Addendum
Buchbespechungen / Book reviews / Analyses
ROBARDS, A. W.: Ultrastruktur der pflanzlichen Zelle. Einffihrung in Grundlagen, Methoden und Ergebnisse der Elektronenmikroskopie. ~Jbers. yon K. V. KOWArX.IK. 141 Abb., 10 Tab. Stuttgart: Thieme, 1974, 335 pp., 18,80 DM.
Mit der Einffhrung des Elektronenmikroskops gelang der Durchbruch yon mikroskopi- schen zu makromolekularen Dimenslonen, in einen Gr~Si~enbereich, wo der Dualismus yon Struktur und Funktion zu verblassen beglnnt. Die aufregende und slch rasch entfaltende Diszl- plin der Ultrastrukturforschung hat das Elektronenmikroskop bereits zum Routineger~it zahl- reicher biologischer Institute werden lassen, und die Ausbildung an diesem Geriit im Rahrnen des Biologiestudiums ist heute vielerorts fester Bestandtdl im Unterrichtsplan geworden.
Das vorliegende Taschenbuch will insbesondere den Botanikstudenten eine eingehende Zu- sammenfassung yore gegenwiirtigen Stand der pflanzlichen Ultrastrukturforschung geben. Um die durch das Elektronenmikroskop vermittelten Ergebnlsse mit kritischem Verstiindnis auf- nehmen zu kSnnen, ffhrt Teil I (Elektronenmikroskopie, 3 Kapitel, 59 pp.) zun~ichst in die Grundlagen, Methoden und Pr~iparationstechniken in der Elektronenmikroskopie ein. Tell II (Ultrastruktur der Pflanzen, Kapitel 4-17) behandelt die einzelnen Bestandteile der Zelle. Die Darstellung der wichtigsten ultrastrukturellen Eigenscha~en einiger ausgew~ihlter Pflanzen- gruppen besorgen die speziellen Beitr~ige yon J. D. DODGE (Kapitel t4: Die Algen), R. MAI~- CHANT (Kapitel 15: Die Pilze) und D. G. SMITH (Kapitel 16: Bakterien und Blaualgen, Ka- pitel 17: Viren).
In nachahmenswerter Weise entgeht der Verfasser der Gefahr des blof~en Aufz~ihlens yon Fakten. Der kompakt dargebotene Stoff wird durch hlstor~sche Bezfge aufgeloekert, die neuen Beobachtungen immer in Beziehung zu berelts bekannten Vorg~ngen gebracht. Durch strenge Auswahl der Quellenangaben konnte ein allzu umfangreiches Literaturverzeichnis - am Ende des Buches nach Anzahl der Kapitel geglledert - vermieden werden. Die angehiingte Liste yon Nachschlagewerken und Lehrbfchern deckt den Mangel an deutschsprachigen Standard- werken fiber die pflanzliche Ultrastruktur auf. Den Schlut~ bildet ein Glossarium, welches knappe, aber klare Definitionen h~iufig vorkommender Fachausdrfcke enth~ilt.
Zwischen dem Erscheinen der englischen Originalausgabe (1970) und der deutschen Uber- setzung (1974) liegen vier Jahre. Der rasche Fortschritt auf dem Gebiet der Ultrastrukturfor- schung machte sachliche Knderungen notwendig, die jedoch aus redaktionellen und urheber- rechtlichen Grfinden nut begrenzt vorgenommen werden konnten. Vom Ubersetzer v611ig neu- gefaf~t wurde das Kapitei 14 (Die Algen). Das Literaturverzeichnis wurde urn zahlreiche deutschsprachige Arbeiten erweltert. In Anbetracht der zahlreichen elektronenmikroskopischen Abbildungen wiire der Thleme-Verlag gut beraten gewesen, wenn er zu etwas besserem Papler gegriffen h~itte.
Das Buch kann allen interessierten Biologiestudenten als preisgiinstige Lernhilfe warm
empfohlen werden. G. D ~ E S (LisffSylt)
UsuI, A.: Eel Culture. West Byfleet, London: Fishing News Books Ltd., 1974, 186 pp., £ 6.75. In Deutschland wird seit einigen Jahren mit der Aufzucht und Mast yon Aalen in Telchen experimentlert. Das Interesse bei Praktikern, eine kommerzielle Aalteichwirtscha~ aufzubauen, ist grog. Eine Anleitung aus Kreisen der erfolgreichen japanischen Aaltelchwirte war daher sehr willkommen. Manuskript und I3bersetzung ins Englische wurden yon japanischer Seite an- gefertigt. Dr. G. WILLIAM:SON bearbeitete den Text ffr den internationalen Gebrauch und ver- vollstiindigte das Buch durch eigene Beitriige.
umfassen folgende Kapiteh Prinzip der Teiche mit stehendem und flieflendem Wasser; Metho- den und Organisation der Aalaufzucht in Japan; Gel~inde- und Lagebeurteilung filr den Bau einer Aalteichwirtschaff; Teichbau; Wasserqualit~it; Fiitterung; Krankheiten und ihre Behand- lung; Abfischung, Sortierung und Transport; die anfallenden Arbeiten im Jahresvertauf; Vor- aussetzungen ftir den Aufbau einer Aalteichwirtschatt; Organisation der japanischen Teichwirt- schaff.
Die einzelnen Kapitel sind sehr knapp gehalten und rnSgen fiir den Praktiker, der sich bereits mit Aalen befat~t hat und der englischen Sprache m~ichtig ist, yon Nutzen sein. Dem Anf~inger bringen sie die wiehtigsten Probleme nahe. Hierzu geh~Srt, daf~ die Glas- und Jung- aalaufzucht und Sortierung iiber den Erfolg des Betriebes entscheiden. Weiterhin: F/ir den Japa- nischen Aal sind Hochsommertemperaturen yon 23-30 ° notwendig, urn in zwei Jahren zu einem marktf~ihigen Produkt heranzuwachsen. Filr den Europ~iischen Aal mag das Temperatur- niveau etwas tiefer liegen. Selbst in Japan errichtet man GewF, chshiluser tiber den Teichen, um den Jungaalen optimale Temperaturen irn Friihjahr zu bieten. AIs Rezept ftir Mittel- und Nordeuropa wird empfohlen, prinzipiell fiir alle Altersstadien und wiihrend des ganzen Jahres so zu verfabren oder mit erw~irmtem Wasser (Ktihlwasser) zu arbeiten oder im Kreislauf ge- reinigtes Wasser zurtickzugewinnen. Dennoch mul~ man nach Rezepten far derartige Verfahren vergeblich suchen. So bleibt das Buch auch in anderer Hinsicht eine ,,Japanisehe Aalteichwirt- schai°c ", und der Nicht-Japaner mut~ entsprecbend der bei ihm gegebenen regionalen Bedingun- gen weiterexperimentieren. Auch Hinweise auf den Ger~ite- und Futtermittelbezug beschr~in- ken sich auf den 5apanischen Raum. Reproduzierbar auf europ~iische Verh~ilmisse sind sicher- lich einige der Aalkrankheiten und deren Bek~impfung.
Einiges, was auf~erbalb teichwirtschafflicher Belange liegt, erfahren wir tiber den Euro- piiischen Aal auf einem groi~en Tell der iibrigen Seiten: seine Biologie, Glasaalaufstieg, -fang und -transport, die Verarbeitung des marktf~higen Aales, die Konditionen des Marktes. Dabei kommt es vielfach zu f3ber- oder Untertreibungen oder iibernommenen Unrichtigkeiten. So z. B. sind 7 bis 13 Millionen Eier pro Aalweibchen zweifellos fast eine Zehnerpotenz zu hoch gegriffen (p. 22). Auch wandert nicht nur eine Aalart yore Meet ins Siit~wasser (p. 19). Woher weif~ der Verfasser, daf~ der Europ~isdle Aal die l~ingste Meereswanderung durchfiihrt (p. 24) und der Japanische rnit dem Europ~ischen und Amerikanischen Aal am niichsten verwandt (p. 23, p. 27) ist?
Den verh~iltnism~ig grot~en Umfang des Buches machen aut~erdem 55 Seiten Abbitdungen (tiberwiegend Fotos) und 16 Seiten Tabellen aus. Sie sind leider nicht in den Text eingeordnet, sondern an das Ende des Buches verlegt, wo aut~erdem eine dreiseitige Liste ausschliet~lich eng- lischer Aalliteratur, ein Verzeichnis der 5apanischen Fachausdrii&e und ein Stichwortverzeichnis zu finden sin& Wer yon diesem Buch mehr erwartet hat, ist sicherlich durch deutsche Teich- wirtschaffsliteratur verw6hnt. Jedoch mut~ anerkannt werden, dai~ ein betr~ichtliches Vakuum an Informationen ausgefiillt wird, das in Europa, in Nordamerika und im indopazifischen Raum eine ganze Reihe yon Jahren bestanden hat. F.-W. T~sci~ (Hamburg) GULLAND, J. A. (Ed.): The Fish Resources of the Ocean. West Byfleet: Fishing News Books Ltd., 1971, XI, 255 pp. ~ 10.50.
Der vorliegende Band ist ein Versuch, die nutzbare Produktivit~it des Weltmeeres abzu~ sch~itzen. Von einer kleinen Expertengruppe wurde der Manuskriptentwurf im Jahre 1966 er- stellt und das umfangreiche Datenmaterial in den Folgejahren unter Ausnutzung des Informa- tionsnetzes der FAO (Yearbook of Fisheries Statistics) und unter Mitwirkung zahlreicher Fach- leute in aller Welt zusammengetragen.
Den 15 Regionen der FAO-Statistik ist je ein Kapitel gleichen Aufbaues gewidmet. Nach einer Definition des Gebietes (geographische Grenzen) wird die Topographie nur soweit be- riihrt, wie fie fiir die Fischerei yon Interesse ist (Fl~ichenausdehnung des Schelfgebietes, Be- schaffenheit des Untergrundes: z. B. rauher Grund, Sandgebiet, Muddzonen). Die folgenden Abschnitte behandeln Hydrograpbie, Prim~irproduktion, Sekund~irproduktion (Zooplankton und Benthos), Fischerei (Ertr~ge, Statistik, Bestandsabs&~tzung) sowie die laufenden Fischerei- forschungsprogramme. Der abschliel3enden Diskussion folgt ein umfangreiches Literaturver- zeichnls. Der einheitliche Aufbau der Kapitel machr die Darstellung einerseits sehr iibersicht- lich, zumal sie nicht mit Details iiberladen ist, andererseits vermag sie nur ein sehr grobes Bild zu vermitteln.
Angefilgt sind 3 weitere KapiteI: Oceanic resources; Molluscan resources; Crustacean resources. Hier wird vor allem die Bedeutung der beiden systematischen Gruppen Weichtiere und Krebse herausgestellt und ihre Verbreitung und fischereilichen Ertr~ige wiederum nach der Einteilung der FAO-Statistik abgehandelt. In der Schlu~betrachtung kommt der Heraus- geber auf Grund des vorhandenen Datenmaterials zu der vorsichtigen Prognose, dal~ die Er- tr~ige der Weltfischerei bei optimaler Nutzung der befischten Best~inde noch verdoppelt werden kSnnte. Die stagnierenden Fangergebnisse der Weltfischerei in den letzten Jahren verdeut- lichen jedoch, wie schwierig es ist, zutreffende Vorhersagen zu machen. Es ist verst~ndtich, daf~ eine global angelegte Studie langwierig ist, auch dann wenn sie auf ein gut funktionierendes Informationsnetz aufbauen kann. Der i~berwiegende Tell der Informationen stammt aus den Jahren 1966 bis 1968. Bereits zum Zeitpunkt des Erscheinens war daher der Inhatt nicht mehr auf dem neuesten Stand. Das Buch ist trotzdem yon groi~em Informationswert ftir Fischerei- praxis und Fischereiwissenscha~. Es zeigt nicht zutetzt jene Kenntnisliicken auf, die die Fische- reiforschung in den kommenden Jahren schlief~en rout3. H. Ros~NT~m~ (Hamburg) HARRISON, R. J. (Ed.): Functional Anatomy of Marine Mammals. Vol. 1. London, New York: Academic Press, 1972, 451 pp., ~ 7.50.
Die Anpassung yon Bewegung und Wahrnehmung an den aquatischen Lebensraum ist im Laufe der Evolution auf verschiedenen Wegen erreicht worden. Dies gilt sowobl flir Fische als auch fiir S~iugetiere. Das vorliegende Buch zeigt anhand der Anatomie einige L~Ssungswege auf, die yon den S~iugern beschritten worden find.
Da sich nur relativ wenlge Biotogen mit der marinen S~iugerkunde besch~if~igen, eine spe- zielle Zeitschri~ fi~r dieses Fachgebiet nicht - oder noch nicht - existiert, und der Zeitpunkt fiir das Schreiben eines umfassenden Lehrbuches zur funktionellen Anatomie mariner S~iuger nach Ansicht des Herausgebers als verfr~ht angesehen werden muff, erschien es zweckm~if~ig, vorerst in einer fortlaufenden Reihe dem Leser Originalarbeiten und ¢,3bersichtsreferate iiber spezielle Einzelthemen vorzustellen.
Der erste Band dieser Serie enth~lt 8 Beitriige: (I) Growth and development of marine mammals; (2) Observations on phocid sculls; (3) Comparative anatomy of the cetacean ner- vous system; (4) The pinniped eye; (5) Anatomy of the seal's ear; (6) Underwater hearing in seal's functional morphology; (7) Comparative aspects of the hind limbs of the river otter, sea otter and seals; (8) Reproduction and gonadal appearances in some Odontocetes.
Es ist nicht miSglich, auf alle Themen im einzelnen einzugehen. Die eindrucksvollste Arbeit in diesem Band wurde yon MORGANE and JAco~s vorgelegt. Die Anatomie vers&iedener Wal- hirne ist in mfihevoller Kleinarbeit unter Verwendung der Perfusionstechnik sichtbar gemacht worden. Den wichtigsten Beitrag schrieb BRVDEN iiber Entwicklung und Wachstum. Die sorg- f~iltige Analyse der schwer zug~.ngli&en und oR nut als Gelegenheitsbeobachtung vortiegenden Daten gibt erstmals einen zusammenfassenden Uberblick fiber die Wachstumsgeschwindigkei- ten, das erreichbare Alter und das maximale Gewicht zahlreicher Arten dieser wichtigen Tier- gruppe. Dieser Beitrag sotlte ni&t nur yore Spezialisten, sondern au& yore Fischereibiologen gelesen werden.
Das Buch ist yon ausgezeichneter Druckqualit~it, so wie man es yon Academic Press ge- w/Shnt ist. Es enth~lt fiir alle diejenigen Biologen, deren Interesse nicht einseitig festgelegt ist,
ZOTTOL:, R.: Introduction to Marine Environments. Saint Louis: Mosby, 1973, 125 pp,
17,80 DM.
Ober die marine lDkologie sind ihrer wachsenden Bedeutung entsprechend in den letzten Jahren zahlreiche Biicher erschienen, darunter auch solche einfiihrenden Inhaltes, die sich an einen allgemeineren Leserkreis oder an den Anf~inger auf dem Gebiet der Meeresbiologie wen- den. Unter diesem Gesichtspunkt ist das vorliegende Buda einzuordnen, dessen Titel sinngem~ig mit ,Einfiihrung in den Lebensraum Meet" iibersetzt werden kann.
In der Einleitung wird zun~ichst eine kurze Clbersicht iiber die besonderen Bedingungen des aquatis&en Lebensraumes im allgemeinen und des Meeres im besonderen gegeben. Ferner werden die wi&tigsten 5kologis&en Begriffssysteme erl~iutert, die vom Einzelorganismus zum Okosystem fiihren, und es werden die Gesi&tspunkte und Methoden dargestellt, nach denen der Kreislauf des Lebens untersucht werden kann, der si& in den Cikosystemen vollzieht. Die in dlesem Zusammenhang wichtige Populationsdynamik wird mit kurzen Kapiteln tiber Wachs- turn, Fortpflanzung und ~berlebensrate (bei allgemeiner r3berproduktion an Nachkommen- schaff) hervorgehoben.
Im folgenden 1. Hauptteil: ,Abiotis&e und biotis&e Faktoren" werden in der herk6mm- li&en Weise zuerst die chemis&en und physikalis&en Eigenscha~en der Umwelt behandelt, die auf die Organismen einwirken und mit denen sie sich auseinanderzusetzen haben: O2-Ge- halt, COe-, Sti&stoff-, Phosphor- und Schwefelzyklen (mit Diagrammen), Kiesels~iure- sowie schliegti& Que&silbergehalt; das Ietztere Element ist als /Skologlscher Faktor an man&el: Stellen erst neuerdings durch mens&liche T~itigkeit negativ wirksam geworden. Weiterhin Welleneinwirkung, Gezeiten, Str6mungen, Temperatur, Dru&, Salini6it und Licht. Bei der ErSrterung der biotischen Faktoren bes&r~inkt sich der Autor auf die Probleme der ErnS.hrung (mit Angabe der wichtigsten Typen des Nahrungserwerbs), des Energieflusses (Nahrungsketten) und der biologischen Produktion (:nit Methoden der quantitativen Erfassung).
Der 2. Tell ist der Beschreibung der marinen Biotope gewidmet, die dutch die in linen herrschenden ~iutgeren Bedingungen und die sie besiedelnden Organismen charakterisiert wet- den. Als Beispiele werden ausfiihrli&er behandelt: Felslitoral der Gezeitenzone (Zone der blaugriinen Algen, die stetlenwelse dur& Flechten ersetzt werden, Seepo&en-, Braunalgen- und Rotalgenzone), Gezeitentiimpel, Buchten mit Flachstriinden, Flugmiindungen und Marschen, w~.hrend der Meeresboden des Kontinentalschelfs und der gr6geren Tiefen nut kurz (4 Seiten) Erw~ihnung findet.
Die genannte unterschiedli&e Behandlung erkl~irt sich aus der Grundkonzeption des Bu&es, das als kurzer Studienfiihrer fiir S&:iler der Oberklassen h6herer Schulen und far Studenten gedacht ist. Es ist aus VorIesungen und praktis&en t3bungen speziei1 im Geblet der Kiiste yon Maine, USA, hervorgegangem Der Inhalt des ganzen Bu&es spiegelt offenbar das marin-Skologische Unterri&tsprogramm des Autors wider, das si& in jahrelanger Praxis be- w~hrt hat. Entspre&end ist sein Ziel einmal, dem Anfiinger die fiir das Vers6indnis der kom- plexen Zusammenh~inge der marinen ~kotogie notwendigen Grundkennmisse zu vermittetn. Der besondere Charakter des Buches abet Iiegt in den jedem Kapitel beigefiigten konkreten Anleitungen und Aufgaben fiir die praktis&e Feldarbeit mit Einschlug der dafiir notwendigen Laboratoriumsuntersuchungen. Die praktische Analyse, die eigene Arbeit und Ans&auung sollen also den Benutzer des Buches zu einem vertietten Verst~indnis der theoretischen Zusam- menh~inge fiihren. In ihre Darstellung ein ,,kleines Praktikum der Meeres/Skologie" einzu- bauen, ist ein Versuch, der bei geringem Raum verstiindli&erweise subjektiv bleiben mug und daher manche Lii&en fiir das Ganze zur Folge hat, die vom Autor bewugt in Kauf genommen werden. Dutch die jedem Abs&nitt beigefiigte spezielle und weiterfiihrende Literatur sowie ein ausfiihrli&es Literaturverzeichnis am S&lug, das si& na& den Hauptteilen und EinzeI- kapiteln gliedert, versucht der Autor, die Nadateile auszugleichen.
lieigen si& vermehren. Die ~iut~ere Aufma&ung als Paperba& mit dem etwas ungew6hnli&en Format (20)< 20 cm) ist ansprechend.
Nach der Lektfire dieses Buches miS&te man wtins&en, datg far deuts&e Studenten ein ,Praktikum der Meeres6kologie" geschrieben wiirde, das den wichtigsten Anforderungen auf &emis&-physikalis&em, auf mathematisch-statistischem, auf mikrobiologis&em, botanischem und zoologischem Gebiet gere&t wird und die speziellen Verh~ilmisse der Nord- und Ostsee
beriicksi&tigt. B. W~RNER (Hamburg)
PRECHT, H., CHRISTOPHERSEN, J , HENSEL, H. & LARCHER, W.: Temperature and Life. Berlin, Heidelberg, New York: Springer, 1973, 779 pp., 142,- DM.
Wie bekannt, ist die Temperatur elner der wichtigsten Umweltfaktoren, da sie in univer- saler Weise s~imtliche Lebenserseheinungen bis in die chemisch-physikalischen und molekularen Grundph~inomene hinein, da sie Existenz und Verbreitung aller Organismen entscheidend be- einflu£t. Dieser ihrer allgemeinen Bedeutung und iiberdies ibrer relativ einfadlen Kontrollier- barkeit entsprechend, wobei an die grot~en Fortschritte der modernen Registriertechnik zu den- ken ist, kann die Temperatur als der am besten untersuchte Milieufaktor gelten. Zeugnis davon geben die kaum noch tibersehbare Fiille yon Einzeluntersucbungen, die dem Einfluf~ dieses Faktors auf die verschiedensten Lebensprozesse bei fast Mien Organismengruppen gewidmet sind, ferner die zusammenfassenden Darstellungen, die als l~bersichten tiber Teilkomplexe oder auch in Buchform tiber das Gesamtph~nomen ,,Temperatureinfluf~" erschienen sin&
H. PRrCHT, J. CHRISTOPH~RSE~ und H. HENS~L publizierten 1955 ihr bekanntes Werk ,,Temperatur und Leben", mit dem der Versu& unternommen wurde, die Probleme des Tem- peratureinflusses bei poikilothermen Tieren und Pflanzen, bei Mikroorganismen und bei den Homoiothermen auf der Grundlage der &emls&-physikalischen Gesetzm~it~igkeiten in um- fassender Weise zu behandeln und die zahlrei&en, aus der Literatur bekannten EinzeIergebnisse nach einheitIichen Gesichtspunkten zu ordnen.
Mit dem Buch yon A. H. ROSE ,,Thermobiology" erschien 1967 ein weiteres umfangreiches Werk, das mit zum TeiI unterschiedlichen Intentionen der gleichen Problematik gewidmet war und s&on dutch die grN~ere Zahl der flit die verschiedenen Teilaspekte und Kapitel verant- wortlichen Autoren (18) demonstrierte, dag nut die Zusammenarbeit zahlrei&er Wissenschat~- ler der st~indig wa&senden Fiille yon Einzeluntersuchungen tiber die speziellen Probleme ge- recht werden kann.
Ein eindru&svoller Beweis dafiir ist au& das neue Bu& yon H. PR~CH% J. CHRISTOWER- SEN, H. HENSEL & W. LARCHER: ,,Temperatur and Life", das mehr ist als nut eine erweiterte und verbesserte, ins Engtische ilbertragene Neuauflage des obengenannten Werkes der ersten 3 Autoren. Zwar ist seine Grundkonzeption beibehalten, wie au& im Vorwort hervorgehoben wird; abet die Mitwirkung yon insgesamt i6 Autoren, die allein oder in Zusammenarbeit die Kapitet ilber die verschiedenen Ers&einungen des Temperatureinflusses auf die Organismen beigetragen haben, l~t~t erkennen, dat~ nicht nur die Einarbeitung der hlnzugekommenen neuen Daten, dag ni&t nur der vergr~iflerte Umfang dem Bueh ein neues Gesi&t gegeben haben.
Dem hierar&ischen Aufbau des Organismenreiches und der zunehmenden bzw. gewonne- hen Autonomie gegeniiber dem Temperaturfaktor entsprechend gliedert si& das Buch in die beiden Hauptteile iiber die poikilothermen und homoiothermen Lebewesen. Der erste Teii: ,,Die Mikroorganismen" erscheint in den ,Grundlagen des Temperatureinflusses" (J. Cm~ISTO- PHERSEN) gegeniiber der friiheren Bearbeitung gestraff~ und gekiirzt, ist jedo& dutch den Bei- trag iiber die genetis&e Regulation der Temperaturreaktionen (J. L. INGI~Aivl) erweitert. Der 2. Teil tiber die Pflanzen ist v611ig neu eingeftigt und enth~ilt die Kapitel: I. Temperatur der Pflanzen und Energiebudget (D. M. GAZES); tier Ausgangspunkt ist hier, daf~ die Temperatur im Inneren der Pflanzen opt yon der der Umgebung vers&ieden ist. II. Der normale Tempera- turberei& mit den Abschnitten tiber den Temperatureinflug auf Stoffwe&sel, Wa&stum und Entwi&lung (A. PIsgK, W. LARCH~lq A. VEGIS, K. NAvP-ZmN); III. Grenztemperaturen fiir die Lebensprozesse der Pflanzen (W. LARC~ER, U. HrBER, K. A. SAN'rAalUS).
lation. Die folgenden Abschnitte iiber den Einflut~ der Temperatur auf die Lebensprozesse im normalen Temperaturbereich (H. Pr~eCH*, H. LAUDIEN, B. HAVSTZUN) bei I. konstanten und II. sich iindernden Systemen und III. bei Grenztemperaturen (H. PR~CHT) bilden eines der Kernstiicke des Buches. Im Vordergrund stehen die physiologischen Aspekte des Temperatur- einflusses auf den Ablauf des Lebens sowie die besonders wichtigen Ph~inomene der Temperatur- adaptationen (Leistungs- und Resistenzadaptation) mit der Darstellung der Reaktionskurven und der chemlsch-physikalischen und energetischen Grundlagen. Ein weiteres Kapltei behandelt die sinnes- und verhaltensphysiologischen Probleme des Temperatureinflusses (H. LAUDIEN).
Der 4. HauptteiI iiber die homoiothermen Tiere (V/SgeI und S~iugetiere) (H. H~Ns~L, K. Bt~OCK, P. RATrts) hat im wesentlichen den gleichen Aufbau wie im friiheren Werk, ist aber erheblich erweitert. Dal~ zwischen Poikilo- und Homoiothermie keine scharfe Grenze besteht, zeigen die Hinweise auf aktive Reaktionen mancher Reptilien im Verhalten und im Stoff- wechsel sowie die Phiinomene des Winterschlafes bei Siiugern, die ausfiihrlich behandelt wer- den. Der letzte Hauptteil ist deswegen yon besonderer Bedeutung, welt er auch die Tempera- turreaktionen, die Temperaturregulation und -adaptation des Menschen einschlief~t.
Der Text ist durch zahlreiche Kurven, Diagramme und Tabellen reich illustriert und er- l~iutert, und am Schlufl jedes Kapitels finden sich umfangreiche Literamrverzeichnisse. Das aus- fiJhrliche Sachregister am Schlu~ ist deswegen besonders zu erw~ihnen, weiI das Buch in hohem Mat~e die Funktion eines Nachschlagewerkes erfiJllt, und zwar ohne Zweifel des besten, das zur Zeit auf diesem Gebiet existiert. Bewundernswert ist die immense Fiiile der behandelten Pro- bleme und verarbeiteteten Daten, wobei auch Fragen der Praxis (bei der Ztlchtung yon Nutz- pflanzen und Haustieren) eingeschlossen sind. Die notwendigerweise komprimierte Form der Darstellung macht das Buch nicht eben leicht lesbar, doch sind Einheitliehkeit, Ubersichtlichkeit und Geschlossenhelt tiberall gewahrt. Das Buch wird f~ir lange Zelt das Standardwerk iiber den Temperatureinfiut~ bleiben, das ftir den Physiologen und Uikologen unentbehrlich ist.
B. W~RNER (Hamburg) WIESER, W. (Ed.): Effects of Temperature on Ectothermic Organisms. Ecological Implications and Mechanisms of Compensation. Berlin, Heidelberg, New York: Springer, 1973, 298 pp., 66,- DM.
Im September 1972 trafen slch Biologen verschledener Fachrlchtungen zu einem inter- nationalen Symposion in Obergurgl (Utztaler Alpen), das dem Thema ,,Effects of Temperature on Ectothermic
Organisms"
gewidmet war. Mit 25 durchweg in Engtisch abgefa~ten Beitr~igen wird in dem vorliegenden Band das Ergebnis dieses Symposions vorgelegt; er enth~ilt sowohl UbersichtsartikeI als auch Originalbeltr~ige bzw. Forschungsberichte, erg~nzt durch ausf[ihrliche Literaturverzeichnisse. Die hier gestellte Thematik, die pr~ziser durch den Untertltel ,,Eco- logical Implications and Mechanisms of Compensation" umschrieben ist, umfaf~t aul%rordent- iich vielschlchtige Fragestellungen iiber die Bedeutung der Temperatur fiir die Lebensvorg~inge poikilothermer Organismen. Die Verschiedenartigkeit der angesprochenen Probleme gebietet es, an dieser Stelie nur stichwortartig einige der behandelten Themen anzuf~ihren.Die physiologischen, biochemischen und molekularen Grundlagen der Temperaturadapta- tion yon Stoffwechselprozessen zu erhellen, ist insbesondere Absicht der Beitr~ge, die in der ersten H~If~e dieses Bandes zusammengestellt slnd. Sie betreffen u. a. Fragen der nerv~Ssen Steuerung def. Temperamradaptatlon, Mechanismen der Temperaturadaptation yon E n z ~ e n , Einflufl der Temperamr auf Membranprozesse und damlt verbundene Regulationen der Zell- funktion sowie Mechanismen der ThermoreguIation bel Insekten.
Der zweite Tell ist vorwlegend 5kologischen Aspekten gewidmet und behandelt den Ein- fluf~ yon Umweltfaktoren auf Adaptationserscheinungen, die Temperaturabh~ngigkeit des Stoffwechsels in Beziehung zum Ruhe-, Aktivit~its- und Hungerzustand, die Bedeutung yon rhythmischen Temperaturschwankungen auf Entwiddungs- und populationsdynamische Vor- g~nge und die Rolle der Temperatur bei der Diapausesteuerung. Ferner werden einige Aspekte der Kiilteresistenz bei Evertebraten und Fischen sowie der kritischen Minimumtemperatur bei Reptilien abgehandelt.
sichtsreferat, bisherige und w~ihrend dieses Symposions vorgetragene Erkennmisse in einen griSgeren Rahmen zu stellen und einige allgemeine SchluBfolgerungen abzuleiten.
Dieser in guter dru&technischer Aufmachung herausgebra&te Band bildet eine einschl~igige Erg~inzung zu dem ebenfalls 1973 erschienenen Werk ,,Temperature and Life" yon PRECHT, CHRISTOVH~RS~N, H~NS~L & LA~CH~I~ und diir~e Dkologen, Physiologen und Biochemiker in gleichem Mage ansprechen. Da sich etwa ein Drittel der Beitr~ge auf aquatis&e Tiere bezieht, werden an& Meeresbiologen und Limnologen, und zwar vornehmlich aus dem 5kologis& orientierten Teil des Bu&es, neue Einsichten und wertvolle Anregungen sch/Spfen.
H.-P. BULNHEIM (Hamburg) MILLIMAN, J. D., MOLLr~, G. & [F6RST,NER, U.: Recent sedimentary carbonates. Part 1: Ma- rine carbonates. Berlin, Heidelberg, New York: Springer, 1974, 375 pp,, 66,- DM.
Dieses Buch fiillt keine Lii&e; es ist ein weiterer Versuch, der Flut der Literatur auf dem Gebiet der Sedimentfors&ung, Karbonatforschung und der Meeresgeologie Herr zu werden. Der yon MILLIMAN verfaflte Band 1 dieses Werkes gliedert sich in vier Teile: (1) Kalzium- karbonat und seine Stabilit~it im marinen Milieu; (2) ~kologie, Petrographie und Zusammen- setzung verschiedener Karbonatkomponenten; (3) Verteilung yon Karbonaten in der Flachsee und Tiefsee; (4) Diagenese, Zementation, Abbau und Dolomifisierung yon Karbonaten.
Der erste Teil ist mehr oder weniger als Hinweis auf vorhandene ausfiihrlichere Literatur zu verstehen, wobei der Verlag seinen Autor MILLIMAN aber ein no& vor Drucklegung erschie- nenes Werk seines Autors LIPI~MANN tiber Karbonate h~itte informieren kSnnen, insbesondere da Zitate des Jahres 1973 gelegentlich auftauchen.
Der Abschnitt tiber abiologische Komponenten ist kurz, der iiber bioiogische Komponenten instruktiv und iibersichtlich. Mit Ausnahme des mageren Kapitels tiber bakterielle und bio- chemische Kalkf~llung im marinen Milieu wird ein ausgezeichneter Uberblick tiber die biologi- schen Kalkkomponenten der rezenten Sedimente gegeben, der zudem sachlich geordnet und auch fiir den Nicht-Geologen verst~indlich dargestellt ist.
Bei der Regionaldarstellung der Karbonatsedimente kommen verst~ndlicherweise Rifle und ,,klassische" Fors&ungsgebiete wieder bei weitem besser weg als ha& einer AufstelIung aller in der Welt bekannten Karbonatgesteine marinen Ursprunges zu erwarten w~re. Bei der Bespre&ung der Schelfgebiete fSillt auf, daft einige Organismen (z. B. Scaphopoda vor der normannischen Kiiste) iiberhaupt ni&t erw~hnt werden. Die Tiefseekarbonate werden hier im Gegensatz zu manchen anderen Biichern (,,Deep sea" kommt im Register yon BATHHURSTS ,,Carbonate Sediments" gar nicht vor) sehr viei ausftihrticher behandelt. Am Kapitel iiber Bioerosion yon Karbonaten wird deutlich, daft zusammenfassende Darstellungen in der heuti- gen Zeit immer fragwiirdiger werden. Viele der in diesem Kapitel gema&ten Aussagen (z. B. fiber die Erosionshohlkehle yon Karbonatgesteinen subtropischer und tropis&er Gebiete) sind in den Jahren bis 1974 bereits wieder modifiziert und tiberholt worden.
Bedauerli& ist der Umstand, dag wie in manchen anderen Bii&ern, die heute erscheinen, Literaturzitate etwa 23 °/0 des Gesamtvolumens betragen (zusammen mit den Zitaten im Text etwa 85 yon 375 Seiten), w~hrend das Register, das vor allem fiir den Studenten und Nicht- fa&mann sehr wertvoll sein kann, aut~erordentlich knapp ist.
Die Abbitdungen und ihre Qualit~t (was bei Springers stolzen Preisen gefordert werden kann) sind hervorragend und instruktiv. Insgesamt ist das Buch als Information fiber rezente marine Karbonate auch far den Ni&tfa~mann besonders im bes&reibenden Teil ausgezei&net geeignet, w~ihrend der genetische Teil verst~indlicherweise vlele Fragen unbeantwortet l~iflt.