 . 1891

Bearbeitungsvermerk Althoff: Ehrerbietigst vorgelegt. Betrifft die Biologische Station in Helgoland.

Mit Brandt in Ubereinstimmung habe ich auf Ihre Fragen Folgendes zu berichten. I.) I m Interesse des Gedeihens der Helgol~inder Station dtirfte es liegen, zun~ichst die biologischen Fragen, soweit sie am n~ichsten mit der praktischen Fischerei Ffihlung haben, in den Vordergrund treten zu lassen. Dasjenige, was sich an Mitteln und Einrichtungen im Interesse der Fischerei relativ leicht wird beschaffen lassen, geht den rein wissenschaftli- chen Studien nicht verloren, sondern wird auch ihnen nfitzen. Dieser Satz l~iftt sich nicht umkehren, auBerdem steht Neapel ffir wissenschaftliche Studien doch i m m e r voran. Aus diesen Griinden meinen wir, dab die Leitung zun~ichst dem Fischereisachverst~indigen, naturwissenschaftlich gebildeten Abteilungsdirigenten zufallen sollte, ohne der Zukunft zu pr~igravieren.

2.) Die Personen-Frage, v o n d e r freilich sehr viel abh~ngt, ist eine so schwierige, dab ich mir das Recht vorbehalten muB, zu behaupten, unser gesammtkundiger Althoff allein habe die Schuld, wenn etwas auf meinen Rath hin schiefgehen sollte.

Eisig, nach welchem Sie fragen, ist etwa 45 J a h r e alt, Badener, ob Einwanderer aus Pal~istina ist zweifelhaft. Er hat namentIich gr6Bere Arbeiten fiber die Wtirmer des Golfs von Neapel geliefert, die sehr gut sind. Wir kennen ihn pers6nlich, er ist liebenswiirdig und bereitwillig, aber wir glauben nicht, dab er die Energie und Gewandtheit hat, welche die Stellung bei der werdenden Station erfordert, auch wird er sich, meines Erachtens, nie ffir HeIgoland begeistern kSnnen, nachdem er so lange in dem viel reicheren Neapel gewesen ist; das geht thats~ichlich fiber menschliche Kr~ifte.

Ftir die Fischerei k o m m t wohl Dr. Friedrich Heincke, etwa so alt wie Eisig, Mecklen- burger, jetzt in Oldenburg Lehrer, in Betracht; ich denke, dab Sie ihn etwas kennen. Ich m a g ihn ganz gem, er ist ohne Zweifel der gegebene wissenschaftliche Repr~isentant der Fischerei-Interessen an der Station u n d e r hat durchaus wissenschaftlichen Sinn, Was ihm fehlt ist dies, dab er nicht den Eindruck macht, in seinem Fach ersten Ranges zu sein. Andere machen solchen Eindruck jedenfalls viel leichter, oft wohl mit weniger Recht. Er h a t die Fische in: Martin, die Naturgeschichte der Fische, geschrieben und sehr gut geschrieben, auBerdem viele Arbeiten fiber den Hering in den Berichten der Ministerial- Kommission zur Untersuchung der deutschen Meere, Die Gobiidae und Syngnathiden der Ostsee, nebst biographischen Bemerkungen im Archly ffir Naturgeschichte 36. J a h r g a n g Bd. I. Die nutzbaren Fische der nordischen Meere, erster J a h r g a n g der Zeitschrift: H u m -

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boldt, auch separat. Fauna des Wassers und seine Schrtze in Spamer, Buch der Erfindun- gen. Ferner Untersuchungen fiber die Stichlinge in Oeversigt af K. Wetenskaps FSrhand- tinaa, Stockholm 1889.

Augenblicklich schreibt er an seinem groBen Heringswerk. Er hat die Redaktion der Mitteilungen der Station ffir Hoch- und Ktistenfischerei und ist Direktor der Gesellschaft. Eine Stellung unter dem anderen Abteilungsdirigenten kSnnte er wohl nicht annehmen. Ich sehe fibrigens nicht ein, weshalb nicht, abgesehen yon der ersten Zeit, die beiden Diri- genten J a h r um J a h r wechseln kSnnten. Man kann nicht ewig auf Helgoland sitzen, ver- treten mtissen sie sich doch.

Neben und nach Heincke wiirde noch Dr. Ehrenbaum (Ernst) aus Perleberg, 29 Jahre, ffir die praktische Seite in Betracht kommen. Arbeiten sind: Untersuehung ( ~ e r die Struk- tur und Bildung der Schale von Muscheln, Diss. Kiel 1884. Zur Naturgeschichte von Crangon vulgaris, Studien, im Auftrage der Section gemacht. Berlin, 1890, Moeser. Er arbeitet in der letzten Zeit bei Herrn Herwig. Ist tfichtig und macht einen gebildeten Ein- druck.

Ffir die andere Seite nennt Brandt in erster Linie Herrn Dr. Korschelt, Assistent bei Schulze und Dozent in Berlin. Er hrlt ihn in jeder Beziehung ffir geeignet. Ich habe kein Urtheil fiber ihn, kann auch augenblicklich nicht seine Schriften angeben. Ferner scheint mir zu nennen, Dr. Hamann in GSttingen, der ein guter Histologe ist und sich namentlich mit Seesternen und rhnlichen Tieren beschrftigt hat. 5 z. Zth. grSl]ere Arbeiten, ferner: Urkeimzellen im Thierreich .... die Lemniskoten der Nematoden (Fadenwfirmer), ferner: fiber die Entstehung der Keimblrtter. Er macht persSnlich einen guten und energischen Eindruck. Ferner krme unser Dr. Dahl in Betracht. An Energie, Opferfreudigkeit und zoo- logischem K(innen l~iBt er nichts zu wiinschen fibrig, auBerdem ist er ein richter Sammler. Er hat aber zur Zeit noch einige Wunderlichkeiten und Schwrehen nicht ganz abgelegt, die z. Th. in seinen stark spekulativen Anfrnger-Arbeiten hervorgetreten sind, so da]~ seine Wahl vielleicht AnstoB erregen kSnnte. Ferner: VanhSffen in KSnigsberg geht wohl nrch- stes J a h r nach GrSnland, dann Dr. Brandes, Halle, Dr. Plate, Marburg, alles wohl ganz tfichtige Herren, etwa 30 bis 32 Jahre alt, dieselben wfirden aber Herrn Korschelt und Hamann gegenfiber nur in zweiter Linie in Betracht kommen fiber alle diese Herren wfir- den wir Ihnen, wenn Sie wfinschen sollten, noch Personal-Notizen zugehen lassen kSnnen, ich bitte dann nur um Nachricht. Dies augenblicklich zu tun, wfirde mein Schreiben zu sehr verzSgert haben, das ohnehin wohl die heutige Post nicht mehr mitnehmen wird.

g e n s e n

GStA PreuBischer Kulturbesitz, Rep. 76 Vc. Sekt.1 Tit. XI, Generalia, Wissenschafts- sachen. Wissenschaftliche Sachen, Teil II, Nr. 10, Die Biologische Anstalt auf Helgoland, Bd. 1 (1890-92), B1. 1-4

D o k u m e n t Nr. 7 BriefA. Dohrn an F. Althoffvom 7.4. 1891 Hochgeehrter Herr Geheimrath!

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in Helgoland auszusprechen und sowohl den Nutzen, den sie schaffen karin, wie auch die Schwierigkeiten, denen sie entgegengeht, mit einigen Worten anzudeuten.

Zun~ichst muss ich leider betonen, dass es mir nicht mehr mbglich ist, in rein vertrau- licher Weise mich fiber die von Ihnen vorgeschlagenen PersSnlichkeiten z u aeussern, da bereits von zwei Seiten Mittheilungen, ja directe Anfragen an Einen meiner beiden Assi- stenten gelangt sind, die als Candidaten fiir die Leitung der neuen Station auch von Ihnen bezeichnet werden. Die eine Anfrage bezog sich sogar unmittelbar auf sie selbst, und dadurch bin ich in eine peinliche Situation gerathen, und kaum mehr im Stande, unbefan- gen und in rein sachlicher Weise mich auszusprechen.

Indessen glaube ich doch noch insofern Ihren Wfinschen, behufs Bezeichnung einer geeigneten Persbnlichkeit entsprechen zu koennen, als ich Sie dringend bitten mSchte, die Entwicklung des Helgol~nder Institutes in einer, ich mSchte sagen, organischen Weise geschehen zu lassen. Ich will mich gleich deutlicher ausdriicken, was mir auch um so leich- ter werden dtirfte, als ich wohl nur Eulen nach Athen tragen und Ihre eigenen Erwartun- gen ansprechen werde.

Zwei Umstaende scheinen mir die Leistungsf~ihigkeit einer biologischen Station in Hel- goland zu bedingen. An erster Stelle die Ergiebigkeit der zugaenglichen F a u n a und Flora des Meeres, an zweiter Stelle der gliickliche Griff der leitenden PersSnlichkeit.

Beziiglich des ersten Punctes habe ich mich in meinem friiheren Brief a n Se. Excellenz Ihren frtiheren Chef ausgesprochen und sehe mit Beruhigung, dass diese meine vorsichti- gen Bedenken richtige Wiirdigung gefunden haben. Es waere in der That verfehlt, ein gros- ses Institut zu errichten, falls die Materia prima, das lebende Thier- und Pflanzen-Mate- rial, entweder iiberhaupt nicht ausreichte oder nicht hinreichend zug~inglich w~re.

Was die leitende PersSnlichkeit angeht, so befiirchte ich, dass es ohne verschiedene Probe-Anstellungen schwer sein wird, den richtigen Mann zu finden. Mir scheint, es kommt bei der Wahl in erster Linie auf das Vollgewicht der Persbnlichkeit an, die sich sowohl in organisatorischer wie auch in wissenschaftlicher Hinsicht gleichermaassen im Sattel fiihlen miisste. Das Beispiel der Englischen Station in Plymouth ist in dieser Richtung sehr lehrreich: ein vorziiglich eingerichtetes Geb~iude, ffir den Anfang auch gen~igende Mittel, aber binnen dreier Jahre schon der vierte Wechsel der leitenden Persbnlichkeit! Mehr als ein Nothschrei ist aus England an mich gerichtet worden, - ich konnte aber antworten, dass ich von vornherein gesagt h~itte: Der Mann ist wichtiger als das Geb~iude. Ob der junge Gelehrte, den man jetzt dort installiert hat, nun der richtige sein wird, wird sich erst erwei- sen. Sollte er es nicht sein, so ffirchte ich sehr fiir die Zukunft der Station in Plymouth, da bereits Stimmen laut werden, das Ding wieder ad acta zu legen.

Diese Institute sindja so neu, dass sich noch keine Routine hat ausbilden koennen, wie sie schliesslich fiir jede Professur im Grossen und Ganzen besteht. Eine Zoolog. Station wird das, was der jeweilige Chef aus ihr zu machen versteht, nicht mehr und nicht weniger.

Die von Ihnen genannten PersSnlichkeiten kenne ich theils gar nicht, theils nicht genii- gend, um irgend welches werthvolle Urtheil abgeben zu koennen. Nur von Schmidtlein kann ich sagen, dass er dem Clima in Neapel nicht gewachsen war, ob er mit Helgoland besser fertig wtirde, mtisste erprobt werden. Dr. Hartlaub hat ja grosse Neigung ftir die Sache, aber ich weiss nicht, ob seine physischen Kraefte der Aufgabe gewachsen sind. Dr. Hegder kenne ich zu wenig, habe aber einen recht vortheilhaften Eindruck besonders von seiner PersSnlichkeit und ganz besonders seiner wissenschaftlichen T/ichtigkeit. Dr. Heincke ist mir persSnlich ganz unbekannt, aber einer meiner Assistenten kennt ihn und will nicht rechL dran glauben, dass er als Verwaltungschef an seiner Stelle waere.

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so sehr ist das der Fall, dass die Wenigsten wissen, dass er Jude ist. Ob er sonst der rich- tige Mann waere, resp. ob die Stellung auf die Dauer fiir ihn passen wiirde, das vermag ich wiederum auch nicht zu garantiren, - aber ich bin eben fiberzeugt, dass sich das iiberhaupt nicht a priori bestimmen lasst. Sein gegenwaertiges Gehalt betragt 5400 Lr. = 4320 MK, was nach 18jahriger Dienstzeit gewiss nicht hoch ist.

Es darf fernern nicht ausser Acht gelassen werden, dass die Existenz in Helgoland, so angenehm sie wahrend einiger Sommermonate sein mag, doch ffir den groesseren Theil des Jahres eine recht einsame ist, und wohl kaum von Jedermann ausgehalten werden diirfte. Manch Einer, der sich vielleicht fiir die neue Stellung ernst geeignet erweisen kSnnte, halt vielleicht dieses Abgeschlossensein yon der fibrigen Welt nicht aus, und erleidet Einbusse an seiner natfirlichen Leistungskraft. Der geborene Einsiedler wiederum ist schwerlich ein richtiger Mann ffir solch Institut.

Diese und einige andere Betrachtungen bringen mich immer mehr zu der Auffassung, dass man die ganze Sache von vornherein mit verhaltnissmassig kleinen Dimensionen beginnen und die weitere Entwicklung erst dann eintreten lassen sollte, wenn die fauni- stischen Ermittlungen ausreichend befunden und der richtige Mann gefunden ist.

Eine Verbindung von Hochseefischerei mit dem wissenschaftlichen Laboratorium halte ich nicht nur nicht ffir schadlich sondern ftir sehr vortheilhaft. Aber ich kann nicht erkennen, in welcher Weise von Helgoland aus dafiir gewirkt werden soll. Fiir Hochsee - wie ffir rein wissenschaftliche Fischerei hat Helgoland einen grossen Hemmschuh: den Mangel eines Hafens. Ohne ein seetiichtiges Dampfschiff kann ich mir die erste gar nicht, die zweite nur in beschraenkten Dimensionen vorstellen, und doch bietet Helgoland so wie ich es kenne,- (ich war im Jahre 1876 * sieben Wochen daselbst) keinen Ankergrund ffir ein solches Schiff. Es waere j a mSglich, dass jetzt beabsichtigt wird, fiir einen Hafen zu sorgen. Aber das wfirde grosse Kosten machen und immerhin erst ftir eine spaetere Zukunft helfen koennen. Cuxhafen waere ffir Hochsee-Fischerei ein besseres Local.

Aus alledem geht mir wiederholt hervor, Herr Geh. Rath, dass eine sehr niichterne Erwagung des ganzen Projektes noch durchaus geboten ist, damit keine Enttauschung erfolgt. Und da ja Zeit genug vorhanden ist, so wiirde ich den unmassgeblichen Vorschlag machen, den Dr. Schmidtlein aus Leipzig mit der praeliminarischen Ermittlung der Fauna zu beauftragen. Dazu halte ich ihn von all den bisher genannten Candidaten fiir den geeig- netesten, sowohl seiner PersSnlichkeit wie seiner Kenntnisse nach, - wenigstens soweit ich beide nach seiner hiesigen, freilich einige Jahre zuriickliegender Wirksamkeit zu beur- theilen im Stande bin - und ich warde gleichzeitig den Deutschen Fischerei-Verein befra- gen, was er sich von einer Einmischung einer biologischen Station auf Helgoland in die Hochsee-Fischereifragen verspricht. Die etwaige Darlegung wfirde ich daran scharf mit dem kritischen Messer secieren, in wie weit sie wirklichen und nicht utopischen Zielen nachjagt und davon wiirde ich es abhaengig machen, wie weit das ganze Unternehmen aus- gedehnt werden d•rfte.

I c h schliesse diese kurze Darlegung mit der erneuten Versicherung, dass ich mit Freude bereit sein werde, mit Rath und That zur Verfiigung zu stehen, sobald Sie das Eine oder das Andre bediirfen.

In vorzfiglicher Hochachtung Ihr ergebener

Anton Dohrn

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D o k u m e n t Nr. 8

Schreiben E. Ehlers an F. Althoffvom 18.4. 1891

Ihre Mittheilung, dab die Entwicklung der geplanten biologischen Station auf Helgo- land jetzt im Wesentlichen von den Fischereiinteressen abhfingig und beeinfluBt sei, war mir, so sehr ich Ihnen dafiir dankbar bin, ihrem Inhalte nach nicht sehr erfreulich. Immer- hin ist es besser etwas zu erreichen als nichts, wenn es auch ffir das Ansehen der staatli- chen Pflege deutscher Wissenschaft dem Auslande gegentiber nicht sehr erfreulich ist, dab eine deutsche biologische Station nur unter der Flagge der Nfitzlichkeitsriicksicht flott gemacht werden kann. Wie welt bleiben wir da hinter Frankreich und seinen reich ausge- bildeten Stationen zurtick.

MuB dann nun aber, wenn die Station in erster Linie Fischereizwecken dienen soll, als ihr erster Leiter und Organisator ein Mann genommen werden, der im Wesentlichen nur Fischerei-Interessen vertritt und vertreten kann? Dal] Eisig aus Neapel wohl nicht zu haben ist, kann ich mir denken. Hinter ihm steht aber dort Paul Meyer, der gleich- falls durch langj~ihrige Praxis eine Station kennt und leichter als Eisig z u haben sein dfirfte.

Often gestanden, ich kann mir Heincke in Oldenburg nicht als den geeigneten Leiter einer biologischen Station denken. Ich kenne ihn aus seinen Arbeiten, welche fleiBig und grfindlich, aber doch sehr einseitig beschr~inkt sind; aus ihnen geht nicht hervor, dab er so vielseitige Ausbildung besitzt, wie man sie vom Leiter einer Station erwarten m6chte. Zu der Aufgabe, eine Station den gegebenen Verh~iltnissen entsprechend einzurichten, dfirfte er wenig Erfahrung gesammelt haben. Ueber seine Person wage ich nicht zu urtheilen, da ich ihn nur einmal in Oldenburg etwas l~inger gesprochen habe.- Dagegen glaube ich, dab er als Dirigent einer Abtheilung ftir Fischerei-Praxis geeignet sein mag. K6nnte man ihn nicht daftir allein gewinnen? Dann als ersten Organisator und Leiter der wissenschaftli- chen Abtheilung einen zweiten erfahrenen Gelehrten. Ich bedaure, dab Sie in Berlin einige Stimmen gegen Hartlaub gehSrt haben. Nach meiner Ueberzeugung eignet sich Hartlaub viillig dazu, den wissenschaftlichen Theil einer Helgol/inder Station einzurichten und zu leiten. Er kennt durch vielfachen l~ingeren Aufenthalt auf Helgoland die dortigen Verh~ilt- nisse gut, hat durch seine Th~itigkeit aufverschiedenen Stationen am Mittelmeer und der franzSsischen Ktiste Erfahrungen fiber Einrichtung und Betrieb von Stationen, und ist, da er sich l~ingere Zeit mit der Errichtung einer Station auf Helgoland getragen hat, sehr ffir die Ausffihrung eines solchen Planes eingenommen. Seine zoologische Durchbildung ist vielseitig; er ist ganz der Mann, die G~itkeschen Sammlungen und Forschungen fortzu- ffihren und damit sollte man unter den gegebenen Verh~iltnissen doch rechnen. Im Inter- esse der Sache kann ich Ihnen daher nur empfehlen, fiir eine Dirigentenstelle an der wirt- schaftlichen Abtheilung Hartlaub im Auge zu behalten; sein reservirtes Wesen, welches ihn oft in weniger gfinstigem Licht erscheinen l~iBt als er verdient, wird ihn beim Ausffihren von Stationspl~inen nicht hinderlich sein, da er, w o e s erforderIich ist, Energie und Z~ihig- keit besitzt.

gez. E. Ehlers (Abschrift)

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D o k u m e n t Nr. 9 Brief F. Heincke an F. Althoffvom 1.7. 1891 Hochgeehrter Herr Geheimer Rat!

Meine Entscheidung ist getroffen und meine Antwort auf Ihr Anerbieten lautet: Ja! Zugleich spreche ich Ihnen meinen tiefgefiihlten Dank aus. Wenn ich noch eine zeitlang geschwankt habe, ob ich annehmen sollte, so war es nur der Gedanke, ob ich auch Kraft genug besitze die Sache durchzuffihren zum Helle der Wissenschaft. Ich vertraue auch Gott fest, diese Kraft zu besitzen. Wann ich nach Berlin kommen werde, ob erst im Oktober oder schon frfiher, kann ich heute noch nicht sagen, das werde ich Ihnen bald mitteilen. Den Kostenanschlag fiir die Station sende ich demn~ichst. Mit vorztiglicher Hochachtung

Ihr gehorsamster Dr. Fr. Heincke

GStA Preu~ischer Kulturbesitz, Rep. 92, NachlaB Althoff, Nr. 64, Bd. 3, B1. 35

D o k u m e n t Nr. 10 Kaufvertrag vom 11.6. 1892

Zwischen Herrn Polizei=Sekret~ir a. D. P. Botter auf Helgoland einerseits und der KSniglichen Unterrichts=Verwaltung, vertreten durch den kommissarischen Direktor der Biologischen Anstalt, Herrn Dr. Fr. Heincke ebendaselbst andererseits wird hierdurch unter Vorbehalt der Genehmigung das Herrn Ministers der geistlichen Unterrichts= und Medicinal=Angelegenheiten der nachstehende Kaufvertrag abgeschlossen:

1. Herr Botter verkauft sein auf Kronland erbautes, in der ViktoriastraBe zwischen der Kaiserlichen Post und der Villa Franz auf Helgoland gelegenes Haus an die KSnig- liche Unterrichts=Verwaltung ffir die Summe yon f~inf und ffinfzig Tausend Mark und verpflichtet sich, das Eigentum an dem Hause sowie die ihm zustehenden Grund- rechte bei der Unterzeichnung dieses Kontrakts an die K~uferin zu fibertragen. 2. Die vorbenannte Kaufsumme wird bei der Uebergabe vonder K~iuferin an den Ver-

k~iufer zu vollem Betrage baar ausgezahlt. Verk~iufer quittiert dutch Unterzeich- nung dieses Vertrages zugleich fiber richtigen Empfang des Kaufgeldes.

3. Verk~iufer leistet fiJr sich und seinen Rechtsnachfolger die gesetzliche Gew~ihr ffir das ihm an dem Kaufobjekt zustehende Eigenthum sowie die mit demselben ver- bundenen Grundrechte.

4. K~iuferin iibernimmt den auf den Grunde ruhenden Kanon yon j~ihrlich 43 M und verpflichtet sich, den Verkaufer yon der Entrichtung desselben zu befreien. Im Uebrigen hat der Letztere das Haus Hypotheken= und Lasten=frei zu fiberliefern. So geschehen Helgoland den 31. Mai 1892

P. Botter Dr. Fr. Heincke

Vorstehender Kaufvertrag wird hierdurch genehmigt. Berlin, den 11. Juni 1892

Der Minister der geistlichen, Unterrichts= und Medizinalangelegenheiten Bosse

(16)

GStA Preul]ischer Kulturbesitz, Rep. 76 Vc. Sekt. 1 Tit. XI, Generalia, Wissenschafts- sachen. Wissenschaftliche Sachen, Teil II, Nr. 10, Die Biologische Anstalt a u f Helgoland, Bd. 1, 1890-92, BI. 255-56

D o k u m e n t Nr. 11

Schreiben Kultusminister Bosse an Wilhelm II. vom 12.6. 1892

Durch den diesj~ihrigen Staatshaushalts-Etat sind die Mittel zur E r r i c h t u n g und zum Betriebe einer biologischen Anstalt auf Helgoland bereitgestellt worden. Fiir die Stelle des Direktors dieser Anstalt erlaube ich mir den Professor Dr. Friedrich Heincke allerun- terth~inigst in Vorschlag zu bringen.

Heincke, am 6. J a n u a r 1852 zu Hagenow in Mecklenburg geboren u n d der evangeli- schen Konfession angehbrig, widmete sich nach Absolvierung des Gymnasium Friedericia- num zu Schwerin seit dem Herbst 1869 dem Studium der Mathematik u n d Naturwissen- schaften an den Universit~iten Rostock und Leipzig, erwarb im Mai 1873 a n letzterer Uni- versit~it a u f Grund seiner Dissertation ,,Untersuchungen fiber die Z~ihne niederer Wirbelthiere" die philosophische Doktorwfirde, war sedann bis Oktober 1876 als Assistent am Zoologischen Museum der Universit~it Kiel th~itig und bestand inzwischen im Juni 1875 die Prfifung pro facultate docendi. Von Ostern 1876 bis dahin 1877 absolvierte er das Pro- bejahr als Kandidat des h6heren Schulamts an der Realschule, jetzigen Ober-Realschule zu Kiel. Bis Ostern 1879 war er an derselben Anstalt als wissenschaftlicher ttfilfslehrer, yon Michaelis 1877 an zugleich auch an der Kieler Universit~it als Privatdecent der Zoologie th~itig und seit dem Sommer 1877 st~indiger Mitarbeiter der Ministerial-Kommission zur wissenschaftlichen Untersuchung der deutschen Meere. In letzerer Eigenschaft besch~if- tigte er sich eingehend mit der Erforschung der Lokalformen und der W a n d e r u n g e n des Herings. Ostern 1879 fibernahm er eine ordentliche Lehrerstelle an der Oberrealschule in Oldenburg, an welcher Anstalt er Ostern 1887 zum Oberlehrer berordert vcurde. Die wis- senschaftliche und literarische Thfitigkeit wurde durch den Aufenthalt in Oldenburg nicht unterbrochen. Heincke nahm vielmehr in dieser Zeit an mehreren Expeditionen in den Atlantischen Ocean, in das Kattegat und die Ostsee, nach der Zuidersee, der 5stlichen und der sfidlichen Nordsee mit Unterstfitzung theils der Akademie der Wissenschaft, theils der Sektion des deutschen Fischerei=Vereins ftir Kfisten- und Hochseefischerei theil und ver- 5ffentlichte werthvolle Arbeiten fiber den Farbenwechsel der Fische, die Variet~ten des Herings, die Stichlinge und die Fische der Nord- und Ostsee. Im Hinblick a u f diese seine wissenschaftlichen und praktischen Leistungen wurde, als die Begrfindung einer Biologi- schen Anstalt auf Helgoland in Frage kam, von den verschiedensten fachm~innischen Sei- ten, von hervorragenden Zoologen sowohl, wie von den haupts~ichlichsten Vertretern der Hochseefischerei-Interessen, mit seltener Uebereinstimmung auf Heincke als den berufe- nen Leiter der neuen Anstalt hingewiesen. In Folge dessen ist derselbe schon zu den Vor- bereitungen ffir die Errichtung der Anstalt zugezogen worden und hat a u c h hierbei dem gfinstigen Rufe, der ihm voranging, vollst~ndig entsprochen.

(17)

rischen Direktor der Biologischen Anstalt auf Helgoland Professor Dr. Friedrich Heincke zum Direktor dieser Anstalt in Gnaden ernennen zu wollen.

Bosse

handschriftliche Bemerkung: Allerh. vollzogen, Neues Palais, d. 15. Juni 1892

GStA PreuBischer Kulturbesitz, Rep. 89 H, Kbniglich-Geheimes Civil-Cabinet, Beru- lung Heinckes als Direktor der Biologischen Anstalt auf Helgoland B1.8-9

7. Q u e l l e n n a c h w e i s

7.1. G e d r u c k t e Q u e l l e n

anonym, o. D., vermutlich 1901. Uber internationale Untersuchungen der deutschen Meere im Dienst der Seefischerei. - Meeresforschung 1, S. 178 ff

anonym, 1893. Pressemitteilung fiber die Er6ffnung der Biologischen Anstalt auf Helgo- land. - Zoologischer Anzeiger vom 16.4. 1893, S. 2

a n o n y m , 1899. Pressemitteilung fiber die Er6ffnung des Nordseemuseums. Nationalzei- tung vom 24.8. 1899, Beilage

B e r g m a n n , G. v., 1953. Riickschau. Geschehen und Erleben auf meiner Lebensbfihne. Mtinchen, S. 157

Blasius, R., 1906. Vorwort zu den ornithologischen Tagebfichern 1847-1887 von H. Gaetke. - Journal f. Ornithologie, Sonderheft L/V, S. 1

B 6 h m , J., 1912. Deutsche Interessen in China.- Reichsspiegel vom 2.-8.9., 37, S. 3. B u c h h e i m , H., 1962. Totalit~re Herrschaft - Wesen und Merkmale. Miinchen, S. 103 B i i c k m a n n , A., 1959. Die Wiederer6ffnung der Biologischen Anstalt Helgoland auf der

Insel Helgoland. - Helgol~nder wiss. Meeresuntersuchungen, 7, S. 6-41

D o h r n , A., 1869. Brief an Charles Darwin vom 30. 12. 1869. - Charles Darwin/Anton Dohrn, Correspondence, Napoli 1982, S. 25

D o h r n , A., 1876. Brief an Charles Grant vom 15. 10. 1876. - Theodor Heuss, Anton Dohrn in Neapel, Ttibingen 1962, S. 417

D o h r n , A~, 1872. Der gegenw~irtige Stand der Zoologie und die Grfindung zoologischer Sta- tionen. - Preussische Jahrbficher XXX, S. 1

Drost, R., 1943. Vogelzugsforschung auf Helgoland wahrend des Krieges. - Der Biologe, 6/7, S. 142

D u p u y , T. N., 1977. A Genius for War - The German Army and General Staff 1807-1945, London 1977, S. 303

E h r e n b a u m , E., 1889. Zoologische Wanderstation an der Nordsee. - Mitt. d. Section f. Ktisten- und Hochseefischerei, S. 4-10

E h r e n b a u m , E., 1908. Nordisches Plankton, Eier und Larven yon Fischen. Kiel 1904-09, S. 217

E h r e n b a u m , E., 1922. Friedrich Heincke zu seinem 70sten Geburstage. - Wiss. Mee- resuntersuchungen, 15, N. F , Abt. Helgoland, Kiel und Leipzig, 1923-30, S. 3-11 E h r e n b a u m , E. u. H. L i i b b e r t , 1913. Nachruf auf Walther Herwig. - Der Fischerbote V.

References

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