Ein b e d e u t s a m e s Quartärprofil in einer H ö h l e n r u i n e b e i
H u n a s / H a r t m a n n s h o f (Nördliche Frankenalb)
2. V o r b e r i c h t
Von F L O R I A N H E L L E R , E r l a n g e n - N ü r n b e r g ])
Z u s a m m e n f a s s u n g : Zum ersten Mal wird von authentischer Seite ausführlicher über die Ergebnisse einer seit 7 Jahren im Gebiete der nördlichen Frankenalb durchgeführten paläonto-logisch-urgeschichtlichen Grabung berichtet. Das in einer Höhlenruine bei Hunas (ca. 40 km östlich von Nürnberg) erschlossene vieigliederige Schichtenprofil reicht vom Würm über das Riß-Würm-Interglazial bis in das Riß zurück. Diese Datierung kann sich nicht allein auf eine reiche Ausbeute an Saugetierresten stützen, sondern findet ihre weitere Untermauerung auch durch die petrogra-phisch-pedologische Untersuchung des Sedimentmaterials. Besondere Bedeutung erlangt der Fund platz schließlich durch die Entdeckung von insgesamt über 250 ortsfremden Silices, die aus nicht weniger als 5 verschiedenen Niveaus des Riß-Wurm und des Riß stammen.
S u m m a r y : For the first time here is given a more detailed authentic report on the results of a 7 year series of paleontological-prehistorical excavations in the northern Frankenalb area. In the ruins of an old cave near Hunas (ca. 40 kms east of Nürnberg) a sealed-off profile containing numerous strata was found, which covers a period of time from the Wurm, through the Riß-Würm-Interglacial to the Riß ice-age. This determination of the age cannot only be based on the rich mass of mammalian-remains, but also is strengthened by the petrographical-pedological exami nation of the sediments. Lastly the site obtained a place of special importance by the discovery of a total of more than 250 allochthonous silices, which were recovered from altogether five different Riß-Würm and Riß levels.
Ohne Wissen und vor allem gegen den Willen des Verfassers dieser Zeilen erschienen Ende Juni/ Anfang Juli 1962, von völlig unberufener Hand geschrieben, in der örtlichen Tagespresse Notizen über „sensationelle Höhlenfunde" im Landkreis Hersbruck/Mfr., bzw. schon weniger richtig, im Sulzbacher Land/Opf. Die Art der Aufmachung, eine Mischung von zum Teil unverstandener Wahrheit mit reiner Erfindung, wobei von der Entdeckung „des ältesten steinzeitlichen Wohn- und Siedlungsplatzes ganz Europas" die Rede war, veranlaßte die Presseagenturen sogleich zu einet Belieferung der wichtigsten Zeitungen des In- und Auslandes mit entsprechenden Nachrichten über die so rasch „berühmt" gewordene Fundstelle. Leider blieb es nicht nur bei dieser unsachlichen Berichterstattung. Vielmehr stellten sich daraufhin am Grabungsort „heimliche" Helfer ein, die bei ihren „Nachforschungen und Uberprüfungen" erheblichen Schaden anrichteten und die wissen schaftlichen Grabungen störten. Eine herbe Enttäuschung für den Verfasser, der als alleiniger Ent decker jahrelang in aller Stille, unterstützt von wenigen treuen Mitarbeitern, die Untersuchungen durchgeführt hatte! Wissenschaftlichen Kreisen lag bis dahin lediglich ein kurzes Selbstreferat über einen Vortrag vor, welcher anläßlich des III. Internationalen Spelaeologen-Kongresses in Wien gehalten worden war (HELLER 1961). Weitere Vorträge im Rahmen von Fachkolloquien und einigen Tagungen hatten hingegen bewußt keinen schriftlichen Niederschlag gefunden.
Nachdem also vorzeitig und, wie schon betont, auf durchaus ungewöhnlichem Wege gewisse Informationen über eine neue quartärgeologisch-paläontologische und vorgeschichtliche Fundstelle an die Öffentlichkeit gedrungen sind, sieht sich der Verfasser auf besondere Aufforderung hin selbst zu einer Zusammenfassung der bisherigen Forschungsergebnisse veranlaßt.
Seit dem Einsetzen der erdgeschichtlich-paläontologischen Forschung können die Höhlen des Fränkischen J u r a als wahre Schatzkammern der Natur gelten. Waren sie es doch, die schon zu Zeiten eines Johann Friedrich ESPER, sodann eines Johann Christian ROSENMÜLLER und August GOLDFUSS die Aufmerksamkeit der wissenschaftlichen Welt auf sich lenkten und wesentlich zur Kenntnis der Tierwelt des „Diluviums" beitrugen. Freilich repräsentierten die „Zoolithen" der fossilen Großsäuger und die erst viel später beachteten gelegentlichen Anhäufungen von kleineren und kleinsten Wirbeltieren stets nur die Fauna der jüngsten Abschnitte des Quartärs. Erst ab 1927 erfolgte sodann die Entdeckung von Restvorkommen fossilführender Sedimente in fränkischen Höhlen, die dem Pliopleistozän, bzw. dem ältesten Quartär und Altquartär angehören und erneut wichtige Beiträge zur Stratigraphie und Chronologie des Eiszeitalters in Europa lieferten ( H E L L E R 1930a und b, 1933, 1955a und 1963, BRUNNER 1933).
Zweifellos besteht nun aber zwischen diesen beiden Ablagerungskomplexen eine ganz erhebliche zeitliche Diskrepanz, was zu der Auffassung führte, im gesamten fränkischen und darüber hinaus
auch im süddeutschen Höhlendiluvium gäbe es keine vollständigeren Schichtenprofile mit älteren als höchstens riß/würm-interglazialen Ablagerungen. (Siehe auch: H E L L E R 1955b und 1960 a u. b.) Diese lange Zeit vertretene These muß nach unseren neuesten Erfahrungen jedoch insofern eine gewisse Modifizierung erfahren, als sie offensichtlich nur für jetzt noch als Höhlen existierende, also jederzeit zugängliche Objekte Gültigkeit hat. Schon rein überlegungsmäßig kann dagegen erwartet werden, daß Höhlenruinen vor allem höher gelegener Verkarstungsniveaus außer den bereits nach gewiesenen ältest- und altquartären Ablagerungen auch solche des mittleren Pleistozäns beinhalten. Einer Freilegung derselben stehen allerdings in der Praxis insofern beträchtliche Schwierigkeiten im Wege, als man dabei in erster Linie auf das Vorhandensein von Steinbrüchen angewiesen ist, bzw. sein dürfte, die zufällig Teile alter, verfüllter Höhlensysteme anschneiden. Nicht zuletzt be darf es schließlich auch der Aufmerksamkeit sowie des guten Willens der Steinbruchsleute, allen fallsige paläontologische und auch andere Funde rechtzeitig zu melden und die Bergung dieses Materials zu veranlassen.
Wenn im folgenden nunmehr von Vorkommen vorwürmeiszeitlicher Ablagerungen größeren Umfanges berichtet werden kann, so stellt dies einen unerhörten Glücksfall dar und ist nur dem Umstand zu verdanken, daß der Steinbruchbetrieb zum Erliegen kam, bevor die betreffenden Verfüllungen unbemerkt dem Abbau anheimfielen.
Bei einer systematischen Untersuchung des Gebietes auf hochgelegene verfüllte K a r s t -hohlformen k a m Verfasser im M a i 1956 nach jahrelanger Pause erstmals wieder in die an der Ostflanke des Steinberges bei H u n a s , bzw. Deinsdorf, befindlichen Dolomitbrüche des M a l m e. Rötliche F ä r b u n g des lockeren Gesteinsmaterials in verschiedenen kleineren S p a l ten und H ö h l u n g e n des H u n a s e r Steinbruches, welcher der F i r m a C a r l Sebald S ö h n e , Zementwerke in H a r t m a n n s h o f , L a n d k r e i s Hersbruck/Mittelf ranken gehört, ließ unter Umständen geologisch ältere faunistische Funde erwarten, und tatsächlich konnten schon sehr bald an einer Stelle einige kleinere Fragmente zweifellos fossiler Knochen und Z ä h n e aufgesammelt werden. Bei einem späteren Besuch des Steinbruches im H e r b s t 1956 erregten sodann am F u ß einer mächtigen, steilansteigenden Schutthalde zahlreiche frei herumlie gende, tiefschwarz gefärbte Knochen meine Aufmerksamkeit. Sie entstammten, wie sich bei näherer Untersuchung ergab, mehreren Fossilhorizonten, welche ungefähr 20 M e t e r darüber in den Restpartien einer großen, völlig verstürzten H ö h l e anstanden.
R u n d 2 5 0 — 3 0 0 cbm Gesteinsmaterial, feinste D o l o m i t s a n d e , kleinere und größere Gesteinsstücke, gröbere Brocken bis z u riesigen Dolomitblöcken und -platten, wurden seit dem in 7jähriger Grabungsarbeit bewältigt und d a b e i ein überaus buntes, vielgliederiges, fossilführendes Schichtenprofil freigelegt, das stellenweise eine Mächtigkeit bis zu 10 M e t e r erlangt, ohne d a ß bisher die eigentliche Felssohle des ehemaligen Hohlraumes erreicht wurde.
G a n z zu oberst ( v g l . A b b . 1 im Beitrag B R U N N A C K E R ) , unmittelbar unter dem F e l s dach liegen, z w a r nicht überall entwickelt, reine feingeschichtete bräunliche D o l o m i t s a n d e ( A ) , die keinerlei Fossilreste enthalten. Sie bilden offensichtlich den Abschluß der gesamten Verfüllungen, w a s schon daraus ersichtlich ist, d a ß verschiedentlich a u f ihnen T e i l e der eingestürzten Höhlendecke in G e s t a l t dicker Dolomitfelsplatten aufruhten.
Die nächstfolgenden Profilglieder in ihren tatsächlichen Zusammenhängen und ihrer Verbreitung richtig z u erkennen, fiel vor allem zu Beginn der Ausgrabungsarbeiten nicht immer leicht, d a der petrographische Charakter der Sedimente nach K o r n g r ö ß e , Beschaffen heit der gröberen K o m p o n e n t e n (Intensität der Verwitterung, G r a d der Verrundung u s w . ) , sowie F ä r b u n g zuweilen rasch wechselte und deutliche Abhängigkeit von mindestens 2 ehemaligen größeren Höhleneingängen und verschiedenen Lieferspalten zeigte. Erst b e i m weiteren F o r t g a n g der Arbeiten wurde immer klarer, daß die Verfüllungsmassen d a s Material mehrerer, völlig ineinandergeschachtelter Schuttkegel repräsentieren. Z w a n g s läufig mußten sich somit in den einzelnen Profilschnitten immer neue Bilder ergeben.
Im N o r m a l p r o f i l lagerten unter den geschichteten reinen D o l o m i t s a n d e n rötlich-braune D o l o m i t s a n d e mit viel kantigem, z u m Teil zersetztem Dolomitschutt ( B ) , sowie bräunlich-lehmige D o l o m i t s a n d e mit zahlreichen festen Dolomitbrocken ( C ) . Beide Schichtenglieder
enthielten nur spärliche Fossilreste von H ö h l e n b ä r , Hirsch, N a s h o r n usw. D i e tieferen gelblich-rötlichen, teils mit eckigen, teils mit auffallend gerundeten Gesteinsbrocken durch setzten D o l o m i t s a n d e ( D ) hingegen lieferten eine reiche Ausbeute an im bergfeuchten Z u stande tiefschwarz gefärbten Knochen. V o r w i e g e n d handelte es sich um Reste eines H ö h lenbären, s o d a n n um solche v o n Hirsch, R e h , Biber und N a s h o r n . H i n z u k o m m e n noch relativ häufig Schneckenschalen von H e l i c i d e n .
Deutlich hob sich bei den anfänglich angelegten Längsschnitten eine graue Schicht (E) ab, aus der wiederum zahlreiche tiefschwarz gefärbte, später s t a r k aufhellende Knochen reste geborgen werden k o n n t e n : sehr häufig H ö h l e n b ä r , seltener Hirsch, Reh, Biber, W i l d pferd und Wisent. N a h e dem ehemaligen S ü d e i n g a n g , unter dem d o r t weit vorspringenden Höhlendach, fanden sich außerdem vereinzelt, dennoch auf engerem R ä u m e beieinander liegend, über 50 Silexstücke, meist stark angewitterte Jurahornsteine, ferner 1 karbonischer Kieselschiefer, welche zum T e i l deutliche S p u r e n einer Bearbeitung erkennen lassen. Beim Fortgang der Grabungen zeigte sich, daß die graue Schicht b e r g w ä r t s immer schwächer wurde und sich zuletzt g a n z verlor. Sehr schön konnte bei Querprofilen gelegentlich eine regelrechte Ablösung der g r a u e n durch die darüberliegende Dolomitsandschicht D beob achtet werden.
Als recht fossilreich erwies sich, wenigstens in ihrem oberen T e i l , die folgende, bis zu 1 Meter mächtige gelbgraue Schicht ( F ) . M i t größter Wahrscheinlichkeit darf sie wohl als weniger s t a r k humifizierte untere Partie d e r grauen Schicht aufgefaßt werden. D a s frisch geborgene Knochenmaterial zeigte meist b r a u n r o t e Färbung u n d lieferte im großen und ganzen dieselben Arten wie Schicht E .
Mit einer Mächtigkeit v o n über 1 Meter schloß sich sodann im nordöstlichen T e i l der Grabungsstelle ein nahezu fundleerer K o m p l e x grauen bis gelblichen, gelegentlich auch hellbräunlichen Dolomit-Bruchschuttes ( G ) mit D o l o m i t s a n d l a g e n und einer deutlichen rötlichen Zwischenzone ( G a ) a n . N a h e seiner B a s i s fanden sich in weiter Verbreitung stark zersetzte H o l z k o h l e n , teils nur einzelne Flitterchen oder Stückchen, hin und wieder kleinere Nester, a b e r auch ausgedehntere, zu einer L a g e v o n 5-7 cm D i c k e zusammengeschlossene V o r k o m m e n . D i e recht schwierige Untersuchung verschiedener Proben durch D r . A . S E L -MAiER-München ergab stets „ N a d e l h ö l z e r " , wobei alle wahrnehmbaren M e r k m a l e des Feinbaues a u f die T a n n e , b z w . auf eine A r t der Gattung Abies hindeuten, Durch Feuer gerötete u n d veränderte Dolomitstücke lieferten ferner den einwandfreien Beweis, daß in der H ö h l e regelrechte Brandstellen unterhalten worden waren. Kulturelle Hinterlassen schaften des steinzeitlichen Menschen als d e m Urheber dieser unübersehbaren Spuren kamen jedoch nur äußerst z ö g e r n d und z u d e m auch überaus spärlich zum Vorschein. D i e Grabungen des Jahres 1961 erbrachten t r o t z stets sorgfältigster Durchsuchung der betref fenden Schichten überhaupt insgesamt nur 4, allerdings unter genauester Beobachtung der F u n d u m s t ä n d e gehobene A r t e f a k t e aus einem interessanten hellgrauen Kieseloolith, dessen Herkunft vorläufig noch v ö l l i g ungeklärt ist. Dieser zwar bescheidene, aber erfreuliche Anfangserfolg berechtigte selbst bei einer gewissen Skepsis z u weiteren E r w a r t u n g e n . Unter erstmaliger tatkräftiger M i t w i r k u n g v o n Herrn Peter SESSLER-Ansbach, dem langjährigen treuen Mitarbeiter des H e r r n D r . K . G U M P E R T , ging es daher im Frühjahr 1962 an d i e Freilegung neuer Querprofilschnitte, welche zunächst die bereits bekannte Schichtenausbildung zeigten. A u s dem unteren T e i l der Bruchschuttschicht ( G s ) k a m e n nur noch 2 größere Abschläge, einer davon a b e r m a l s aus dem eben erwähnten Kieseloolith, der andere aus gelblichem Jurahornstein, zum Vorschein. B a l d aber machte sich eine deutliche V e r ä n d e r u n g in der A u s b i l d u n g der roten Zwischenschicht G 2 bemerkbar. Beim weiteren Vortrieb der Grabungen in südwestlicher Richtung und auf einen (?) der früheren H ö h l e n eingänge z u , wurde diese „Zwischenschicht" a u f Kosten der G 3 mächtiger u n d dunkler, enthielt stellenweise ein bis zu 10 cm starkes Kohlebändchen, t r a t aber auch manchmal in stark versintertem Zustande auf. Ihren C h a r a k t e r als Kulturschicht bewies sie schließlich
durch die H e r a u s g a b e von insgesamt 180 durchaus ortsfremden Hornsteinstücken, neben Artefakten und kleineren und größeren Retuschensplittern auch etliche rohe K n o l l e n . D a z u gesellten sich reiche Funde a n Knochenresten, die wohl zum größten Teil von J a g d beute des Menschen herrühren dürften. Vorwiegende F o r m e n sind: Höhlenbär, Hirsch, R e h und Elch.
Waren K l e i n s ä u g e r - und sonstige Kleinwirbeltierreste in den bisher beschriebenen Schichtgliedern allgemein nur recht spärlich anzutreffen, so stellten sich neuerdings solche in G e s a m t - G , hauptsächlich aber in Go und G3 mit ziemlicher Regelmäßigkeit und zugleich in größeren Anhäufungen ein. A u f f a l l e n d war d a s mitunter massenhafte Auftreten v o n Amphibienknochen. Auch Vogelreste waren nicht selten. Unter den Säugetieren herrschen Vertreter des Microtus arvalis-agrestis-Vormetikreises, Microtus ratticeps usw. vor. F ü r Aussagen in klimatischer Hinsicht g a n z besonders bedeutungsvoll ist d a s , wenn auch s p ä r liche V o r k o m m e n v o n Dicrostonyx, Cricetiscus und Ochotona ( H a l s b a n d l e m m i n g , S t e p penhamster und Zwergpfeifhase!).
Deutlich hebt sich im Gesamtprofil die nächstfolgende leicht lehmige, graubraune Schicht H ab. Durch zahlreiche rostbraune Flecken u n d vereinzelte Kohleflitterchen charak terisiert, enthält sie vielfach von Manganausscheidungen dunkel g e f ä r b t e Dolomitstücke, deren mitunter stärkere Verrundung und Vermorschung auffällt. Besonders hervorzuheben ist ferner, daß sich anfänglich k a u m nennenswerte Knochenreste f a n d e n und die an und für sich spärlichen F r a g m e n t e noch d a z u einen überaus starken G r a d der Zersetzung auf wiesen. Dies u n d die eigenartige, beinahe als verknetet zu bezeichnende Struktur legen die F r a g e nahe, o b es sich hier nicht um eine A b l a g e r u n g handeln k ö n n e , die längere Zeit freilag, also w ä h r e n d einer Sedimentationspause den H ö h l e n b o d e n bildete, der von T i e r e n u n d Menschen begangen wurde ( T r a m p e l b o d e n ! ) . H e r r n Kollegen D r . FiLZER-Tübingen gelang es, in dieser Schicht Pollen festzustellen, die z u 9 0 % von Pinus stammen, aber auch Haselnuß, L i n d e , Eiche, Esche und E r l e ausweisen. W ä h r e n d der letztjährigen Grabungen w u r d e eine Z u n a h m e der durchschnittlichen Mächtigkeit dieser Schicht von bisher 2 0 — 2 5 cm auf 5 0 c m , j a sogar 85 cm beobachtet. Gleichzeitig mehrten sich die Funde besser erhaltener Knochenreste, unter welchen, neben den schon des öfteren genannten Arten, wie Höhlenbär, Hirsch, R e h usw., die F r a g m e n t e mehrerer Elchgeweihe E r w ä h n u n g verdienen. Menschliche Z u t a t e n aus Schicht H sind ein Jurahornsteinstück und ein keilförmiges Stück K a l k aus dem W e r k k a l k des M a l m ß, das in einer f a s t schwarz gefärbten Zone lag. A n einer Stelle der g r a u b r a u n e n Schicht wurde eine e t w a 7 cm starke Kohleneinlagerung a n geschnitten, die ein Abschlagstück eines größeren G a n g q u a r z g e r ö l l e s oder -geschiebes lieferte.
N u r eine geringmächtige L a g e bilden gelbliche L e h m e ( J ) , welche stellenweise über h a u p t nicht als eigentliche Schicht in Erscheinung treten, d a sie offensichtlich in Lücken und H o h l r ä u m e des darunter folgenden, mehr oder weniger verfestigten gröberen Bruch schuttes ( K ) abgerieselt sind, bzw. verschwemmt w u r d e n , der dadurch gelbliche F ä r b u n g angenommen hat. Vielfach mußten daher die mitunter nesterweise vorkommenden K l e i n säuger- und sonstigen Kleinwirbeltierreste, aber auch größere Knochenfragmente usw. z u einer stratigraphischen Einheit ( J + K ) zusammengefaßt werden. D i e F a u n a selbst umfaßt, außer kleinen V ö g e l n , Fledermäuse, Spitzmäuse, M a u l w ü r f e sowie N a g e r , darunter b e merkenswerterweise Apodemus sylvaticus, womit sich diese Tiergesellschaft mindestens z u m Teil als solche des Waldes zu erkennen gibt. A u s d e m gelblichen Bruchschutt stammen an größeren T i e r e n nur vereinzelte F u n d e von H ö h l e n b ä r und Elch (Schädelrest mit O b e r kieferbezahnung). V o n allergrößter Wichtigkeit sind die Unterkiefer-Fragmente eines kapitalen Wildschweines.
D i e in den einzelnen Profilschnitten erschlossenen noch tieferen Verfüllungen scheinen folgende weitere Aufgliederung zu rechtfertigen: ein dunkleres, d. h. humoses Band, unter dem abermals z . T . graugefärbter Bruchschutt ( L ) k o m m t , der seinerseits gröberen bis
groben Versturzblöcken aufliegt, zwischen denen sich als Füllsel gelbliche bis weißliche D o l o m i t s a n d e finden (2 M e t e r ) .
D e r zuletzt beschriebene A b l a g e r u n g s k o m p l e x ist auf G r u n d der bisherigen Feststel lungen nicht gleichartig entwickelt. Im N O der Grabungsstelle besteht nämlich eine durch besonders starkes Einfallen charakterisierte, offensichtlich lokale Sedimentserie unter dem verfestigten Bruchschutt K aus gelbbraunen, gelblichen und. rötlichen D o l o m i t s a n d e n und Feinschutt, sowie kaffeebraunen, gelbbraunen u n d ockerbraunen m e h r oder weniger leh migen Ablagerungen. Hier w u r d e auch im Grenzbereich zu dem groben Bruchschutt an der Basis auf einer Felsplatte eine Feuerstelle v o n 1,45 x 1,50 m Ausdehnung freigelegt, die in einer solchen Tiefe eigentlich nicht erwartet w u r d e . Leider konnten außer weitgehend zerfallenen Kohlestückchen weder Knochenreste etwaiger Beutetiere des Menschen noch irgendwelche Artefakte entdeckt werden.
In ihrer Gesamtheit ist die faunistische A u s b e u t e des Diluvialprofils von H u n a s über aus beachtlich. K a u m eine Schicht erwies sich als völlig steril. D i e H a u p t m a s s e der F u n d e entstammt allerdings den rötlichen D o l o m i t s a n d e n ( D ) , der grauen ( E ) und der gelbgrauen Schicht ( F ) . D e r erst nahezu fundleere Bruchschuttkomplex ( G ) machte während der G r a bungen des J a h r e s 1962 vieles wieder wett.
A u f f ä l l i g ist der stark brüchige Zustand der meisten Kiefer- u n d größeren Knochen reste. Schon in situ weisen diese vielfach deutliche Risse und S p r ü n g e , zuweilen mit regel rechten Versetzungen auf, so d a ß eine E n t n a h m e aus dem Sediment fast stets nur in F r a g menten erfolgen kann. Gleiches gilt für zahlreiche Zähne, insbesondere für die Eckzähne der H ö h l e n b ä r e n , von denen bisher k a u m ein E x e m p l a r beim Bergen völlig intakt blieb. Aber selbst sonst so massive Skelettelemente, w i e Phalangen, M e t a p o d i e n , C a r p a l - und T a r s a l k n o c h e n , Patellen usw., zerbrechen mitunter in mehrere Stücke. Die v o m V e r f . per sönlich durchgeführte Konservierung, d. h. das Zusammensetzen des bis heute angefallenen Fossilmaterials nahm allein schon viele M o n a t e in Anspruch.
Häufigste A r t der G r o ß f a u n a von H u n a s ist ein Höhlenbär, der hinsichtlich seiner verhältnismäßig geringen G r ö ß e und einfachen Zahnskulpturen einen relativ primitiven Eindruck macht. In weitem A b s t a n d , wenn auch durchaus nicht selten, folgen H i r s c h und Reh. Weniger häufig finden sich Reste von Elch und Biber, w ä h r e n d Wolf, P f e r d und N a s h o r n , Wildschwein und ein B o v i d e nur in spärlichen Belegen vorliegen. M i t Sicherheit fehlen bisher Höhlenhyäne, R e n u n d Elefanten. Nennenswerte M e n g e n von K l e i n s ä u g e r n ( F l e d e r m ä u s e , Insektenfresser u n d N a g e r ),ferner v o n Vögeln u n d Amphibien konnten, wie bereits erwähnt, erst im letzten J a h r e a u f g e s a m m e l t werden.
A u f G r u n d der faunistischen Gegebenheiten, die im Rahmen der Besprechung der ein zelnen Schichtglieder ebenfalls schon dargelegt wurden, kann m a n wohl nur den Schluß ziehen, d a ß w i r es bei den Verfüllungen der ehemaligen H ö h l e v o n H u n a s in der H a u p t sache mit Bildungen zu tun haben, deren A b l a g e r u n g v o r der letzten Eiszeit anzusetzen ist. Einen wichtigen F i x p u n k t bildet hierbei die gut vertretene F a u n a der g r a u e n und gelbgrauen Schicht E und F , welche unter allen U m s t ä n d e n nur als zwischeneiszeitlich und z w a r riß-würm-interglazial aufgefaßt werden k a n n . Die hangenden Schichten B / C d a gegen verraten durch stärkere Bruchschuttführung zweifellos einen gewissen g l a z i a l e n E i n schlag. Sie scheinen mehr und mehr zur letzten Eiszeit hinüberzuleiten, bzw. bereits den Phasen des A l t w ü r m s anzugehören, in dessen A b l a u f der weitgehende Einsturz der schon seit langem in Verfall begriffenen H ö h l e erfolgte.
K o n n t e sich die Deutung der mächtigen Bruchschuttmassen v o n G 1 - G 3 als g l a z i a l e Bil dungen bisher lediglich auf den petrographischen Charakter der Ablagerungen stützen, so ist dies mit der Auffindung solch typischer K l i m a i n d i k a t o r e n w i e H a l s b a n d l e m m i n g e n usw. nunmehr zur absoluten Gewißheit g e w o r d e n . Für die zeitliche D a t i e r u n g dieses K o m p l e x e s , ebenso wie der weiteren sich nach unten anschließenden Teile des Profils k o m m t d a n n aber nur eine Z u o r d n u n g zur R i ß - E i s z e i t in F r a g e . I m einzelnen läßt sich,
besonders mit H i l f e der in jeder Hinsicht überaus m a r k a n t e n graubraunen Schicht H , eine noch detailliertere Gliederung vornehmen. Ausweislich des oben mitgeteilten P o l l e n d i a -grammes dieser Schicht muß deren Bildung w ä h r e n d einer z w a r e t w a s wärmeren K l i m a phase, keinesfalls jedoch w ä h r e n d eines echten I n t e r g l a z i a l s erfolgt sein. Nichts ist n a h e liegender als hier die E i n w i r k u n g e n eines Interstadials innerhalb der rißzeitlichen A b lagerungen zu vermuten. D i e s e m könnten auch noch die darunterliegenden gelblichen Lehme ( J ) und ein T e i l des gelblichen Bruchschuttes ( K ) angehören, wohingegen die noch tiefere Abfolge aus mitunter verhältnismäßig g r o b e m Bruchschutt, j a regelrechten B l o c k anhäufungen, einen älteren Abschnitt der Rißeiszeit repräsentieren dürfte. Ob der zu jener Zeit erstmals sich anbahnende V e r f a l l der ehemaligen H ö h l e rein klimatische Ursachen hat oder nicht, w i r d überaus schwer zu entscheiden sein. Eindeutig ging der H o h l r a u m zerstörung noch eine allenthalben in Resten gut feststellbare starke Versinterung v o r a u s , die man zweckmäßigerweise am besten in das große M i n d e l - R i ß - I n t e r g l a z i a l verlegen w i r d . Insgesamt gesehen liegt in der L o k a l i t ä t H u n a s ein für das süddeutsche H ö h l e n d i l u v i u m wohl ziemlich einmaliges u n d ungewöhnliches Schichtenprofil vor, das besonders durch die noch im G a n g befindliche Untersuchung der Faunenreste wertvolle Aufschlüsse zur Feinstratigraphie von Zeitabschnitten erwarten läßt, über die, jedenfalls aus unserem R a u m , noch recht wenig bekannt ist. D a ß bei den geologisch-paläontologisch ausgerichteten Grabungen gleichzeitig auch Hinterlassenschaften des altsteinzeitlichen Menschen in so un erwartet großer Z a h l , und z w a r in nicht weniger als 5 verschiedenen N i v e a u s , zum V o r schein kamen, unterstreicht die Bedeutung dieser Fundstelle noch mehr.
L i t e r a t u r v e r z e i c h n i s
BRUNNACKER, K . : Die Sedimente in der Höhlenruine von Hunas (Nördliche Frankcnalb). (Vor läufiger Bericht.) - Eiszeitalter u. Gegenwart 13, S. 117-120, Öhringen/Württ. 1963. BRUNNER, G.: Eine präglaziale Fauna aus dem Windloch bei Sackdilling (Oberpfalz). - N . J b . Min.
etc. B, Beil.-Bd. 71, S. 303-328, Stuttgart 1933.
HE L L E R , F l . : Jüngstpliozäne Knochenfunde in der Moggaster-Höhle (Fränkische Schweiz). - Cbl. Min. etc. B, S. 154-159, Stuttgart 1930 (1930a). - - Eine Forest-Bed-Fauna aus der Sack dillinger Höhle (Oberpfalz). - N . J b . Min. etc. B, Beil.-Bd. 63, S. 247-298, Stuttgart 1930 (1930b) . - - Ein Nachtrag zur Forest-Bed-Fauna aus der Sackdillinger Höhle (Oberpfalz). - Cbl. Min. etc. B, S. 60-68, Stuttgart 1933. - - Ein kleiner Bär (Ursus sackdillingensis n. sp.) in der cromerischen Fauna der Sackdillinger Höhle (Oberpfalz). -N. J b . Geol. Paläont., Mh., S. 520-530, Stuttgart 1955 (1955a). - - Fauneninhalt und Schichten der Jungfernhöhle. In: KUNKEL, O.: Die Jungfernhöhle bei Tiefenellern usw. -Münchener Beitr. Vor- u. Frühgesch. 5, S. 52-64, München 1955 (1955b). - - Das Diluvial-profil in der Jungfernhöhle bei Tiefenellern, Landkreis Bamberg. - Erlanger geol. Abh. 34, S. 3-17, Erlangen 1960 (1960a). - - Würmeiszeitliche und letztinterglaziale Faunen reste von Lobsing bei Neustadt/Donau. - Erlanger geol. Abh. 34, S. 19-33, Erlangen 1960 (1960b). - - Ein bedeutsames Profil aus dem fränkischen Höhlendiluvium. - Die Höhle. Z. f. Karst- u. Höhlenkde. 12, S. 92/93, Wien 1961. - - Eine altquartäre Wirbeltier fauna des unteren Cromerium aus der nördlichen Frankenalb. - N . J b . Geol. Paläont., Abh. 118, S. 1-20, Stuttgart 1963.
Manuskr. eingeg. 18. 2. 1963. Anschrift des Autors: Prof. Dr. Florian Heller, Nürnberg, Gudrunstraße 26.